NATO-Spionage: Kanadische Praktikantin im Militärhauptquartier verhaftet
KI-Bild
Spionage-Eklat

NATO-Spionage: Kanadische Praktikantin im Militärhauptquartier verhaftet

Die Festnahme einer kanadischen Praktikantin mit chinesischen Wurzeln im NATO-Militärhauptquartier SHAPE legt eine gefährliche Lücke in den Sicherheitsüberprüfungen des Bündnisses offen – und wirft Fragen zur Anfälligkeit für Spionage auf.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Festnahme im NATO-Militärhauptquartier

Am 24. Juli 2026 wurde eine kanadische Praktikantin chinesischer Herkunft im NATO-Militärhauptquartier SHAPE im belgischen Mons unter Spionageverdacht festgenommen. Die belgische Bundesstaatsanwaltschaft wirft ihr vor, „für ein Drittland spioniert zu haben und Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein“, wie sie am Samstag mitteilte. Welches Land hinter der mutmaßlichen Spionage steckt, wurde nicht genannt.

SHAPE (Supreme Headquarters Allied Powers Europe) ist das operative Herz der NATO. Hier werden alle Militäreinsätze des 32 Staaten umfassenden Bündnisses geplant und geführt. Auch das NATO Cyber Security Centre ist dort angesiedelt. Anders als das politische Hauptquartier in Brüssel, wo Botschafter über Verteidigungsausgaben beraten, ist SHAPE ein Ort streng geheimen Kriegsführungsplanung.

Sicherheitslücke: NATO vertraut auf Mitgliedstaaten

Der Fall offenbart ein strukturelles Problem: Die NATO überprüft ihr Personal nicht selbst. Stattdessen ist jeder Mitgliedstaat für die Sicherheitsüberprüfung seiner eigenen Staatsangehörigen zuständig. Die kanadische Praktikantin mit chinesischen Wurzeln hätte vom kanadischen Geheimdienst CSIS überprüft werden müssen, bevor sie eine NATO-Sicherheitsfreigabe erhielt.

Besonders heikel: Chinas Nachrichtendienstgesetz von 2017 verpflichtet alle chinesischen Staatsbürger – unabhängig von Wohnort oder weiterer Staatsangehörigkeit – zur Kooperation mit nationalen Geheimdiensten. Diaspora-Angehörige wie die festgenommene Frau gelten deshalb als attraktive Ziele für ausländische Nachrichtendienste.

Keine Störung der Operationsfähigkeit laut SHAPE

Die Praktikantin war den Sicherheitsdiensten von SHAPE aufgefallen, die den belgischen Militärgeheimdienst GISS einschalteten. Am 23. Juli durchsuchten Ermittler gleichzeitig ihre Privatwohnung und ihren Arbeitsplatz auf dem SHAPE-Gelände, einen Tag später erließ ein Ermittlungsrichter Haftbefehl.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keinen Hinweis darauf, dass die operative Einsatzbereitschaft der NATO oder von SHAPE, die Kommando- und Kontrollstrukturen oder laufende Aufgaben beeinträchtigt wurden.
Martin O'Donnell, Oberst und SHAPE-Sprecher

Keine Reaktion aus Kanada und China

Weder das kanadische Außenministerium noch die kanadische Botschaft in Brüssel reagierten auf Presseanfragen. Auch China äußerte sich zunächst nicht zu dem Fall.

Die Festnahme fällt in eine angespannte geopolitische Phase. Seit 2021 stuft die NATO China offiziell als „Sicherheitsherausforderung“ ein. Gleichzeitig drängt US-Präsident Donald Trump die europäischen Verbündeten zu höheren Verteidigungsausgaben und fährt die amerikanische Sicherheitsrolle in Europa zurück. Die belgische Staatsanwaltschaft kündigte an, keine weiteren Auskünfte zu dem laufenden Verfahren zu geben.

JUX auf Google folgen
Mehr aus

Politik