„Es war absolut zu verhindern“: Ahmad Mansour kritisiert Sicherheitsbehörden nach CSD-Anschlag
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„Es war absolut zu verhindern“: Ahmad Mansour kritisiert Sicherheitsbehörden nach CSD-Anschlag

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day mit einem Toten fordert der Extremismus-Experte Ahmad Mansour bessere Prävention und kritisiert die Sicherheitsbehörden scharf. Bundesinnenminister Dobrindt bringt Präventivhaft ins Spiel.

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Ein islamistischer Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) hat Deutschland erschüttert. Für den Extremismus-Experten Ahmad Mansour wäre die Tat vermeidbar gewesen – er übt scharfe Kritik an den Sicherheitsbehörden. Im ARD-Morgenmagazin sagte er am Dienstag: „In diesem Fall war das absolut zu verhindern, wenn die Sicherheitsorgane besser gearbeitet hätten.“

Kritik an Behörden: „Es war absolut zu verhindern“

Der Attentäter Abdul Ballout, ein 21-jähriger deutscher Staatsbürger libanesischer Herkunft, war den Behörden als islamistischer Gefährder bekannt. Er hatte versucht, sich dem IS in Syrien anzuschließen, und war erst im Mai 2026 nach Jugendstrafrecht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Mansour betonte, dass der Täter im Gegensatz zu anderen Attentätern „sichtbar radikal“ gewesen sei.

Es war absolut zu verhindern
Ahmad Mansour, Psychologe und Extremismus-Experte

Mansour forderte eine konsequente Aufarbeitung: „Das müssen wir aufarbeiten, denn so etwas darf nicht noch einmal passieren.“ Eingestufte Gefährder wie Ballout dürften weder ein Auto mieten noch sich frei bewegen. Die Bewährungsentscheidung des Berliner Gerichts hatte bereits im Vorfeld für Unverständnis gesorgt.

Ein bekannter Gefährder auf Bewährung

Abdul Ballout war 2025 über die Türkei in den Libanon gereist, um sich dem IS anzuschließen. Nach seiner Festnahme und einer dreimonatigen Haft wurde er im November 2025 nach Deutschland abgeschoben und kam in Untersuchungshaft. Das Berliner Gericht verurteilte ihn im Mai 2026 nach Jugendstrafrecht zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung – unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Chronologie: Der Fall Abdul Ballout

  1. 2025
    Reise in den Libanon und Festnahme

    Ballout reist über die Türkei in den Libanon, um sich dem IS anzuschließen. Er wird festgenommen und zu drei Monaten Haft verurteilt.

  2. November 2025
    Rückkehr und Verhaftung in Deutschland

    Ballout kehrt zurück und wird am BER verhaftet. Es folgt Untersuchungshaft.

  3. Mai 2026
    Verurteilung auf Bewährung

    Ein Berliner Gericht verurteilt ihn zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Er kommt trotz Gefährdereinstufung frei.

  4. 26. Juli 2026
    Anschlag auf den CSD

    Ballout steuert einen Transporter in die CSD-Menge und verletzt mit einer Machete weitere Personen. Eine polnische Staatsbürgerin stirbt, 29 werden verletzt.

  5. 27. Juli 2026
    Tod bei Polizeieinsatz

    Nach 24-stündiger Fahndung wird Ballout in Berlin-Spandau von der Polizei erschossen, als er mit einer Stichwaffe auf Beamte zuläuft.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nannte die Bewährungsentscheidung „unbegreiflich“ und forderte im ZDF eine Abkehr vom Jugendstrafrecht bei Gefährdern sowie die Möglichkeit zur Präventivhaft. Auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte „Besonnenheit und Entschlossenheit“ an. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zeigte sich fassungslos über das Vorgehen der Berliner Justiz.

Mansour: „Müssen schneller sein als Islamisten“

Mansour lehnt jedoch reine Repressionsmaßnahmen wie eine Präventivhaft ab. Er plädierte für einen umfassenden Ansatz: „Wir brauchen Präventionsarbeit, wir müssen schneller sein als die Islamisten und um jede Seele dieser jungen Menschen kämpfen, bevor sie sich radikalisieren.“ Spätere Deradikalisierung sei zeitaufwendiger und weniger erfolgreich.

Müssen schneller sein als Islamisten
Ahmad Mansour

Der Psychologe kritisierte zudem eine einseitige Fokussierung auf Rechtsextremismus: „Die Politik in den letzten Jahren hat das Thema Islamismus nicht ernst genommen. Nicht nur die Politik, sondern auch Teile unserer Zivilgesellschaft wollten einfach die Gefahren für die Demokratie einseitig sehen: im Rechtsextremismus.“ Er forderte ein gesamtgesellschaftliches Konzept gegen alle Extremismusformen.

Nach früheren Anschlägen in Solingen, München oder Mannheim habe es jeweils Forderungen gegeben, „doch zwei, drei Monate danach passiert nichts“. Mansour drängte darauf, dieses Muster zu durchbrechen und nachhaltige Schutzkonzepte zu etablieren. Dazu gehörten frühzeitige Wertevermittlung, sensibilisierte Fachkräfte und die Einbindung von Familien.

Politische Forderungen nach der Tat

Dobrindt verlangte über die Präventivhaft hinaus elektronische Fußfesseln und generelle Einschränkungen der Bewegungsfreiheit für Gefährder. Kanzler Merz betonte, man müsse „alles tun, um die Menschen in Deutschland bestmöglich vor solchen Kriminellen zu schützen“. Die Tat hatte eine Debatte über Versäumnisse und notwendige Gesetzesänderungen entfacht.

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Mansours Appell richtet sich an Politik und Gesellschaft gleichermaßen: Frühzeitige Prävention sei der Schlüssel, um junge Menschen vor der Radikalisierung zu bewahren. Ob die aktuelle Debatte zu konkreten Reformen führt oder wie so oft nach einigen Monaten wieder versandet, bleibt die entscheidende Frage.

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