Dreifache Migrationswende: Nettozuwanderung sinkt auf Tiefststand seit 2010
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Dreifache Migrationswende: Nettozuwanderung sinkt auf Tiefststand seit 2010

Die Nettozuwanderung nach Deutschland ist 2025 auf nur noch 235.000 Personen gesunken – ein Minus von fast zwei Dritteln gegenüber 2023. Das IW identifiziert drei parallele Entwicklungen und warnt vor langfristigen Schäden für Arbeitsmarkt und Innovation.

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Nettozuwanderung fällt auf Tiefststand – IW identifiziert drei Wendepunkte

Deutschland gewann 2025 netto nur noch 235.000 Personen durch Zuwanderung. Das ist – mit Ausnahme der Corona-Hochphase – der niedrigste Wert seit 2010, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in seiner am 28. Juli 2026 veröffentlichten Kurzstudie „Migrationswende: Mehrere Entwicklungen spielen zusammen“ zeigt. Im Jahr 2023 hatte die Nettozuwanderung noch bei 663.000 gelegen.

IW-Forscher Wido Geis-Thöne warnt in dem Bericht vor einer dreifachen Migrationswende, die den deutschen Arbeitsmarkt trifft und langfristige Folgen drohen lässt. „Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass Deutschland durch Migration überhaupt Bevölkerung und Arbeitskräfte gewinnt“, schreibt er mit Blick auf die Abwanderung.

Asylbewerberzahlen brechen ein – vor allem durch Syrien

Die Zahl der Asylerstanträge sank von 329.000 (2023) auf 113.000 (2025). Ausschlaggebend war der Einbruch syrischer Anträge: von 103.000 auf nur noch 23.000. Grund ist die verbesserte Lage in Syrien nach dem Ende des Assad-Regimes 2024 – in den ersten fünf Monaten 2026 wurden laut BAMF nur noch 19,2 Prozent der Verfahren von Syrern positiv beschieden. Auch Anträge aus Afghanistan und der Türkei gingen stark zurück. Ukrainische Kriegsflüchtlinge, die außerhalb des Asylsystems aufgenommen werden, kamen 2025 noch mit netto 89.000 (2024: 116.000).

Sollte es zu einer stärkeren Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte kommen, könnte dies nicht nur unmittelbar die bestehenden Engpässe am Arbeitsmarkt verstärken, sondern auch die Innovationskraft der Wirtschaft und ihre längerfristigen Entwicklungspotenziale einschränken.
Wido Geis-Thöne, IW Köln

Rückkehr in neue EU-Länder: Trend dreht komplett

Über Jahre hinweg profitierten deutsche Betriebe – vor allem in Landwirtschaft und Saisonarbeit – von Zuwanderern aus den neuen EU-Mitgliedsländern. 2023 stellten diese rund fünf Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Doch nun kehrt sich der Trend um: 2024 verließen netto 35.000 mehr Menschen Deutschland in Richtung dieser Länder als zuzogen, 2025 waren es bereits 45.000. 2023 hatte es noch ein Plus von 42.000 gegeben. Ursachen: Der demografische Wandel sorgt auch dort für Arbeitsmarktengpässe, und das Wohlstandsgefälle ist kleiner geworden.

Auch die Nettozuwanderung aus den Westbalkanländern sank und lag 2025 nur noch bei etwa 40.000 Personen.

Deutsche verlassen das Land: 30 Prozent mehr in zwei Jahren

Die Abwanderung deutscher Staatsangehöriger stieg von 74.000 im Jahr 2023 auf 97.000 im Jahr 2025 – ein Anstieg um rund 30 Prozent binnen zwei Jahren.

Damit ist zwar noch kein kritisches Niveau erreicht. Jedoch ist der Anstieg um etwa 30 Prozent seit 2023 ein deutliches Warnsignal.
Wido Geis-Thöne, IW Köln

Das IW warnt: Deutschland könne es sich angesichts des demografischen Wandels kaum leisten, hochqualifizierte Fachkräfte durch Abwanderung zu verlieren.

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IW fordert attraktivere Standortbedingungen

Um gegenzusteuern, fordert das Institut vier Maßnahmen:

  • Attraktivität Deutschlands als Wohn- und Arbeitsort für Fachkräfte steigern
  • Belastung durch Steuern und Abgaben begrenzen
  • Zuwanderung aus Drittstaaten durch schnellere Visaverfahren erleichtern
  • Mehr Zugangswege für Arbeitskräfte mit niedrigerem formalen Qualifikationsniveau schaffen
Daher sollte die Attraktivität Deutschlands als Wohn- und Arbeitsort für Fachkräfte weiter gestärkt oder zumindest erhalten werden. Dazu zählt insbesondere eine Begrenzung der Belastung durch Steuern und Abgaben.
Wido Geis-Thöne, IW Köln

Während die Erwerbs- und Bildungsmigration aus dem außereuropäischen Ausland bisher kaum betroffen war und weiter Zuwächse verzeichnet, warnt das IW vor einem möglichen Umschwung durch die anhaltende Industriekrise. Die Forscher drängen auf rasche politische Weichenstellungen.

Chronik einer Migrationswende

  1. 2023
    Rekordzuwanderung

    Nettozuwanderung: 663.000; Asylerstanträge: 329.000; EU-Zuwanderung +42.000; Abwanderung Deutsche 74.000

  2. 2024
    EU-Trendwende

    Erstmals mehr Ab- als Zuwanderung aus neuen EU-Ländern: minus 35.000; Nettozuwanderung Ukrainer: 116.000

  3. 2025
    Dreifacher Einbruch

    Nettozuwanderung nur noch 235.000; Asylerstanträge 113.000; EU minus 45.000; Deutsche minus 97.000

  4. 28.07.2026
    IW-Warnung

    IW Kurzbericht Nr. 49 erscheint: Wido Geis-Thöne warnt vor Arbeitsmarkt- und Innovationsschäden

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