Attacke im Bundestag
Die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch (AfD) hat die Miss-Germany-Finalistin Büsra Sayed scharf attackiert. In einer Rede warf sie der 27-jährigen Unternehmerin vor, als „Hijab-Aktivistin“ das Kopftuch politisch zu instrumentalisieren. Sayed hatte am 7. März 2026 als eine von zwei Frauen mit Kopfbedeckung im Finale gestanden – ein Novum in der fast 100-jährigen Geschichte des Wettbewerbs.
Von Storch sprach von einer islamistischen Bedrohung und verband das Kopftuch direkt mit Dschihadismus. „Wo das Kopftuch ist, sind die Jihadisten nicht weit“, zitierte die taz aus der Rede. Die gesamte Bekleidung Sayeds entspreche zudem „komplett der Fatwa des islamischen Instituts für Forschung und Recht in Saudi-Arabien“.
„Wo das Kopftuch ist, sind die Jihadisten nicht weit. Von neun Finalistinnen trugen zwei Hijab – Hijab im Miss-Germany-Finale.“
Die AfD-Politikerin malte ein düsteres Zukunftsbild: „Wenn im Jahr 2030 die erste Frau mit Burka Miss Germany wird, werden die Grünen über die Sichtbarkeit der muslimischen Frau im öffentlichen Raum jubeln.“ Tatsächlich trug Sayed einen modernen, körperbetonten Hijab – keineswegs eine Ganzkörperverhüllung.
Der humorvolle Konter
Sayed reagierte mit einer viralen Instagram-Kampagne. In mehreren Videos nannte sie von Storch ironisch „Habibi Beatrixie“ und dankte der Politikerin für die unverhoffte Werbung. Ihr Motto: „Hass mit Liebe beantworten, das ist seit Jahren mein Motto“, erklärte sie dem NDR.
„Eine deutsche Frau, die aussieht wie ich, kann auch deutsch sein. Meine Mission hat es in den Bundestag geschafft. Mehr Sichtbarkeit kann ich gar nicht bekommen. Danke, Beatrix.“
Den Begriff „Hijab-Aktivistin“ nahm sie gelassen: „Sonst hieß es immer 'Kopftuch-Mädchen'. Jetzt haben wir ein Upgrade.“ In ihrem Onlineshop aktivierte sie den Rabattcode „AfD10“ – zehn Prozent auf alle Hijabs, auch in der Farbe „AfD blue“. Prompt waren die blauen Tücher ausverkauft.
Solidaritätswelle und ausverkaufte Hijabs
Die Resonanz übertraf alle Erwartungen. „Nicht-muslimische Frauen und Männer, darunter Pfarrerinnen, Bürgermeister und Atheisten haben bestellt, einfach aus Solidarität“, sagte Sayed. Eine 70-jährige Kundin schrieb ihr, sie hänge das Tuch als Flagge ins Wohnzimmer; eine andere wolle es als Babytrage nutzen. Der unfreiwillige Werbeeffekt durch die AfD-Kritik wurde zu einer „Online-Demonstration der Solidarität“, so Sayed.
Die Nachfrage steht sinnbildlich für eine breitere gesellschaftliche Debatte: Kann eine deutsche Frau ein Kopftuch tragen, ohne unter Islamismus-Verdacht zu geraten? Für Sayed, die mit ihrer Marke „Caramella“ modische Hijabs vertreibt, ging es bei der Teilnahme an Miss Germany genau darum: „Hey, eine deutsche Frau kann auch so aussehen wie ich.“
Die Krone ging zwar an die 26-jährige Rose Mondy, eine Twitch-Streamerin mit syrischen Wurzeln, die ebenfalls Alltagsrassismus thematisiert. Doch Sayeds Auftritt und die anschließende politische Kontroverse haben den Wettbewerb, der seit 2019 auf Persönlichkeit und Engagement setzt, in eine neue Dimension gerückt. Wie die AfD auf die nächste Miss-Germany-Wahl reagieren wird, bleibt offen – vielleicht mit einem eigenen Rabattcode.





