Glitzerndes Duett auf dem Grünen Hügel
Zwei funkelnde Auftritte stahlen der feierlichen Eröffnung fast die Schau: Kanzlergattin Charlotte Merz und Forschungsministerin Dorothee Bär erschienen am Samstagabend bei den 150. Bayreuther Festspielen in nahezu identischen Glitzerlooks – und lieferten sich ein unfreiwilliges Stil-Duell. Während die Welt auf den politischen und kulturellen Rahmen des Jubiläums blickte, richteten sich alle Augen auf die Pailletten-Roben der beiden prominentesten Damen des Abends.
Charlotte Merz trat an der Seite von Bundeskanzler Friedrich Merz in einem edlen grünen Abendkleid mit hohem V-Ausschnitt auf. Dazu kombinierte sie eine farblich abgestimmte Clutch und große Ohrringe. Das glitzernde Ensemble stand in deutlichem Kontrast zu ihrem schlichten Satinkleid im Vorjahr – ein modisches Statement zum Jubiläum. Das Ehepaar Merz posierte mehrere Minuten lächelnd für die Fotografen, bevor es das Festspielhaus betrat.
Nur wenige Meter weiter zog Dorothee Bär in einer dunkelroten, hautengen Robe alle Blicke auf sich. Das Kleid war über und über mit funkelnden Pailletten besetzt und zeigte einen tiefen V-Ausschnitt sowie auffällige, wasserfallartige Applikationen an Schultern und Oberarmen – ganz ohne Ärmel, im Unterschied zu Merz' Entwurf. An ihrer Seite: Ehemann Oliver Bär im klassischen Smoking.
Glitzer-Gäste und Polit-Prominenz
Die beiden waren mit ihrer Outfitwahl nicht allein. Altkanzlerin Angela Merkel erschien in einem türkisfarbenen Zweiteiler mit Glitzereffekt, Festspielchefin Katharina Wagner trug ein funkelndes, langärmliges schwarzes Kleid, und Karin Baumüller-Söder setzte bei ihrem royalblauen Ensemble zumindest an Gürtel und Ärmeln Glitzerakzente. Der rote Teppich verwandelte sich so in eine funkelnde Modenschau.
Zu den zahlreichen Gästen aus der Bundespolitik zählten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, die Kanzleramtschefin Nina Warken mit Ehemann, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sowie der bayerische Kunstminister Markus Blume. Den meisten Applaus neben den politischen Größen erhielt Entertainer Florian Silbereisen, der zum ersten Mal die Festspiele besuchte.
Zwischen Glamour und Mahnung
Die festliche Stimmung wurde von ernsten Tönen durchbrochen. Festspielchefin Katharina Wagner stellte sich in ihrer Begrüßung entschieden gegen Rassismus und Geschichtsverharmlosung und verwies auf die NS-Verstrickung ihrer Familie. Gemeinsam mit dem jüdischen Publizisten Michel Friedman begrüßte sie die Gäste – eine Geste der Versöhnung nach einer Kontroverse um eine vorab abgesagte Gedenkveranstaltung.
„Unstimmigkeiten und Fehlern im Vorfeld, die wir zu verantworten haben.“
Bundeskanzler Friedrich Merz erinnerte in seinem Grußwort an Richard Wagners Antisemitismus und plädierte gegen vorschnelle Verurteilungen. Er zitierte Thomas Mann, wonach man Wagner „genießen, aber nicht ohne Misstrauen“ könne, und lobte die inzwischen kritische Auseinandersetzung am Ort des Geschehens.
„Canceln ist jedenfalls auch hier keine Lösung.“
Tradition gebrochen: Beethoven statt Wagner
Zum Jubiläum brachen die Festspiele mit einer eigenen Tradition: Statt mit einer Wagner-Oper erklang zur Eröffnung Ludwig van Beethovens 9. Symphonie unter Christian Thielemann – jenes Werk, das auch zur Grundsteinlegung des Festspielhauses 1872 von Wagner selbst dirigiert worden war. Am Sonntag steht die mit Spannung erwartete Premiere von Wagners umstrittenem Frühwerk „Rienzi“ in einer Neuinszenierung auf dem Programm.





