41 % AfD und doch keine Machtoption: Sachsen-Anhalt droht die Minderheitsregierung
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Sachsen-Anhalt-Wahl

41 % AfD und doch keine Machtoption: Sachsen-Anhalt droht die Minderheitsregierung

Keine Partei kann allein regieren, die CDU lehnt AfD und Linke ab: Fünf Wochen vor der Wahl in Sachsen-Anhalt zeigt eine neue Umfrage fünf Parteien im Landtag – und eine Rechnung, die nur mit Tolerierung funktioniert.

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Die ungeliebte Vormacht

Es ist ein Rekord, den in der Magdeburger Staatskanzlei niemand hören will: 41 Prozent aller Wahlberechtigten würden der AfD ihre Stimme geben, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre. Das geht aus dem neuen Sachsen-AnhaltTREND von Infratest dimap hervor, der am 30. Juli veröffentlicht wurde. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze sackt auf 24 Prozent ab – ein Minus von zwei Punkten gegenüber Mai.

Doch der Höhenflug der AfD wird von einer bitteren mathematischen Realität gebremst: Für eine absolute Mehrheit im Magdeburger Landtag bräuchte sie 42 der 83 Sitze. Laut einer Projektion der JUNGEN FREIHEIT käme die Partei Ulrich Siegmunds auf 38 Mandate – vier zu wenig. Grund ist der Einzug der Grünen, die mit fünf Prozent den Sprung über die Hürde schaffen und der AfD zwei Sitze kosten. Auch die Linke (13 %), die SPD (7 %) und das BSW (4 %) ziehen ein – letzteres verpasst jedoch den Einzug ins Parlament.

Eine Arithmetik, die niemandem schmeckt

Die CDU hat mehrfach bekräftigt, weder mit der AfD noch mit der Linken koalieren zu wollen. Rechnerisch bliebe ihr nur ein Bündnis mit SPD (7 %) und Grünen (5 %) – zusammen 33 Sitze, elf zu wenig für eine Mehrheit. Erst die Duldung durch die Linke (12 Sitze) brächte 45 Stimmen und damit eine regierungsfähige Mehrheit. Dasselbe gilt für eine rot-rot-grüne Minderheitsregierung unter Duldung der CDU.

Beide Modelle haben ein Vorbild: In Thüringen tolerierte die CDU jahrelang eine rot-rot-grüne Regierung. In Sachsen-Anhalt wäre es genau umgekehrt: Die Linke müsste eine konservativ geführte Koalition stützen – ein Gedanke, der in der CDU für erhebliche Verwerfungen sorgen dürfte. Die Linke selbst hat eine Duldung der CDU-geführten Regierung bislang nicht ausgeschlossen, besteht aber auf klaren sozialpolitischen Bedingungen.

Umfrage Sachsen-AnhaltTREND (30.07.2026)

Stimmenanteile in Prozent

Quelle: Infratest dimap, 1.149 Befragte

Die Brandmauer hält – vorerst

Eine direkte Koalition aus CDU und AfD hätte mit 60 Sitzen eine komfortable Mehrheit. Doch dagegen stehen nicht nur die öffentlichen Beteuerungen der Christdemokraten. Laut Umfrage lehnen 60 Prozent aller Wahlberechtigten ein schwarz-blaues Bündnis ab, unter CDU-Anhängern sind es sogar 82 Prozent. Selbst 39 Prozent der AfD-Anhänger wünschen sich kein solches Bündnis.

Die Alternative – ein Bündnis der CDU mit der Linken – polarisiert weniger stark, ist aber ebenfalls mehrheitlich unerwünscht: 61 Prozent lehnen es ab, 31 Prozent wären dafür. Innerhalb der CDU ist das Bild gespaltener: 41 Prozent könnten sich damit anfreunden, 52 Prozent sind dagegen. Die AfD-Anhänger lehnen ein solches Linksbündnis nahezu geschlossen ab (89 %).

Regierung abgestraft, Siegmund auf dem Vormarsch

Die amtierende Koalition aus CDU, SPD und FDP erhält katastrophale Noten: Nur 29 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden – ein Minus von vier Punkten. 66 Prozent äußern sich weniger oder gar nicht zufrieden, der Anteil der völlig Unzufriedenen stieg sprunghaft auf 28 Prozent. Unter AfD-Anhängern sind es 90 Prozent.

Bei der Frage, welche Partei die kommende Regierung führen soll, liefern sich AfD und CDU ein Kopf-an-Kopf-Rennen: 44 Prozent wünschen sich eine AfD-geführte, 43 Prozent eine CDU-geführte Regierung. SPD-Anhänger sprechen sich zu 88 Prozent für eine CDU-Führung aus, bei Linken- und Grünen-Anhängern sind es jeweils 80 Prozent.

Auch die Kompetenzwerte spiegeln die Frustration: 36 Prozent trauen der AfD am ehesten zu, die wichtigsten Aufgaben im Land zu lösen – ein Plus von fünf Punkten. Die CDU folgt abgeschlagen mit 16 Prozent (minus zwei Punkte). Die Landesregierung scheint für viele Wählerinnen und Wähler keine überzeugende Antwort auf die drängendsten Probleme zu haben.

Personen: Siegmund holt auf, Schulze bleibt blass

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund legte in der Wählergunst deutlich zu: 35 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit zufrieden – ein Sprung um 15 Punkte seit September 2025. Seine Bekanntheit stieg auf 63 Prozent. Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) kommt auf 29 Prozent Zufriedenheit (plus neun Punkte), bleibt aber hinter seinem Herausforderer zurück.

Die Trendlinien zeigen eine eindeutige Richtung: Während Siegmund von der Unzufriedenheit mit der Landesregierung profitiert, gelingt es Schulze nicht, aus der Amtsautorität Kapital zu schlagen. Die kommenden Wochen werden für ihn zum Härtetest.

Ein Land ohne klare Mehrheit

Mit Spannung wird erwartet, ob der Trend bis zur Wahl am 6. September anhält. Sollten SPD oder Grüne noch unter die Fünf-Prozent-Hürde fallen, bekäme die AfD doch eine absolute Mandatsmehrheit – ein Szenario, das eine INSA-Umfrage von Ende Juli noch realistisch erscheinen ließ. Dann stünde Sachsen-Anhalt vor einer politischen Zeitenwende: dem ersten AfD-Ministerpräsidenten in Deutschland.

Doch selbst bei einem Einzug beider Parteien bleibt die Regierungsbildung ein kniffliges Puzzle. Die CDU steht vor der Wahl zwischen der Brandmauer zur AfD und einer möglichen Abhängigkeit von der Linken – ein Dilemma, das die Partei in den verbleibenden fünf Wochen kaum auflösen kann. Die kommenden Umfragen werden zeigen, ob das Land auf ein Experiment zusteuert, das es so noch nie gab: eine Minderheitsregierung, die von einer Partei toleriert wird, die sie eigentlich ablehnt.

Der Weg zur Wahl

  1. 07. Mai 2026
    Vorheriger Infratest dimap

    AfD 41 %, CDU 26 %, Linke 12 %, SPD 7 %, Grüne 4 %, BSW 4 %. Die CDU verliert erstmals die Führung.

  2. 23. Juli 2026
    INSA-Umfrage

    AfD 41 %, CDU 24 %, Linke 14 %, SPD und Grüne unter 5 % – absolute AfD-Mehrheit möglich.

  3. 30. Juli 2026
    Sachsen-AnhaltTREND veröffentlicht

    AfD 41 %, CDU 24 %, Grüne ziehen ein – Fünf-Parteien-Landtag ohne absolute Mehrheit.

  4. 06. September 2026
    Landtagswahl

    Entscheidung über die Zusammensetzung des neuen Landtags.

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