Gunther von Hagens (81) ist tot: Sein eigener Körper wird Teil der „Körperwelten“
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Plastination

Gunther von Hagens (81) ist tot: Sein eigener Körper wird Teil der „Körperwelten“

Gunther von Hagens, Erfinder der Plastination, ist tot. Sein letzter Wille: Der eigene Leichnam soll konserviert und ausgestellt werden. Ein polarisierendes Vermächtnis.

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Der Schöpfer der Körperwelten ist tot

Weltweit besuchten über 58 Millionen Menschen seine Ausstellungen. Nun ist Gunther von Hagens, der Erfinder der Plastination und Schöpfer der „Körperwelten“, im Alter von 81 Jahren gestorben. Wie das von ihm gegründete Institut für Plastination in Heidelberg mitteilte, starb er am Freitag, dem 24. Juli 2026, an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung. Sein letzter Wille: Der eigene Körper soll nach der von ihm selbst entwickelten Methode konserviert und öffentlich gezeigt werden.

Seine Ehefrau, Dr. Angelina Whalley, die bereits seit seiner Erkrankung 2008 die „Körperwelten“-Ausstellungen leitet, bestätigte, dass die Familie den Wunsch respektiere. Von Hagens hatte bereits vor Jahren verfügt, dass sein Leichnam plastiniert und Teil der Ausstellung werden solle – ein letzter, für viele provokativer Schritt.

Vom DDR-Flüchtling zum Anatomie-Star

Geboren 1945 in Alt-Skalden im heutigen Polen, studierte Gunther von Hagens Medizin in Jena. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR inhaftiert, wurde er schließlich von der Bundesrepublik freigekauft. An der Universität Heidelberg entwickelte er 1977 die Plastination: ein Verfahren, bei dem Körperflüssigkeiten und Fette durch reaktive Kunststoffe ersetzt werden. Es stoppt die Verwesung und erhält Gewebe dauerhaft in lebensechter Form.

Die erste „Körperwelten“-Ausstellung öffnete 1995 in Tokio. Sie zeigte ganze menschliche Körper in Alltagsposen – etwa beim Schachspielen oder Radfahren – sowie detailgenaue Organschnitte. Der Erfolg war immens: In 168 Städten weltweit sahen über 58 Millionen Besucher die Schau. Allein in Mannheim kamen 1997 rund 780.000 Menschen.

Streit um Menschenwürde und Kommerz

Doch von Beginn an gab es massive Kritik. Kirchen, Ethikräte und Mediziner warfen dem selbsternannten „Dr. Death“ vor, die Menschenwürde der Toten zu verletzen und mit dem Tod Geschäfte zu machen. Auch die Herkunft der Leichen löste Kontroversen aus. Von Hagens betonte stets, dass alle Exponate von Spendern stammten, die zu Lebzeiten eingewilligt hatten. Dennoch geriet er in die Kritik, als 2002 zwei russische Ärzte unter Verdacht standen, Leichen illegal geliefert zu haben. Von Hagens erklärte damals, die Körper nach Treu und Glauben erhalten und nie in Ausstellungen verwendet zu haben.

Bis zu seinem Tod hatten sich mehr als 19.000 Menschen offiziell als Körperspender registriert. Für viele war die Plastination eine Möglichkeit, sich über den Tod hinaus der Wissenschaft und Bildung zur Verfügung zu stellen.

Sein letzter Wille – und offene Fragen

Gunther von Hagens hinterlässt neben seiner Frau drei Kinder – und ein wissenschaftliches wie gesellschaftlich kontrovers diskutiertes Erbe. Die Entscheidung, seinen eigenen Körper zu plastinieren, hatte er früh getroffen. Sie ist Ausdruck seiner Überzeugung, dass die Anatomie für die Allgemeinheit erfahrbar sein müsse. „Ich habe unterschätzt, wie lange es dauern würde, bis die Plastination ein Erfolg wird. Aber mehr noch habe ich unterschätzt, wie groß der Erfolg sein würde“, sagte er einmal.

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Offen bleibt, wie die Öffentlichkeit auf die Ausstellung seines eigenen Körpers reagieren wird. Wird dies den Respekt vor seinem Schaffen mehren oder die Kritik an der Kommerzialisierung des Todes neu entfachen? Die Diskussion um die Grenzen zwischen Wissenschaft, Kunst und Menschenwürde ist mit seinem Tod nicht beendet.

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