Zendayas antike Ohrringe: „Es ist Welterbe, nicht nur Accessoires“
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Antiker Schmuck

Zendayas antike Ohrringe: „Es ist Welterbe, nicht nur Accessoires“

Schauspielerin Zendaya erschien zu einem Photocall in London mit antiken Goldohrringen. Die 3000 Jahre alten Artefakte stammen aus dem umstrittenen Ziwiye-Schatz – nun verlangen Archäologen Aufklärung über die Herkunft.

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London, 5. Juli 2026. Zendaya betritt den Photocall zu Christopher Nolans Monumentalfilm „The Odyssey“ im IET London: Savoy Place. Sie trägt ein maßgeschneidertes weißes Halfterkleid von Jacquemus – und zwei auffällig große Goldohrringe. Was zunächst wie eine gelungene Reminiszenz an die griechische Mythologie wirkt, entpuppt sich binnen Stunden als kulturpolitischer Sprengstoff: Die kreisrunden Goldelemente sind keine modernen Nachbildungen, sondern echte archäologische Artefakte – rund 3000 Jahre alt.

Der Ziwiye-Schatz: Geplündert und zu Schmuck verarbeitet

Die Goldplaketten werden dem Ziwiye-Schatz zugeschrieben. Der Hort wurde 1947 im Nordwesten Irans von Hirten entdeckt und noch vor einer archäologischen Dokumentation geplündert. Die überlebenden Stücke aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. wurden in den 1960er-Jahren über Antiquitätenmärkte außerhalb Irans verkauft und sind heute weltweit verstreut. Der Londoner Luxusjuwelier Glenn Spiro montierte die antiken Goldscheiben mit Diamanten in 18-karätiges Gold und verwendete laut FashionTimes eine „einfache, nicht-invasive Krappenfassung“. Der Mayfair-Händler Barron London erwarb die Ohrringe 2025 und lieh sie Zendaya für den Auftritt.

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„Hijacking“ des iranischen Kulturerbes

Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Prof. Sussan Babaie, im Iran geborene Kunsthistorikerin am Courtauld Institute of Art, zeigte sich „schockiert, dass niemand dachte, das sei vielleicht keine gute Idee“. Sie warf den Verantwortlichen mangelndes kulturelles Wissen vor: „Es gibt nicht genug kulturelles Wissen und kulturelle Sensibilität unter denen, die Prominente einkleiden, accessorisieren und als Symbole von Schönheit und Macht inszenieren.“

Es gibt nicht genug kulturelles Wissen und kulturelle Sensibilität unter denen, die Prominente einkleiden, accessorisieren und als Symbole von Schönheit und Macht inszenieren.
Prof. Sussan Babaie, Courtauld Institute of Art

Babaie sprach von einem „Hijacking, Einebnung und Transformation der kulturellen Beiträge des antiken Iran zur Menschheit“. Die Objekte hätten wahrscheinlich „extrem wichtige spirituelle Konnotationen“ gehabt und seien „nicht dazu bestimmt, als Accessoires ausgestellt zu werden. Es ist menschliches Erbe. Es ist Welterbe, nicht nur Accessoires.“

Dr. Christos Tsirogiannis, Antikenexperte beim Schweizer Bundesamt für Kultur, war „extrem überrascht, negativ überrascht, dass niemand aus dem ganzen Umfeld etwas gesagt hat, um sie zu schützen“. Er schätzt, dass „etwa 90 Prozent der Antiquitäten auf dem Markt früher oder später als illegal oder ohne Provenienznachweis entlarvt werden“. Zudem warf er die Frage auf, ob die Goldplaketten aus einer Grabstätte stammen: „Wie fühlt sie sich, dass sie die Ohrringe einer antiken toten Frau trägt, die möglicherweise geplündert wurden?“

„Feier der antiken persischen Kunstfertigkeit“

Barron London wies die Kritik zurück. Die Galerie betonte, die Ohrringe würden „verantwortungsvoll in Übereinstimmung mit ihrer dokumentierten Provenienz und allen anwendbaren rechtlichen Anforderungen“ verwahrt. Die Leihgabe sei „niemals kommerziell“ gewesen: „Es ging darum, die bemerkenswerte Kunstfertigkeit der antiken persischen Goldschmiede zu feiern. In einer Zeit, in der der Iran so oft durch die Linse der aktuellen Politik dargestellt wird, hoffen wir, dass diese Ohrringe das Publikum auch an das tiefgründige kulturelle, künstlerische und historische Erbe des Landes erinnern können.“

Dr. Annelise Baer, Archäologin und Produzentin, differenzierte: Das ethische Hauptproblem sei, „dass die Ohrringe selbst aus geplünderten Antiquitäten hergestellt sind. Dass Zendaya sie trägt, ist eher eine sekundäre Tatsache – aber weil sie sie auf einem roten Teppich für eine große internationale Filmpremiere getragen hat, hat das all das plötzlich in die Öffentlichkeit gerückt.“

Petition fordert Provenienz-Transparenz

Romina Frohar, Gründerin des Forensic Archive of Iran, initiierte eine Petition. Sie fordert Barron London auf, die vollständige Provenienz offenzulegen, Legalitätsprüfungen zu veröffentlichen und den Verkauf auszusetzen. „Barron London hat die Leihgabe als Feier der antiken persischen Kunstfertigkeit beschrieben, aber kulturelle Wertschätzung kann Transparenz bei der Provenienz nicht ersetzen.“

Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Kontroversen um den Umgang mit antiken Artefakten. Das British Museum steht wegen der Benin-Bronzen und der Parthenon-Marmore in der Kritik, Kim Kardashian trug 2022 ein historisches Kleid von Marilyn Monroe. Prof. Babaie verwies zudem auf den zeitlichen Kontext: Während die „Odyssey“-Pressetour die Antiquitäten Irans glamourisiere, würden „Milliarden amerikanischer Dollar verwendet, um den Iran zu bombardieren“ – eine Situation, die sie als „zum Verrücktwerden“ bezeichnete.

Zendaya und ihr Stylist Law Roach haben sich bislang nicht geäußert. Offen bleibt, ob der öffentliche Druck zu einer Rückgabe der Artefakte oder zumindest zu mehr Transparenz führen wird. Die Petition läuft, und die Debatte um kultursensible Mode dürfte erst begonnen haben.

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