Hallervorden warnt: AfD-Sieg würde Kultur zensieren
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Hallervorden warnt: AfD-Sieg würde Kultur zensieren

Gut fünf Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt positioniert sich Dieter Hallervorden mit deutlichen Worten gegen die AfD. Gemeinsam mit Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) tourt er unter dem Motto „Kunst braucht Freiheit“ durch das Land und warnt vor einer Zensur der Kultur.

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Gut fünf Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 hat sich Schauspieler und Kabarettist Dieter „Didi“ Hallervorden (90) mit deutlichen Worten gegen die AfD positioniert. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur warnte der gebürtige Dessauer: Ein Wahlsieg der AfD könnte die Kulturlandschaft des Bundeslandes massiv verändern.

Absolute Mehrheit mit 40 Prozent möglich

„Wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, kann die AfD bereits mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Das möchte ich unbedingt verhindern“, sagte Hallervorden der dpa.

Wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, kann die AfD bereits mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Das möchte ich unbedingt verhindern.
Dieter Hallervorden, Schauspieler und Kabarettist

Kultur nach Wahlsieg: Zensur und Pflichtbekenntnisse

Für den Fall einer AfD-Regierungsbeteiligung zeichnete Hallervorden ein düsteres Bild. „Die AfD fordert von Kunst und Kultur Folgendes ein: ideologische Eindeutigkeit und patriotische Pflichtbekenntnisse“, so der 90-Jährige. Damit sei klar, dass Fördermittel nur noch nach Kriterien des politischen Wohlverhaltens vergeben würden.

Die AfD fordert von Kunst und Kultur Folgendes ein: ideologische Eindeutigkeit und patriotische Pflichtbekenntnisse.
Dieter Hallervorden

Hallervorden betonte, dass Kreativität unter solchen Bedingungen stark eingeschränkt wäre: Die Kulturlandschaft würde „eintönig, öde und langweilig“ werden. Seinen politischen Einsatz begründete er mit den Worten: „Ich glaube, auch Toleranz hat Grenzen. Das heißt: Es darf keine Freiheit zur Zerstörung der Freiheit geben.“

Ich glaube, auch Toleranz hat Grenzen. Das heißt: Es darf keine Freiheit zur Zerstörung der Freiheit geben.
Dieter Hallervorden

„Kunst braucht Freiheit“-Tour mit Ministerpräsident Schulze

Hallervorden tourt gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) unter dem Motto „Kunst braucht Freiheit“ durch vier Städte des Bundeslandes. Die von Clara von Nathusius moderierten Gesprächsabende finden an folgenden Terminen statt: 28. Juli in Halle, 29. Juli in Magdeburg, 3. August in Dessau und 7. August in Naumburg.

Tourtermine

  1. 28. Juli 2026, 19:00 Uhr
    Capitol, Halle (Saale)

    Ausverkaufte Auftaktveranstaltung mit 300 Gästen

  2. 29. Juli 2026, 19:00 Uhr
    Oli-Kino, Magdeburg
  3. 3. August 2026, 19:00 Uhr
    Golfpark, Dessau
  4. 7. August 2026, 19:00 Uhr
    Theater Naumburg

Auftakt in Halle: Friedenslieder und Merz-Schelte

Zum Auftakt der Reihe am 28. Juli im Capitol in Halle war die Veranstaltung mit rund 300 Gästen ausgebucht. Der Abend begann mit einem musikalischen Mahnruf Hallervordens, in dem er sich direkt an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wandte: „Wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch dort, wo keiner wohnt. Kämpft gefälligst auf dem Mond!“

Wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch dort, wo keiner wohnt. Kämpft gefälligst auf dem Mond!
Dieter Hallervorden

Hallervorden fand deutliche Worte zur weltpolitischen Lage: „Krieg bedeutet, dass zwei Politiker eine Rechnung miteinander offen haben, und die Soldaten bezahlen diese Rechnung – und zwar mit ihrem Leben.“ Er verwies auf Immanuel Kant und Willy Brandt.

Krieg bedeutet, dass zwei Politiker eine Rechnung miteinander offen haben, und die Soldaten bezahlen diese Rechnung – und zwar mit ihrem Leben.
Dieter Hallervorden

Gegenüber dem Publikum stellte Hallervorden klar: „Ich würde, wenn das hier Bundesebene wäre, für Friedrich Merz keine Reklame machen, das ist hier bei Sven anders.“ Schulze bezeichnete er als „volksnahen Landesvater“, der sich dafür einsetze, dass das Leben unter demokratischen Verhältnissen gesichert bleibe.

Ich würde, wenn das hier Bundesebene wäre, für Friedrich Merz keine Reklame machen, das ist hier bei Sven anders.
Dieter Hallervorden

Überparteiliche Kampagne mit Prahl und Kalkofe

Umfragewerte in Sachsen-Anhalt (Juli 2026)

AfD mit deutlichem Vorsprung, CDU bei 21 – 26 %

Quelle: WELT, MDR, n-tv

Parallel zur Tour hat Hallervorden gemeinsam mit Tatort-Schauspieler Axel Prahl und Komiker Oliver Kalkofe eine überparteiliche Kampagne ins Leben gerufen. Sie empfiehlt Wählerinnen und Wählern, ihr Kreuz bei CDU, SPD, FDP, Grünen oder Linken zu setzen. Ziel: Durch taktisches Wählen soll verhindert werden, dass die AfD allein regieren kann.

Hallervordens wechselvolle politische Vita

Der 90-Jährige ist kein gewöhnlicher Parteigänger. Er war früher mit Hans-Dietrich Genscher (FDP) unterwegs, machte Wahlkampf für Helmut Schmidt (SPD) und stand kürzlich mit Sahra Wagenknecht auf einer Bühne. Nun unterstützt er einen CDU-Ministerpräsidenten, dessen Bundeskanzler er öffentlich kritisiert. In der Vergangenheit hatte Hallervorden wiederholt mit kontroversen Aktionen Debatten ausgelöst.

Stimmen aus dem Publikum

Bei der Veranstaltung in Halle zeigte sich, dass nicht nur CDU-Anhänger im Saal saßen. Ein Unternehmer warf Schulze vor, die CDU schließe Gespräche mit der AfD aus. Schulze hielt dagegen, er spreche auch mit AfD-Wählern – die Themen der Partei seien teils auch seine, nur habe er andere Lösungen. Ein anderer CDU-Wähler äußerte Enttäuschung über Merz, wolle Schulze aber dennoch wählen – wenn auch mit Bauchschmerzen wegen einer möglichen Zusammenarbeit mit der Linkspartei.

Ausblick bis zur Wahl

Hallervorden feiert am 5. September 2026, einen Tag vor der Landtagswahl, seinen 91. Geburtstag. Bis dahin werden er und Schulze noch in Magdeburg (29. Juli), Dessau (3. August) und Naumburg (7. August) auftreten. Ob die prominente Unterstützung die CDU näher an die AfD heranbringen kann, bleibt offen.

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