Nach CSD-Anschlag: Techno-Demo „Zug der Liebe“ 2026 abgesagt
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Nach CSD-Anschlag: Techno-Demo „Zug der Liebe“ 2026 abgesagt

Der Berliner Verein Zug der Liebe e.V. hat die für den 29. August geplante Techno-Demonstration abgesagt. Als Gründe nennt er massive Sicherheitsauflagen nach dem islamistischen CSD-Anschlag, fehlende LKW und die fehlende Einigung über die Lautstärke.

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Sicherheitslage kippt die Party

Die für den 29. August 2026 geplante Techno-Demonstration „Zug der Liebe“ findet nicht statt. Nur vier Tage nach dem tödlichen islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day zogen die Veranstalter am 29. Juli die Reißleine. Der Verein teilte auf seiner Website mit, dass eine Parade unter den neuen Sicherheitsbedingungen und mit den logistischen Problemen nicht zu verantworten sei.

Es ist jetzt nicht die richtige Zeit, um auf der Straße zu feiern.
Jens Schwan, Pressesprecher und Mitgründer Zug der Liebe e.V.

Die Entscheidung fiel nach monatelangen Vorbereitungen. Drei Faktoren hätten eine Durchführung unmöglich gemacht: die veränderte Sicherheitslage seit dem , ein nie dagewesener logistischer Engpass und die fehlende Einigung mit den Behörden über die zulässige Lautstärke.

Wegfahrsperren, Kontrollen, Polizeiaufrüstung

Ausschlaggebend war der Schock nach dem 25. Juli. An jenem Abend war der Attentäter Abdul Ballout mit einem Transporter unweit des Tiergartens in die CSD-Besuchermenge gerast und hatte anschließend mit einer Machete auf Menschen eingestochen. Eine 65-jährige Polin starb, 31 weitere wurden verletzt. Der Täter, der ein IS-Bekennervideo aufgenommen hatte, wurde einen Tag später bei einem Festnahmeversuch von der Polizei erschossen.

Eine Durchführung des Zug der Liebe würde in diesem Jahr massive Auflagen nach sich ziehen, von physischen Wegfahrsperren über lückenlose Personenkontrollen bis hin zu einer massiv aufgerüsteten Polizeipräsenz.
Jens Schwan, Pressesprecher und Mitgründer Zug der Liebe e.V.

Die Veranstalter begründeten ihre Absage damit, dass solche Auflagen der Grundidee eines unbeschwerten, angstfreien Protestraums fundamental widersprächen. Stattdessen werde der Verein seine Kräfte bündeln und sich der zeitgleichen Kundgebung zum Erhalt des RAW-Geländes in Friedrichshain anschließen.

70 Prozent der LKW fielen aus

Erstmals in der zehnjährigen Geschichte des „Zugs der Liebe“ brach auch die logistische Basis weg. Kurzfristig sprangen 70 Prozent der bestellten Lastwagen ab, die für die mobilen Musik-Trucks unverzichtbar gewesen wären. Ohne diese Technik sei eine rollende Demonstration nicht machbar.

Hinzu kam der Dauerstreit mit der Versammlungsbehörde über die 90-Dezibel-Lautstärkegrenze. Trotz monatelanger Vorbereitung gab es keine Einigung – für eine Techno-Parade, die von der Musik lebt, ein ungelöstes Kernproblem. Alle drei Punkte zusammen ließen den Organisatoren keine Wahl.

Trotzdem Techno: „Zug der Liebe goes RAW“

Statt die Parade ersatzlos zu streichen, verlagert der Verein seine Aktivitäten unter dem Motto „Zug der Liebe goes RAW“ auf die Demo zum Erhalt des RAW-Geländes am selben Tag. Mit noch verfügbaren, eigenfinanzierten Trucks sollen dort mehrere Techno-Kollektive für musikalische Unterstützung sorgen. Den Abschluss bildet eine Afterparty im Berliner Club Ritter Butzke.

Jens Schwan, der auch ehrenamtlicher Pressesprecher für das RAW-Gelände ist, sieht darin eine sinnvolle Verschmelzung: „Zwei Kernanliegen werden zu einer gemeinsamen, lauten Stimme.“ Beteiligt sind unter anderem Sachsentrance, Polyamor, Basstronauten und Volume Berlin Records.

„Rave the Planet“ findet wie geplant statt

Wir haben uns viele Gedanken gemacht. Wir haben gehört, was die Community will.
Matthias Roeingh („Dr. Motte“), Gründer von Rave the Planet

Im Gegensatz zum „Zug der Liebe“ soll die größere Technoparade „Rave the Planet“ am 15. August wie geplant über die Straße des 17. Juni ziehen – exakt jene Straße, an der der CSD-Anschlag stattfand. Die Organisatoren haben nach eigenen Angaben die Sicherheitskonzepte angepasst und stehen im Austausch mit den Behörden.

Aus behördlicher und Organisatorensicht gebe es keinen Grund, die Demonstration abzusagen.
Ellen Dosch-Roeingh, Projektleiterin Rave the Planet

Die Berliner Polizei bestätigte, dass die Planungen noch andauern, aber aus jetziger Sicht nichts gegen die Parade spricht. Bereits der Hamburger CSD kündigte an, am kommenden Samstag mit doppelt so vielen Polizeikräften wie im Vorjahr zu demonstrieren, auch andere Städte wie Amsterdam und Brighton verschärften ihre Sicherheitsvorkehrungen für anstehende Pride-Veranstaltungen.

Die Eskalation in Berlin

  1. 25. Juli 2026
    Islamistischer Anschlag auf CSD

    Attentäter Abdul Ballout rast mit Transporter in Menschenmenge am Tiergarten, tötet eine 65-jährige Polin und verletzt 31 weitere Menschen mit Fahrzeug und Machete.

  2. 26. Juli 2026
    Täter erschossen

    Abdul Ballout wird bei einem Festnahmeversuch in Berlin-Spandau von der Polizei getötet.

  3. 29. Juli 2026
    Absage des Zug der Liebe

    Der Verein gibt offiziell die Absage der für den 29. August geplanten Techno-Demonstration bekannt.

  4. 15. August 2026
    Rave the Planet findet statt

    Die größere Technoparade soll mit angepasstem Sicherheitskonzept vom Brandenburger Tor zur Siegessäule rollen.

  5. 29. August 2026
    Alternative Aktion

    Statt der Parade unterstützt der „Zug der Liebe“ mit Trucks die Demo zum Erhalt des RAW-Geländes in Friedrichshain.

Wie die Zeit berichtet, betonte der Hamburger Innensenator Andy Grote (SPD), dass die bisherigen Maßnahmen „sorgfältig“ überprüft würden. In Amsterdam und Brighton werden ebenfalls Zusatzkräfte bereitgehalten.

Die Absage zeigt, wie tief der Anschlag in das kulturelle Leben Berlins eingreift. Während eine Parade wegfällt, geht die andere trotzdem auf die Straße – die Debatte um Sicherheit und Freiheit bei Großveranstaltungen ist damit längst nicht beendet.

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