Ärztin fällt auf Fake-Krankheit herein und spendet 7.600 Euro
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Medfluencer-Prank

Ärztin fällt auf Fake-Krankheit herein und spendet 7.600 Euro

Marvin Wildhage testete Medizin-Influencer mit einer erfundenen Krankheit – eine Ärztin scheiterte, nun spendet sie ihre Gage und das Doppelte an Ärzte ohne Grenzen.

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Das perfide Experiment

3.800 Euro Gage für einen Werbepost – und das für eine Krankheit, die es gar nicht gibt. Der YouTuber Marvin Wildhage hat mit einem aufwendigen Prank die Glaubwürdigkeit von Medizin-Influencern getestet. Eine frisch approbierte Ärztin ist prompt auf den Schwindel hereingefallen – und muss sich nun mit harscher Kritik und einer saftigen Spende rechtfertigen.

Wildhage (30) ist bekannt für seine investigativen Pranks. Diesmal legte er monatelange Vorarbeit hin: Er erfand die „Postvirale Nasale Hypersensibilität“ (PVNH) – eine angebliche Schwellung der Nase nach Infekten, die sofort an Pinocchio denken lässt. Dazu gründete er ein fiktives Pharmaunternehmen unter der Leitung der erfundenen „Dr. Beatrice Geppetto“. Auf der eigens erstellten Website versteckte das Team absichtlich Hinweise auf den Fake, etwa in den Datenschutzrichtlinien – doch die blieben unbemerkt.

Instagram · @marvin.wildhage

Wildhages Scheinfirma schrieb reichweitenstarke Medfluencer mit Kooperationsangeboten an. Der Medizinstudent Jonas „Jones“ Köller (rund 300.000 Follower) lehnte ab – sein Management bemerkte den fehlenden Handelsregistereintrag und dass die Krankheit unbekannt war. Die approbierte Ärztin Alina Walbrun dagegen willigte ein und veröffentlichte eine gesponserte Instagram-Story.

Walbrun ging sogar über das Kampagnen-Briefing hinaus: Sie behauptete, die erfundene Krankheit bereits während ihres HNO-Fachsemesters im Studium behandelt zu haben, und erfand zusätzliche Symptome wie Reizungen durch Klimaanlagen-Luft oder Parfümgeruch – Details, die im Drehbuch nie vorkamen.

Was soll ich sagen? Ich bin drauf reingefallen.
Alina Walbrun (Ärztin und Medizin-Influencerin)

Am 22. Juli, drei Tage nach Veröffentlichung des Videos, meldete sich die Influencerin auf Instagram zu Wort. Sie räumte ihren Fehler offen ein: „Ich wurde Teil einer konstruierten Kampagne, bei der eine fiktive Pharmafirma über eine Fake-Website einen erfundenen Krankheitsbegriff lancierte, um zu testen, ob und wie Mediziner beziehungsweise Content Creator darauf reinfallen.“

Ich hätte gründlicher sein müssen. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung. Und alle, deren Vertrauen ich enttäuscht habe, bitte ich um Verzeihung.
Alina Walbrun (Ärztin und Medizin-Influencerin)

Als Konsequenz kündigte Walbrun an, die vertraglich vereinbarte Gage in Höhe von 3.800 Euro sowie den gleichen Betrag aus eigener Tasche an „Ärzte ohne Grenzen“ zu spenden. „Denn die machen einen unfassbaren Job in Krisengebieten in 70 Ländern“, erklärte sie. Insgesamt fließen so 7.600 Euro an die Hilfsorganisation.

Wildhage geht es mit der Aktion um ein größeres Problem: Sogenannte „Disease Awareness Kampagnen“ der Pharmaindustrie schüren oft Ängste, um dann das passende Medikament zu verkaufen. „Also erstmal Angst machen und dann die passende Lösung dafür verkaufen“, brachte er es im Video auf den Punkt. Wer medizinische Inhalte verbreite, trage nicht nur Verantwortung für Klicks und Umsätze, sondern „möglicherweise auch für die Gesundheit ihrer Follower“.

Also erstmal Angst machen und dann die passende Lösung dafür verkaufen.
Marvin Wildhage (YouTuber und Comedian)

Das Netz feiert Wildhage für den gelungenen Prank. Auf X und Instagram wird das Video breit diskutiert, und auch bei Promiflash schlug der Fall hohe Wellen. Die Debatte um die Sorgfaltspflicht von Medfluencern dürfte noch nicht abebben – ein Einzelfall, so Wildhage selbst, bringe zwar nicht alle in Verruf, aber das Risiko für Patienten sei real.

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