Völlers Abrechnung beim BDFL-Kongress
Es war der Auftritt, mit dem niemand gerechnet hatte. Beim Internationalen Trainerkongress des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) am Montag in Mainz vertrat DFB-Sportdirektor Rudi Völler kurzfristig den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp, der seine Eröffnungsrede abgesagt hatte. Als die Sprache auf die defensive Schwäche der deutschen Nationalmannschaft kam, platzte dem Weltmeister von 1990 der Kragen.
Viele Funktionäre und Medien hatten nach dem erneuten WM-Debakel Argentinien als Musterbeispiel für eine stabile Defensive angeführt. Völler hält davon nichts.
„Ich habe gesagt, dass wir als Deutschland besser verteidigen müssen. Da haben viele ja auch die Argentinier als Beispiel genommen. Das fand ich ein schlechtes Beispiel. Auf einmal waren die Argentinier das Maß aller Dinge. Die Diskussion fand ich ein bisschen scheinheilig.“
Dann wurde er noch deutlicher: „Ich möchte keine Mannschaft haben, die spielt wie Argentinien. Das hat mit Fußball nichts zu tun.“ Im Saal brandete spontaner Applaus auf.
„Ich möchte keine Mannschaft haben, die spielt wie Argentinien. Das hat mit Fußball nichts zu tun.“
Völler erklärte später: „Ja, sie sind Weltmeister und diesmal Vize-Weltmeister geworden. Aber dieses Lob habe ich bei vielen tatsächlich nicht verstanden.“
Spanien und England als Gegenentwurf
Während Argentinien für seine aggressive und teils unsportliche Gangart kritisiert wird, sieht Völler andere Nationalteams als Vorbild. „Spanien hat das Lob verdient, und auch die Engländer haben sehr gut verteidigt“, sagte er. Vor allem der neue Weltmeister Spanien habe vorgemacht, wie man mit konsequentem Angriffsfußball dennoch kaum Gegentore zulässt.
„Spanien hat das Lob verdient, und auch die Engländer haben sehr gut verteidigt.“
Deutschland war bei der WM 2026 bereits im Achtelfinale an Paraguay gescheitert. Die Defensivprobleme wurden dabei einmal mehr offensichtlich – obwohl mit Antonio Rüdiger ein gestandener Abwehrchef zur Verfügung stand. Zuvor hatte bereits Lothar Matthäus mit der DFB-Elf abgerechnet.
Völler räumte ein, nach dem enttäuschenden Abschneiden selbst mit Rücktrittsgedanken gespielt zu haben. Nach Gesprächen mit der DFB-Führung und dem neuen Bundestrainer Klopp entschied er sich jedoch für eine Vertragserfüllung bis zur EM 2028.
Internationale Welle der Empörung
Völlers Worte schlugen auch international hohe Wellen. Das argentinische Portal Infobae titelte: „Esto no tiene nada que ver con el fútbol“ (Das hat nichts mit Fußball zu tun), andere Medien sprachen von einer „feróz crítica“ (scharfe Kritik). Eine offizielle Reaktion des argentinischen Verbands oder Trainers Lionel Scaloni blieb jedoch aus.
Der Applaus im Mainzer Saal zeigte indes, dass Völler mit seiner Meinung nicht allein steht. Die Frage, ob eine Rückbesinnung auf typisch deutsche Tugenden oder ein radikaler Stilwechsel die Lösung ist, wird den DFB auch unter Jürgen Klopp weiter beschäftigen.







