"Kuchen" für 1.000 Euro: Zen-Meister soll Schüler systematisch ausgebeutet haben
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Zen-Meister in Hessen

"Kuchen" für 1.000 Euro: Zen-Meister soll Schüler systematisch ausgebeutet haben

BR und Tagesschau enthüllen: Ein Zen-Meister in Hessen soll jahrelang Schüler manipuliert und ihnen Geld abgepresst haben. Mit dem Codewort "Kuchen" wurden 1.000-Euro-Beträge für Casino-Besuche und Luxusurlaube gesammelt. Der Meister weist alle Vorwürfe zurück – doch Rundmails belegen die Praxis.

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Mit einer Drohung hielt der Zen-Meister seine Anhänger bei der Stange: Wer sich abwandte, dem drohe ein "sehr gefährlicher Weg" – das "Samsara", erklärte er 2022 in einem Vortrag. Am 23. Juli 2026 veröffentlichten der Bayerische Rundfunk und die Tagesschau eine investigative Recherche über den nicht namentlich genannten Meister aus Hessen. Ehemalige Schüler erheben darin schwere Vorwürfe: psychische Manipulation, unbezahlte Arbeit und ein ausgeklügeltes System zur Geldeintreibung.

Das System 'Kuchen'

In internen Rundmails, die dem BR vorliegen, nutzten Mitglieder das Codewort "Kuchen" für 1.000 Euro. "Wir sammeln inzwischen 33 Kuchen und es sind aber noch Reisekuchen hinzugekommen", heißt es in einer Mail von 2010. Eine andere fordert: "Wir brauchen noch circa fünf von den acht Kuchen und zwar nicht als Zusage, sondern in meinem Briefkasten." Die ehemalige Schülerin Steffi, die 25 Jahre in der Gruppe verbrachte, sagt: Das Geld sei für einen gescheiterten Casino-Besuch des Meisters, für Luxusurlaube und einen Mercedes verwendet worden. Ein geflügelter Spruch in der Gruppe lautete: "Geld kommt immer wieder rein, aber einen erleuchteten Meister findest du nur einmal."

Psychische Manipulation und Drohungen

Steffi berichtet von der "Augenschau" – einem langen, intensiven Blick, bei dem sie das Gefühl hatte, der Meister schaue ihr in die Seele. "Ich war wirklich überzeugt davon, einen erleuchteten Meister vor mir zu haben", sagt sie heute. Rückblickend sieht sie ihn als jemanden, "der es geschafft hat, ein Spinnennetz aus Angst und Abhängigkeiten aufzubauen." Die Lehre von Karma und Wiedergeburt diente als Druckmittel: "Die fallen jetzt ins Samsara. Das ist tödlich, die gehen einen sehr gefährlichen Weg und die bewegen sich auf den Abgrund zu", sagte der Meister über Aussteiger. Anhänger glaubten, er könne ihnen zu einer guten Wiedergeburt verhelfen.

Der Meister weist alle Vorwürfe zurück

Der Zen-Meister bestreitet die Vorwürfe. "Systematische körperliche, geistige und finanzielle Ausbeutung meiner Schüler weise ich zurück", erklärte er schriftlich. Die "Kuchen"-Rundmails habe er nicht erhalten. Die Zahlungen seien freiwillige Schenkungen nach dem buddhistischen Dana-Prinzip. Angst habe in seiner Lehre keinen Platz: "Ich möchte keine blinden Anhänger, sondern Menschen, die denken, hinterfragen und ihren eigenen Weg gehen." Dass einzelne Aussteiger negative Gefühle hätten, nehme er ernst, so der Meister.

Ein strukturelles Problem

Deutschlandweit gibt es laut Deutscher Buddhistischer Union (DBU) rund 500 buddhistische Gruppen, aber nur etwa 60 sind im Verband organisiert. Eine Standard-Ausbildung zum Zen-Meister existiert nicht, wie die Tagesschau berichtet. "Wer beispielsweise eine Zeit in einem japanischen Kloster verbracht hat und danach Menschen um sich schart, kann eine Gruppe eröffnen", heißt es dort.

Ohne gute Lehrer ist der Weg kaum zu gehen. In problematischen Gruppen fehlt aber jede Kultur, Fehler des Lehrers konstruktiv anzusprechen, oft, weil sie aktiv unterdrückt wird: Wer Kritik übt, gilt als verblendet.
Tenzin Peljor, Buddhistischer Mönch und Sektenaufklärer

Der vierteilige BR-Podcast "Seelenfänger: Meister und Mausi" beleuchtet auch die Rolle der Ehefrau des Meisters, genannt "Mausi". Sie soll als Nachfolgerin aufgebaut worden sein. Zudem wird eine ungeplante Schwangerschaft thematisiert, die unter dem Einfluss des Meisters zu schweren Konflikten führte. Steffi, die nach 25 Jahren ausstieg, bereut viele Entscheidungen und hohe Geldzahlungen.

Doch sie sagt heute: "Der Meister hat keine Macht mehr über mich."

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