Nur fünf Tage nach dem islamistischen Terroranschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) die Menschen eindringlich dazu aufgerufen, den bevorstehenden CSD in Hamburg am Samstag (1. August) zu besuchen. „Hingehen!“, sagte der 73-Jährige in der Premierenausgabe der neuen ZDF-Talkshow „Sarah Tacke“ am Donnerstagabend. Es sei der größte Fehler, aus Angst zu Hause zu bleiben.
„Es wäre der größte Fehler, da nicht hinzugehen. Das darf man gar nicht einreißen lassen. Nicht diese Typen bestimmen, wie wir leben, sondern wir.“
In der Sendung, die während der Sommerpause den Sendeplatz von Maybrit Illner füllt, diskutierten neben Reul der Extremismusforscher Ahmad Mansour, die Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal und der muslimische Queer-Aktivist Tugay Sarac über die Folgen des Anschlags und den Umgang mit Islamismus. Reul betonte, dass man die Gefahr ernst nehmen, aber nicht die eigene Lebensweise von Extremisten bestimmen lassen dürfe. „Leute, lasst Euch nicht in die Enge treiben“, appellierte er.
Scharfe Kritik an der Berliner Justiz
Deutliche Worte fand Reul auch für die Berliner Justiz, die den späteren Attentäter Abdul Ballout trotz mehrfacher Islamismus-Verdachtsmomente nur zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt hatte. „Dieses Wer-ist-jetzt-schuld-an-was, ich kann das nicht mehr ertragen! Die Lage ist so brenzlig. Da erwarte ich, dass alle, die einigermaßen die Birne zusammen haben, handeln!“, polterte Reul in der Sendung. Er forderte, Heranwachsende wieder häufiger nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen – aktuell werde das Jugendstrafrecht in mehr als der Hälfte der Fälle angewandt, was eine Umkehr der ursprünglichen Regelung sei.
„Dieses Wer-ist-jetzt-schuld-an-was, ich kann das nicht mehr ertragen! Die Lage ist so brenzlig. Da erwarte ich, dass alle, die einigermaßen die Birne zusammen haben, handeln!“
Experten schließen sich dem Appell an
Der Psychologe und Extremismusforscher Ahmad Mansour unterstützte Reuls Aufruf. „Wenn wir das nicht tun, haben die Islamisten gewonnen“, sagte Mansour, der zugleich ein gesellschaftliches Versagen anprangerte. Jahrelang sei Islamismus relativiert worden, während Islamisten in den sozialen Medien junge Menschen abholten. Düzen Tekkal wies darauf hin, dass der Anschlag besonders queere Menschen und Minderheiten getroffen habe: „Wenn Minderheiten bedroht sind, dann sind wir alle bedroht.“
„Die Islamisten feiern den Tod. Wir feiern das Leben. Und deshalb appelliere ich an alle: Geht raus, feiert das Leben, die Selbstbestimmung, die Freiheit, die Demokratie, und lasst euch nicht von diesen Menschen einschüchtern.“
Doppelt so viele Polizisten am Samstag
Nach dem Berliner Anschlag haben die Sicherheitsbehörden in Hamburg ihr Konzept für den CSD am 1. August überarbeitet. Innensenator Andy Grote (SPD) kündigte an, dass etwa doppelt so viele Polizeikräfte wie im Vorjahr im Einsatz sein werden. Die Parade mit rund 250.000 erwarteten Teilnehmern zieht vom Steindamm bis zum Jungfernstieg. Eine Absage stand nie zur Debatte.
Die Debatte um Sicherheit und Freiheit wird auch nach dem Hamburger CSD weitergehen. Für Reul und die anderen Talkgäste war die Botschaft klar: Die offene Gesellschaft darf sich nicht von Terror einschüchtern lassen.
Chronologie: Vom Anschlag zum Hamburger CSD
- 25. Juli 2026Anschlag auf Berliner CSD
Islamistischer Attentäter rast mit Transporter in Menschenmenge, eine Tote, 31 Verletzte.
- 26. Juli 2026Täter von SEK erschossen
Nach Großfahndung wird der Gefährder in einer Kleingartenkolonie gestellt und getötet.
- 28. Juli 2026Sicherheitskonzept überprüft
Hamburgs Innensenator Grote kündigt verstärkte Polizeipräsenz für den CSD an.
- 30. Juli 2026Reul ruft zur Teilnahme auf
In der ZDF-Talkshow „Sarah Tacke“ appelliert der NRW-Innenminister, den Hamburger CSD nicht zu meiden.
- 1. August 2026CSD Hamburg
Rund 250.000 Menschen werden erwartet, doppelt so viele Polizeikräfte im Einsatz.









