AfD erstmals auf Platz eins – CDU und Linke gleichauf
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Berlin-Umfrage

AfD erstmals auf Platz eins – CDU und Linke gleichauf

INSA-Umfrage zeigt politischen Erdrutsch zwei Monate vor der Wahl. SPD fällt auf 13 Prozent, FDP und BSW würden an der Fünfprozenthürde scheitern.

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Historischer Führungswechsel

Erstmals in einer Umfrage zur Berliner Abgeordnetenhauswahl liegt die AfD vorn. Das Meinungsforschungsinstitut INSA veröffentlichte am 23. Juli 2026 Zahlen, die die Partei mit 19 Prozent an der Spitze sehen – zwei Monate vor der Wahl am 20. September.

CDU und Linke folgen mit jeweils 18 Prozent gleichauf auf Rang zwei, die Grünen kommen auf 16 Prozent. Die SPD stürzt um drei Punkte auf nur noch 13 Prozent ab. FDP und BSW scheitern mit je vier Prozent an der Fünfprozenthürde. Die Fehlertoleranz der Erhebung liegt bei ±3,1 Prozentpunkten.

SPD-Absturz und CDU-Turbulenzen

Die CDU durchlitt in den Wochen vor der Befragung erhebliche Turbulenzen. Regierungschef Kai Wegner war als Spitzenkandidat zurückgetreten, nachdem monatelang falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement während eines großen Stromausfalls im Januar 2026 kritisiert worden waren. Finanzsenator Stefan Evers übernahm die Kandidatur.

Der Personalwechsel half der CDU zunächst nicht: Die Partei büßte im Vergleich zur Vorwoche zwei Punkte ein, und die Konkurrenz wertet die Rochade nicht als Politikwechsel. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach nannte die Nominierung Evers‘ eine „Rochade“. Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch und Linken-Fraktionschef Tobias Schulze verwiesen auf von Evers zu verantwortende Kürzungen im Sozial- und Kulturbereich.

Offener Wahlkampf ohne klare Führung

Die Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach von der Freien Universität Berlin ordnete die Lage in einer RBB-Sendung so ein:

Jetzt ist der Wahlkampf im Grunde völlig offen. Alle Parteien gleichauf, niemand klar in Führung und keine populäre Figur in dem Sinne.
Julia Reuschenbach, Politikwissenschaftlerin

Noch eine Woche zuvor hatte eine Infratest-Dimap-Umfrage im Auftrag des RBB ein anderes Bild ergeben: Die Linke führte mit 22 Prozent, die CDU lag bei 20, die AfD nur bei 16 Prozent. Bereits Anfang Juli sah eine Erhebung die Linke als stärkste Kraft, doch die Stimmung scheint extrem volatil.

Brinker: „Evers hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen“

AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker kommentierte den CDU-Wechsel spitz:

Das System CDU existiert ja weiter, egal ob Herr Wegner da vorne steht oder Herr Evers.
Kristin Brinker, AfD-Spitzenkandidatin Berlin

Wegner hätte auch als Regierender Bürgermeister zurücktreten und „Tabula rasa“ machen müssen, so Brinker. Evers habe zwar „immer einen flotten Spruch auf den Lippen“, das ändere aber nichts. Stefan Evers selbst bekräftigte derweil die Abgrenzung zur AfD:

Es gilt, was wir immer gesagt haben: Wir lehnen jede Zusammenarbeit mit radikalen oder extremen Parteien ab. Das gilt auch für die AfD. Sie schadet unserem Land.
Stefan Evers, CDU-Spitzenkandidat und Finanzsenator Berlin

FDP greift CDU scharf an

Der Berliner FDP-Landesvorsitzende Christoph Meyer richtete scharfe Kritik an den Christdemokraten:

Sie verantwortet Rekordschulden, eine bisher nicht gekannte Verwahrlosung der Stadt, neue Belastungen für die Wirtschaft und verfehlte Wohnungsbauziele. Ich habe Verständnis dafür, dass viele CDU-Wähler das enttäuscht.
Christoph Meyer, FDP-Landesvorsitzender Berlin

SPD-Spitzenkandidat Krach warnte vor wachsender Polarisierung und betonte:

Die Polarisierung, die CDU und Linke anheizen, schadet Berlin. Ich kämpfe um jede Stimme für eine neue SPD, weil ich unsere Stadt wieder zusammenführen will und nicht zulassen, dass die Rechtsradikalen in der deutschen Hauptstadt auf den ersten Platz marschieren.
Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat und Landesvorsitzender

Für die repräsentative Erhebung wurden 1.000 Berlinerinnen und Berliner zwischen dem 14. und 21. Juli 2026 online befragt. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet und bilden nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung ab. Die Abgeordnetenhauswahl findet am 20. September 2026 statt.

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