Moskau beschuldigt Berlin der Kriegsbeteiligung
Die diplomatische Krise zwischen Berlin und Moskau hat am Montag eine neue Eskalationsstufe erreicht: Das russische Außenministerium bestellte den deutschen Botschafter Alexander Graf Lambsdorff ein und warf der Bundesregierung eine „direkte Beteiligung“ an ukrainischen Angriffen auf russische Zivilinfrastruktur vor.
In einer auf Facebook veröffentlichten Erklärung nannte Moskau drei konkrete Kritikpunkte. Deutschland habe mit der Ukraine militärische Abkommen geschlossen, liefere unmittelbar Waffen – darunter Drohnen und Flugabwehrraketen – und organisiere gemeinsame Rüstungsprojekte, die gezielt gegen friedliche Einrichtungen in Russland eingesetzt würden.
Zusätzlich verschärfte ein Video der deutschen Botschaft in Moskau den Konflikt. Der Clip thematisierte eine Benzinkrise in Russland infolge ukrainischer Drohnenangriffe auf Raffinerien und rief zu einem Ende des Krieges auf. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete die Veröffentlichung als „unverschämt“.
Das Auswärtige Amt in Berlin wies die russischen Vorwürfe entschieden zurück. Gegenüber der DW nannte das Ministerium die Einbestellung eine „völlig haltlose Maßnahme“. Deutschland betont, dass die Ukraine sich in einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg verteidige und militärische Hilfe dem Selbstverteidigungsrecht nach der UN-Charta diene.
„Der Versuch, sachlich zutreffende Öffentlichkeitsarbeit der deutschen Botschaft zu unterbinden, läuft ins Leere. Die Botschaft wird sich auch weiterhin für ein Ende des schrecklichen Angriffskrieges gegen die Ukraine aussprechen und seine Folgen thematisieren.“
Bemerkenswert: Die Einbestellung erfolgte an Lambsdorffs letztem Arbeitstag in Moskau. Der Diplomat verabschiedete sich am Dienstag aus Russland, um seinen neuen Posten als Botschafter in Israel anzutreten. Das russische Außenministerium kommentierte sarkastisch, man habe „mit nicht geringer Genugtuung“ zur Kenntnis genommen, dass Lambsdorff Russland „bald mit einem benzinbetriebenen Auto in seine Heimat“ verlassen werde.
Berlin bestellt russischen Botschafter ein
Parallel eskalierte die Krise auch in Berlin. Die Bundesregierung bestellte am selben Tag den russischen Botschafter ein. Außenminister Johann Wadephul (CDU) begründete dies mit schweren Cyberangriffen des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB auf Regierungsnetzwerke und kritische Infrastrukturen in Deutschland.
„Ich sage ganz klar: Wir behalten uns auch weitere Schritte vor.“
Der 13. Juli 2026 markiert einen neuen Tiefpunkt in den deutsch-russischen Beziehungen. Die scharfe Rhetorik Moskaus – von „direkter Kriegsbeteiligung“ bis zu „Nazi-Propaganda“ – zeigt, dass der Kreml die deutsche Ukraine-Hilfe nicht länger als Unterstützung eines Verteidigungskrieges, sondern als feindlichen Akt gegen Russland selbst einstuft. Die gegenseitigen Einbestellungen machen deutlich, wie schnell militärische Hilfe in eine gefährliche Eskalation zwischen zwei der wichtigsten Mächte Europas umschlagen kann.





