Friedrich Merz wollte die AfD „halbieren“. Acht Jahre nach dieser Ankündigung ist die Partei stärker als je zuvor – und hat die Union im bundesweiten Umfragen erstmals überholt. Merz’ einstiges Kernversprechen ist nicht nur gescheitert, es hat sich in sein Gegenteil verkehrt.
Das Versprechen von 2018
Im November 2018 bewirbt sich Friedrich Merz um den CDU-Parteivorsitz. Auf einer Bühne in Berlin – Angela Merkel ist noch Kanzlerin – träumt er von einer Union in alter Stärke und legt sich fest: Die AfD, damals bei rund 14 Prozent, werde er halbieren. Seine Worte sind eine Kampfansage an die nationalistische Konkurrenz.
„Und dann traue ich mir zu, die AfD mit ihren Wählerinnen und Wählern zu halbieren. Das geht.“
Wo die AfD heute steht
Die Realität im Juli 2026 ist ernüchternd. Im ARD-DeutschlandTrend vom Mai 2026 überholte die AfD mit 27 Prozent erstmals die Union (24 Prozent). In Sachsen-Anhalt liegt sie laut Sachsen-AnhaltTrend bei 41 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern bei 38 Prozent – beides Länder, in denen im September gewählt wird. Von einer Halbierung ist die AfD weiter entfernt denn je.
Nur 13 Prozent der Deutschen sind mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden – ein historischer Tiefstwert. Laut INSA-Sonntagstrend sind 75 Prozent der Bürger unzufrieden mit Kanzler Merz persönlich. Der Soziologe Matthias Quent sieht die Ursache in emotionalen Dynamiken, die die politische Mitte nicht beantworte.
„Die AfD schafft es vor allem, die emotionalen Bedürfnisse von Menschen anzusprechen. Verunsicherung, Sorge, Angst, Frustration und auch Wut.“
Merz’ Rückzug von der Kampfansage
Bereits 2023 distanzierte sich Merz von seinem alten Versprechen. Gegenüber „T-Online“ sagte er: „Wenn die Politik der Bundesregierung die AfD jetzt eher wieder stärkt, dann kann die Opposition sie nicht halbieren. Eine ‚Zauberformel‘ war das nie, sondern eine Einschätzung vor vier Jahren.“
„Ich wiederhole meine Formulierung des Jahres 2019 heute nicht mehr.“
Auf seiner Sommerpressekonferenz am 15. Juli 2026 in Berlin wich Merz zunächst aus, als Journalisten nach der AfD fragten. Auf Nachfrage wandte er sich dann direkt an Wähler in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern: „Schaut genau hin, lasst euch nicht allein von Social-Media-Aktivitäten informieren. Sondern guckt hin, was die Bundesregierung versucht, auf den Weg zu bringen.“ Von einer Halbierung war keine Rede mehr.
„Schaut genau hin, lasst euch nicht allein von Social-Media-Aktivitäten informieren. Sondern guckt hin, was die Bundesregierung versucht, auf den Weg zu bringen.“
Das ARD-Politikmagazin Monitor (WDR) begleitete das Scheitern des Halbierungsversprechens über Jahre. In der Sendung „Union und AfD: Selbstzerstörung einer Partei?“ analysierte Monitor bereits 2025, wie die Brandmauer-Debatte der AfD in die Hände spielt. Die Sozialpsychologin Beate Küpper bringt es auf den Punkt: „Die AfD lebt von Unzufriedenheit und sie lebt vom Erzeugen von Bedrohungen und dem Gefühl von: es wird alles schlechter. Davon ernährt sie sich.“ Der FAZ-Kommentar von Eckart Lohse vergleicht Merz mit einem Jungen, der mit einer kleinen Schaufel eine Sandburg gegen die Flut zu stärken versucht.
Mit den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September 2026 droht der AfD der nächste Triumph – und Merz ein weiteres Debakel im Kampf gegen den politischen Gegner, den er einst halbieren wollte.





