855 km Reichweite, 800-kg-Gefechtskopf: Ukraines FP-9-Rakete vor Einsatz gegen Moskau
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FP-9-Ballistikrakete

855 km Reichweite, 800-kg-Gefechtskopf: Ukraines FP-9-Rakete vor Einsatz gegen Moskau

Die ukrainische Rüstungsfirma Fire Point hat offenbar den ersten Testflug ihrer ballistischen Rakete FP-9 durchgeführt. Mit über Mach 7 und einer Reichweite von 855 Kilometern rückt Moskau in unmittelbare Schlagdistanz – die russische Luftabwehr steht vor einem neuen Problem.

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Die Rakete, die Moskau erreichen soll

Ein Video von einem Raketenstart, kommentiert mit nur einem Wort – „Schönheit“ –, elektrisiert seit dem 20. Juli 2026 die Militärbeobachter. Veröffentlicht von Denys Shtilerman, Chefdesigner des ukrainischen Rüstungsunternehmens Fire Point, zeigt es mutmaßlich den ersten Testflug der ballistischen Kurzstreckenrakete FP-9. Sollte sich dies bestätigen, steht Russlands Hauptstadt vor einer völlig neuen Bedrohung.

Die FP-9 ist kein gewöhnliches System. Mit einer Länge von 9,5 Metern und einem Durchmesser von 1,1 Metern ist sie größer als die russische Iskander-M. Ihr Feststoffraketenmotor, der auf der Rüstungsmesse Eurosatory im Juni 2026 ausgestellt wurde, erzeugt 37.000 kgf Schub und beschleunigt die Rakete auf über 2.200 Meter pro Sekunde – mehr als Mach 7. Die Reichweite beträgt offiziell 855 Kilometer, der Gefechtskopf wiegt 800 Kilogramm. Moskau liegt von Kiew aus rund 750 Kilometer entfernt, von der ukrainisch-russischen Grenze nur etwa 450 Kilometer.

Wir haben alles für die FP-9, die Moskau erreichen kann, außer dem Triebwerk. Wir werden das Triebwerk in diesem Monat testen und erwarten, bald mit den Testflügen zu beginnen. Sobald ein Testflug zeigt, dass alles einwandfrei funktioniert, sollte der nächste Flug Richtung Moskau gestartet werden.
Denys Shtilerman, Chefdesigner und Mitgründer von Fire Point

Shtilerman hatte bereits Ende Juni 2026 im Gespräch mit dem ukrainischen YouTube-Kanal „Pressing“ klargemacht, dass es nur noch eine Frage weniger Wochen sei. „Ich erwarte, dass wir in diesem Sommer oder spätestens im Frühherbst mit den Testflügen Richtung Moskau beginnen“, sagte er. Das nun aufgetauchte Video könnte genau diesen Schritt dokumentieren – eine offizielle Bestätigung von Fire Point steht allerdings noch aus.

Russlands Luftabwehr unter Druck

Ballistische Raketen stellen jedes Verteidigungssystem vor enorme Herausforderungen. Der Großteil des Fluges findet in Höhen zwischen 50 und 70 Kilometern statt, die für die meisten Boden-Luft-Raketen unerreichbar sind. Erst in der letzten Flugphase – etwa 20 bis 30 Sekunden vor dem Einschlag – kann die Abwehr eingreifen. „Schlägt der erste Versuch fehl, gibt es keine zweite Chance“, erklärt der französische Militäranalyst Etienne Marcuz.

Shtilerman selbst schätzt, dass etwa ein Viertel der abgefeuerten FP-9 trotz der russischen Luftabwehr durchkommen werde. Zum Vergleich: Der Marschflugkörper FP-5 „Flamingo“, ebenfalls von Fire Point entwickelt, erreicht sein Ziel nur in etwa 20 bis 25 Prozent der Fälle – er fliegt mit Unterschallgeschwindigkeit und ist leichter abzufangen. Die FP-9 ist mit ihrer Endgeschwindigkeit von knapp 8.000 km/h ein völlig anderes Kaliber.

Russland hat offenbar bereits reagiert. Satellitenbilder von Ende Juni 2026 zeigen den Bau neuer Luftverteidigungsstellungen rund um Moskau, die mit S-400-Systemen bestückt werden können. Zudem meldete das russische Verteidigungsministerium am 1./2. Juli den Abschuss einer „operativ-taktischen Langstreckenrakete“ nahe der Hauptstadt. Pro-russische Kanäle spekulierten sofort über einen FP-9-Einsatz, Kiew schwieg dazu.

Ein privates Unternehmen als Raketenschmiede

Fire Point wurde 2022 in Kiew von Ingenieuren, Architekten und Spieleentwicklern gegründet – ohne militärisch-industrielle Vorerfahrung. Heute produzieren sie mehr als die Hälfte aller Langstrecken-Angriffsdrohnen der Ukraine und haben mit der FP-9 erstmals eine ballistische Rakete entwickelt. Für die Fertigung baute das Unternehmen eine eigene Festtreibstoffanlage auf, eine Fähigkeit, über die die Ukraine zuvor nicht verfügte.

Die formelle Freigabe für den operativen Einsatz durch das ukrainische Verteidigungsministerium wird noch in diesem Jahr erwartet. Sollte das Testvideo tatsächlich einen erfolgreichen Flug zeigen, könnte der von Shtilerman angekündigte „Flug Richtung Moskau“ schon in den nächsten Wochen Realität werden. Für die russische Hauptstadt würde das eine neue Eskalationsstufe bedeuten – mit einer Waffe, gegen die selbst modernste Systeme kaum eine zweite Chance bieten.

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