Ein Leben ohne Fleisch: Stefanie Hertels frühe Überzeugung
Stefanie Hertel, geboren 1979 im Vogtland, wuchs in einer ländlichen Umgebung mit engen Kontakten zu Tieren auf. Schafe und Katzen prägten ihre Kindheit. Mit 17 Jahren fasste sie einen Entschluss, der ihr Leben verändern sollte: Sie wurde Vegetarierin. „Für mich war das eine ethische Frage“, erklärte sie später immer wieder. Ihre Eltern unterstützten sie, doch im Bekanntenkreis stieß sie auf Unverständnis.
Während ihre Überzeugung reifte, startete sie parallel eine steile Musikkarriere. Bereits mit sechs Jahren stand sie im DDR-Fernsehen, der große Durchbruch gelang 1992 beim Grand Prix der Volksmusik. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie zu einer der bekanntesten Stimmen des Genres. Von 2006 bis 2012 war sie mit Trompeter und Moderator Stefan Mross verheiratet – ein Glamourpaar der Volksmusikszene.
Trotz des Rampenlichts hielt sie an ihrem vegetarischen Lebensstil fest. In der Talkshow „Kölner Treff“ am 24. Juli 2026 erinnerte sie an die frühen Anfeindungen: „Vor 30 Jahren noch hat man einen wirklich ganz doof angeguckt, wenn man gesagt hat, man isst kein Fleisch.“ Gastgeber hätten ihr oft nur „irgendwelche Erbsendosen“ angeboten.
„Vor 30 Jahren noch hat man einen wirklich ganz doof angeguckt, wenn man gesagt hat, man isst kein Fleisch.“
Heute habe sich das gesellschaftliche Klima gewandelt, so Hertel. „Heutzutage ist es Gott sei Dank Normalität geworden, dass man, wenn vielleicht gar kein Vegetarier ist, gerne fleischlos isst.“ Doch sie warnte vor Selbstzufriedenheit. Im Rahmen des Specials „Tierischer Treff“, einer Kooperation mit der WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“, betonte sie: „Das sollte, das muss die Zukunft werden, dass wir alle über unseren Fleischkonsum nachdenken.“ Ihr Appell zielte darauf ab, dass die Normalisierung des Fleischverzichts erst der Anfang sein könne.
Dass eine volkstümliche Schlagersängerin so offen für eine Ernährungswende eintritt, mag überraschen. Hertel selbst sieht darin keinen Widerspruch. Sie ist Botschafterin des Deutschen Tierschutzbundes und unterstützt PETA-Kampagnen. Ihre Tierliebe zeigt sich auch privat: Auf einer Griechenland-Reise rettete sie eine trächtige Hündin, die in Deutschland vier Welpen zur Welt brachte. Heute leben auf ihrem Anwesen zahlreiche Tiere, die ohne ihr Eingreifen keine Chance gehabt hätten.
Zwischen Volksmusik und veganem Aktivismus
Die emotionale Tiefe der Mensch-Tier-Beziehung wurde auch von den anderen Gästen des Abends unterstrichen. Andrea Sawatzki engagiert sich gegen rumänische Tötungsstationen, Armin Rohde kämpfte beim Gedanken an seinen verstorbenen Hund Ike mit den Tränen. Die Moderatoren Susan Link und Micky Beisenherz sowie „Tiere suchen ein Zuhause“-Gesicht Simone Sombecki führten durch den Abend, ergänzt von Fachleuten wie Hundetrainerin Ellen de Sousa Marques und Tierpädagoge Holger Peters.
Die Sendung verdeutlichte, wie sehr sich der Diskurs um tierische Produkte in den letzten Jahrzehnten verschoben hat – aber auch, welcher Druck auf Landwirtschaft und Verbraucher lastet. Experten mahnen seit langem, dass eine Halbierung des Fleischkonsums in Industrieländern nötig wäre, um Klimaziele zu erreichen.
Fleischkonsum auf dem Prüfstand
Wie Focus Online berichtet, wurde die Sendung im Anschluss an die Ausstrahlung intensiv diskutiert. Hertels langjähriges Engagement und ihr überraschender Background geben der Debatte um eine Reduktion des Fleischverzehrs eine neue, persönliche Note. Nach 30 Jahren Vegetarismus weiß sie: Der Wandel fängt im Kleinen an – bei jedem Einzelnen. Die Frage, die sie stellt, ist unbequem, aber drängend: „Überdenken wir wirklich unseren Konsum?“
Die Aufzeichnung vom 24. Juli 2026 (Erstausstrahlung um 22:00 Uhr, Wiederholung am nächsten Morgen) zeigte, dass Tierschutz quer durch die Gesellschaft geht. Hertels klare Worte – 30 Jahre nach ihrer Entscheidung – wirken wie ein Weckruf. Ihre Worte könnten die Debatte neu beleben und vielleicht den einen oder anderen dazu bewegen, den eigenen Speiseplan zu überdenken.





