Oberst Reisner: Selbst 300.000 weitere Soldaten überwinden ukrainische „Drohnenmauer“ nicht
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Ukraine-Krieg

Oberst Reisner: Selbst 300.000 weitere Soldaten überwinden ukrainische „Drohnenmauer“ nicht

Trotz neuer Angriffswellen findet Russland keine Lücke in der ukrainischen Verteidigung, sagt Militärexperte Markus Reisner. Parallel trafen ukrainische Drohnen Gasförderung und Drohnensteuerung auf der Krim.

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Drohnen vs. Truppenmassen: Reisners schonungslose Analyse

Die Vorstellung, Russland könnte die ukrainische Verteidigung mit schierer Masse überrennen, ist nach Einschätzung des österreichischen Militärexperten Markus Reisner eine Illusion. In einem Exklusiv-Interview mit der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform sagte der Oberst und Leiter des Offiziersausbildungsinstituts an der Theresianischen Militärakademie, selbst eine zusätzliche Mobilisierung von 300.000 Soldaten würde an der "Drohnenmauer" der Ukraine scheitern.

Wenn Russland einfach weitere 300.000 Soldaten einsetzen würde, wäre das meiner Meinung nach nicht genug, weil sie von der Drohnenmauer der Ukraine zerschlagen würden.
Markus Reisner, Oberst des Österreichischen Bundesheeres

Nicht die Zahl der Soldaten, sondern der massive Einsatz spezialisierter Waffensysteme – vor allem Drohnen – sei entscheidend. Beide Seiten hätten ein "transparentes Schlachtfeld" geschaffen, auf dem große mechanisierte Vorstöße kaum noch möglich seien. "Die Art und Weise, wie Krieg geführt wird, hat sich so verändert, dass der entscheidende Faktor vor allem der Einsatz spezialisierter Waffensysteme ist. Denken Sie nur an Drohnen", so Reisner.

Russland suche derzeit fieberhaft nach Verwundbarkeiten – der sprichwörtlichen „Achillesferse“ –, um mit einem gebündelten Schlag doch noch einen Durchbruch zu erzwingen. Bislang ohne Erfolg.

Die Russen haben die Aufgabe, jene Verwundbarkeiten zu finden, die die Achillesferse der Ukraine darstellen. Sie müssen genau diese Schwachstellen treffen, um – die Dynamik einer Mobilisierung nutzend – einen Durchbruch zu erzielen. Aber sie haben diese Schwachstellen und Achillesfersen noch nicht gefunden.
Markus Reisner, Oberst des Österreichischen Bundesheeres

Eine neue russische Mobilmachungswelle hält Reisner für möglich – wahrscheinlich nach den für September 2026 angesetzten Parlamentswahlen, ähnlich wie 2022. Auch dann, so seine Prognose, werde ein Durchbruch nur gelingen, wenn es Russland vorher gelingt, mit massierten Drohnenabwehrsystemen und eigenen Angriffsdrohnen einen „Durchbruchskorridor“ zu schaffen. Der „hinge factor“ – jener Moment, in dem die Lage kippt – sei noch nicht erreicht.

Nächtliche Schläge gegen russische Logistik und Drohnensteuerung

Während Russland noch nach der Achillesferse sucht, setzte die Ukraine ihre Angriffsserie auf rückwärtige Ziele fort. In der Nacht zum 26. Juli 2026 meldete der ukrainische Generalstab Treffer auf mehrere militärisch bedeutsame Objekte:

  • Eine Anlage des staatlichen Unternehmens Tschornomornaftohas nahe Wnukowe auf der Krim, die für Förderung, Lagerung und Transport von Erdgas und Treibstoff für die Besatzungstruppen genutzt wird.
  • Bodenbasierte Relaistechnik bei Tschornomorske auf der Krim, mit der russische Shahed- und Gerbera-Kampfdrohnen gesteuert werden.
  • Eine Straßenbrücke bei Wyselky im besetzten Donbass, die militärischer Logistik dient.
  • Ein Drohnenlager nahe Tscherwonopopiwka (rund 22 Kilometer von der Front) im Gebiet Luhansk.
  • Eine Truppenkonzentration bei Purdiwka im Gebiet Luhansk.

Bereits am 25. Juli war die Ölraffinerie in Tjumen (Russland) getroffen worden – eine der größten des Landes mit einer Kapazität von rund sieben Millionen Tonnen pro Jahr. Sie produziert Benzin, Diesel und Flugtreibstoff für Militär und Industrie.

Systematische Zermürbung: 154 Umspannwerke auf der Krim getroffen

Die Angriffe sind Teil einer großangelegten Deep-Strike-Kampagne, die 2026 massiv ausgeweitet wurde. Allein im Juli traf die Ukraine nach Angaben ihres Drohnenkommandeurs Robert „Magyar“ Brovdi 154 elektrische Umspannwerke auf der Krim. Lokale Quellen meldeten zudem Treffer auf eine Radarstation auf dem Berg Tepe-Oba und ein Umspannwerk in Feodosia; der russisch eingesetzte Energieversorger Krymenergo räumte eine „komplexe Situation“ bei der Stromversorgung im Nordwesten, Osten und Süden der Halbinsel ein.

Diese systematischen Schläge zielen darauf ab, die russische Logistik und Drohneninfrastruktur zu lähmen, ohne dass es dazu großer Truppenbewegungen bedarf. Sie belegen, dass auch die Ukraine das transparente Schlachtfeld nutzt, um Schwachstellen des Gegners punktgenau zu treffen. Reisners „Drohnenmauer“ ist also keineswegs statisch – sie geht von beiden Seiten aus.

Chronologie der jüngsten Ereignisse

  1. 25. Juli 2026
    Ukrinform veröffentlicht Interview mit Oberst Reisner

    Reisner analysiert die Wirkungslosigkeit russischer Massenangriffe angesichts der ukrainischen Drohnenmauer und sagt, Russland habe noch keine Achillesferse gefunden.

  2. 25. Juli 2026
    Angriff auf Raffinerie in Tjumen

    Ukrainische Kräfte treffen die Ölraffinerie in Tjumen, eine der größten Russlands mit einer Kapazität von 7 Mio. Tonnen pro Jahr.

  3. Nacht zum 26. Juli 2026
    Schläge gegen Krim und Donbass

    Ukrainische Drohnen und Raketen treffen Tschornomornaftohas-Anlage, Drohnen-Relaisstationen, eine Logistikbrücke sowie Truppenansammlungen.

Ob Russland nach den September-Wahlen tatsächlich eine neue Mobilmachung wagt und ob es dann gelingt, die „Drohnenmauer“ zu bezwingen, ist offen. Reisner jedenfalls sieht auch die russische Führung vor dem Dilemma: Sie könne zwar versuchen, Soldaten so lange vorzuschicken, bis der Ukraine die Drohnen ausgehen – doch einen dauerhaften Erfolg verspreche das kaum.

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