Schnieder boykottiert Kabinettssitzung: „Er will Merz nicht mehr sehen“
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Schnieder boykottiert Kabinettssitzung: „Er will Merz nicht mehr sehen“

Nach seiner Demütigung durch Kanzler Merz bleibt der scheidende Verkehrsminister der letzten Sitzung fern. Er schickt nur seinen CSU-Vertreter – und übergibt am Nachmittag das Amt.

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Aus Protest gegen seine chaotische Entlassung blieb Patrick Schnieder am Mittwoch der letzten Kabinettssitzung seiner Amtszeit fern. Der noch amtierende Bundesverkehrsminister schickte lediglich Staatsminister Ulrich Lange (CSU) als Vertreter zur Regierungsrunde, wie die Bild und die Junge Freiheit übereinstimmend berichten. Der Grund: Schnieder wollte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nicht mehr persönlich gegenübertreten. „Er will Merz nicht mehr sehen", zitieren beide Blätter das Umfeld des Ministers.

Ein Anruf aus dem Urlaub – und drei Tage Funkstille

Merz hatte Schnieder am Donnerstag, den 23. Juli, während dessen Island-Urlaub telefonisch mitgeteilt, dass er ihn ersetzen wolle. Als Nachfolger war zunächst der CDU-Finanzpolitiker Fritz Güntzler vorgesehen. Doch der sagte kurzfristig ab – und Merz ließ die Sache drei Tage lang unbearbeitet. In dieser Zeit erfuhr Schnieder nach eigenen Angaben nur aus den Zeitungen von den Turbulenzen um seine Nachfolge. Am Sonntag, den 26. Juli, platzte ihm schließlich der Kragen: Er bat den Kanzler öffentlich um seine Entlassung, um den „unwürdigen Zustand" zu beenden.

Chronologie der Eskalation

  1. 23. Juli 2026
    Kündigung per Telefon

    Merz teilt Schnieder im Island-Urlaub mit, dass er ersetzt wird. Fritz Güntzler ist als Nachfolger vorgesehen.

  2. 24. Juli 2026
    Güntzler springt ab

    Güntzler lehnt kurzfristig ab. Merz lässt die Stelle drei Tage unbesetzt – ohne offizielle Kommunikation.

  3. 26. Juli 2026
    Schnieder bittet um Entlassung

    Schnieder erfährt aus den Medien von den Turbulenzen und fordert Merz öffentlich auf, ihn zu entlassen.

  4. 27. Juli 2026
    Bilger wird Nachfolger

    Merz gibt bekannt, dass Steffen Bilger neuer Verkehrsminister wird.

  5. 28. Juli 2026
    Vertrauliches Übergabegespräch

    Schnieder und Bilger treffen sich im Ministerium, um die Amtsübergabe zu besprechen.

  6. 29. Juli 2026
    Boykott und Abschied

    Schnieder bleibt der Kabinettssitzung fern, holt seine Entlassungsurkunde ab und übergibt das Amt an Bilger.

Was Goethe mit der Amtsübergabe zu tun hat

Trotz des Kabinettsboykotts nahm Schnieder am Mittwoch alle weiteren Dienstpflichten wahr. Schon am Dienstagabend hatte er sich mit seinem designierten Nachfolger Steffen Bilger zu einem vertraulichen Gespräch im Verkehrsministerium getroffen. Bei der offiziellen Amtsübergabe am Mittwoch um 13 Uhr zeigte sich Schnieder professionell – und doch verpackte er eine Spitze in einem Goethe-Zitat. Er zitierte aus „Willkommen und Abschied„ und wies darauf hin, dass der Begriff zu Goethes Zeiten ein kriminologischer Fachterminus für eine Prügelstrafe bei der Haftentlassung gewesen sei. „Der heutige Abschied hat nichts mit Prügel zu tun – hier im Haus jedenfalls nicht“, sagte Schnieder.

Manchmal sind die Dinge nicht so, wie man sie auf den ersten Blick wahrnimmt. Und es lohnt sich, tiefer einzusteigen. Die ganze Breite von Gefühlen und Vorgängen zu beleuchten.
Patrick Schnieder, scheidender Bundesverkehrsminister (CDU)

Gegenüber der dpa sagte Schnieder knapp: „Ich melde mich ab.„ Zuvor hatte er bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Entlassungsurkunde abgeholt. Seine Amtszeit nannte er eine „Ehre und große Freude“ und verwies auf seine Bilanz – das „Comeback der Infrastruktur", eine neue Bahn-Strategie und eine geplante Führerschein-Reform.

Kritik aus der CDU: „Vom Stil her das Allerletzte“

Der Fall Schnieder hat in der CDU für erheblichen Unmut gesorgt. Vor allem der CDU-Landesverband Rheinland-Pfalz, geführt von Schnieders Bruder Gordon, der dort Ministerpräsident ist, ging auf offenen Konfrontationskurs zu Merz. Aus der Basis kam ebenfalls scharfe Kritik: Gerhard Kauth, Vorsitzender der CDU Arzfeld in der Eifel, nannte den Vorgang „skandalös„ und „vom Stil her das Allerletzte“.

Kanzler Merz erklärte nach einer Sondersitzung der Unionsfraktion, dass die jetzige Aufstellung in der Regierung die richtige sei und es „keinerlei Überlegungen" für weitere Personalveränderungen gebe. Die Unionsfraktion wählte Thorsten Frei mit 91,9 Prozent zum neuen Fraktionsvorsitzenden als Nachfolger von Jens Spahn.

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