Kein Eingreifen des Weißen Hauses
Die US-Regierung wird sich nicht in die Auslieferung von Andrew und Tristan Tate an Großbritannien einmischen. Diese Entscheidung gab das Weiße Haus am 23. Juli 2026 offiziell bekannt – und stellt die Brüder vor eine harte juristische Realität.
Pressesprecherin Karoline Leavitt antwortete bei einem Briefing auf die Frage eines Reporters kurz und bündig: „No. We've already answered that question." Präsident Donald Trump werde nicht intervenieren, so das Weiße Haus. Außenminister Marco Rubio, der nach Angaben des Justizministeriums die „alleinige Entscheidungsbefugnis" über eine Auslieferung hat, hatte sich bereits am Vortag ähnlich geäußert: Es gebe „keine Rolle für uns, in diesem Moment oder vielleicht jemals", zitiert ihn Axios.
Die britischen Vorwürfe
Die Tate-Brüder, 39 und 38 Jahre alt, waren am 18. Juli in Miami von US-Marshals festgenommen worden. Grundlage ist ein britischer Auslieferungsbefehl: Der Crown Prosecution Service hatte 38 neue Anklagepunkte bekannt gegeben. Insgesamt werfen die Behörden den Brüdern nun 59 Straftaten gegen sieben mutmaßliche Opfer vor – darunter Vergewaltigung, Menschenhandel, Körperverletzung sowie Besitz von Missbrauchsdarstellungen und extremer Pornografie. Die mutmaßlichen Taten sollen zwischen 2010 und 2017 stattgefunden haben.
Am 20. Juli erschienen die Brüder erstmals vor einem Bundesgericht in Miami – in braunen Gefängnisuniformen, an Händen und Füßen gefesselt. Der Richter setzte die nächste Anhörung für den 27. Juli an. Der Anwalt der Tates, Joseph McBride, kündigte an, die Auslieferung mit allen Mitteln zu bekämpfen: „They've never done nothing wrong. They shouldn't be extradited for crimes they didn't commit."
McBride zeigte sich von der Ankündigung des Weißen Hauses unbeeindruckt. Gegenüber TMZ erklärte er:
„Frau Leavitt ist großartig, aber sie ist weder der Präsident noch die Außenministerin. Es gibt keine Auslieferung ohne die Unterschrift der Außenministerin. Bis diese Unterschrift existiert, ist alles nur Kommentar.“
Rubios Distanzierung
Hinter den Kulissen wird deutlich, dass Rubio wenig Sympathie für die Tate-Brüder hegt. Ein hochrangiger Regierungsbeamter sagte Axios: „Marco thinks these guys are scum." Rubio, konservativer Katholik und früherer Senator, hatte sich in der Vergangenheit für schärfere Gesetze gegen Menschenhandel eingesetzt. Zudem stellte ein ehemaliger Trump-Wahlkampfberater klar: „The Tates want to pretend they were responsible for the president's victory, but they weren't part of our strategy and the president doesn't know them."
Andrew Tate meldete sich am 23. Juli über seinen X-Account aus der Haft – vermutlich veröffentlichte ein Vertrauter die Nachrichten in seinem Namen. Er sitze in Einzelhaft unter der „höchsten existierenden Sicherheitsstufe", habe keinen Kontakt zur Außenwelt und könne keinen Besuch empfangen. Sein „Nachbar sei ein Kannibale, der die ganze Nacht schreit", hieß es.
Obwohl die Brüder in der Vergangenheit mit Verbindungen zur Trump-Familie kokettierten – Andrew Tate hatte sich nach dem Attentat auf Trump 2024 als enger Vertrauter bezeichnet –, distanziert sich das politische Establishment nun deutlich. Die demokratische Abgeordnete Yassamin Ansari forderte sogar eine Untersuchung dieser Kontakte.
Trotz der klaren Absage aus Washington bleibt eine letzte Hürde: Sollte ein Bundesrichter die Auslieferung für rechtmäßig erklären, müsste Außenminister Rubio sie mit seiner Unterschrift genehmigen – oder eben nicht. McBride will genau das verhindern und macht „besondere Umstände" geltend: Die Brüder seien noch nie eines Verbrechens schuldig gesprochen worden. Für den 27. Juli ist die nächste Anhörung in Miami angesetzt; dann könnte sich zeigen, ob Rubios Unterschrift tatsächlich zur Formsache wird.





