Chrupalla verlangt Kurswechsel von Merz
Tino Chrupalla hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einer Videoansprache am 23. Juni 2026 scharf attackiert. „Das deutsche Volk will keinen Krieg und schon gar nicht gegen Russland“, erklärte der AfD-Co-Vorsitzende und Bundestagsfraktionsvorsitzende auf X. Er forderte Merz auf, noch vor dem E5-Treffen in Berlin am 24. Juni eine diplomatische Wende in der Ukraine-Politik einzuleiten.
Hintergrund ist das geplante Treffen der E5-Gruppe – Deutschland, Frankreich, Polen, Italien und das Vereinigte Königreich – bei dem über weitere Militärhilfen für die Ukraine beraten werden sollte. Chrupalla kritisierte, es gehe „wieder um Unterstützung für die Ukraine, dabei sind unsere Rentenkassen leer und unser Land braucht dringend Investitionen“.
Costas Impuls als Vorbild
Der AfD-Chef bezog sich in seiner Ansprache auf einen Vorstoß von EU-Ratspräsident António Costa, der sich zuvor für die Öffnung diplomatischer Kanäle im Ukraine-Konflikt ausgesprochen hatte. Chrupalla forderte Merz auf, diesen „Impuls aufzunehmen“ und auf Diplomatie statt auf militärische Unterstützung zu setzen.
„Das deutsche Volk will keinen Krieg und schon gar nicht gegen Russland. Wir fordern deshalb Friedrich Merz auf, Führungsstärke zu zeigen, die diesen Namen auch endlich verdient. Er sollte morgen unlängst einen Kurswechsel einleiten und den Impuls des Europäischen Ratspräsidenten António Costa aufnehmen, und zwar, die diplomatischen Kanäle endlich zu öffnen.“
Putin lobt AfD – NATO widerspricht
Chrupallas Forderung fällt in eine Zeit scharfer internationaler Kontroversen. Einen Tag zuvor hatte Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt, in Deutschland verzeichneten politische Kräfte, die „normale Beziehungen“ zu Russland anstrebten, einen „Aufschwung“ – eine unverhohlene Anspielung auf die AfD.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte widersprach am selben Tag und betonte, die ukrainische Armee sei auf dem Schlachtfeld erfolgreich und töte monatlich 30.000 bis 35.000 russische Soldaten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 24. Juni, die Ukraine werde Russland „für den Frieden zwingen“ und verwies auf erfolgreiche Angriffe tief im russischen Hinterland.
Bereits eine Woche zuvor hatte Chrupalla dem Luftwaffen-Inspekteur „Kriegsdrohungen“ gegen Russland vorgeworfen und Verteidigungsminister Boris Pistorius zum Eingreifen aufgefordert. Die AfD lehnt seit Beginn des russischen Angriffskriegs Waffenlieferungen und Sanktionen ab. Chrupallas Videobotschaft reiht sich in die konsequente Parteilinie, die auf eine Annäherung an Moskau setzt.
Bundeskanzler Merz hat sich bislang nicht zu Chrupallas Forderung geäußert. Beim E5-Treffen in Berlin dürfte die militärische Unterstützung der Ukraine jedoch erneut im Mittelpunkt stehen. Die Bundesregierung hält unverändert an ihrem Kurs fest.





