Die Direktbank Comdirect hat der freien Journalistin Anabel Schunke ohne Vorwarnung und ohne Angabe von Gründen ihr gesamtes Privatkonto gekündigt. Die 38-Jährige, die unter anderem für die „Weltwoche“ schreibt, spricht von einem politisch motivierten Rauswurf – und ist damit nicht die erste konservative Stimme, der das Bankkonto gekündigt wird.
Die Kündigung traf am Montag, dem 27. Juli 2026, per E-Mail ein und wird zum 5. Oktober 2026 wirksam. Schunke machte den Vorgang am Donnerstag, dem 30. Juli, auf der Plattform X öffentlich und veröffentlichte einen Screenshot der Kündigungsmail. „Jetzt trifft es mich auch“, schrieb sie dort.
Streit um X-Werbeeinnahmen
Der Kontokündigung war ein längerer Konflikt vorausgegangen. Die Bank warf Schunke vor, ihr Privatkonto gewerblich zu nutzen – konkret wegen Zahlungen, die sie über das Werbebeteiligungsprogramm der Plattform X erhielt. Schunke, die mehrere hunderttausend Follower hat, bestritt eine gewerbliche Nutzung: Da jeder angemeldete X-Nutzer an dem Programm teilnehmen könne, habe sie die Einnahmen nicht als geschäftlich betrachtet. „Mir kam das sehr vorgeschoben vor. Da sind jetzt auch keine Tausenden Euro geflossen“, wird sie in der Jungen Freiheit zitiert.
Schunke bot der Bank nach eigenen Angaben an, die X-Zahlungen auf ein anderes Bankkonto umzuleiten. Die Comdirect habe daraufhin empfohlen, sie solle einfach mehr private Zahlungen mit dem Konto tätigen – dann werde man die Situation in zwei bis drei Monaten erneut prüfen. Stattdessen folgte die Kündigung.
„Da hieß es, dass ich einfach ein paar mehr private Zahlungen mit dem Konto tätigen soll. Dann würden sie sich das in zwei bis drei Monaten noch mal anschauen. Stattdessen kam die Kündigung.“
Auch eine schriftliche Bitte um Rücknahme der Kündigung lehnte die Bank ab. Sie beruft sich auf ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die eine Kündigung ohne Begründung erlauben. Wie Apollo News berichtet, liegt eine entsprechende E-Mail vor.
Politischer Verdacht
Schunke hegt keinen Zweifel an den Motiven der Bank. Bereits auf X machte sie deutlich: „Ich rieche einen politischen Grund.“ Im Gespräch mit der Jungen Freiheit ergänzte sie: „Ich hatte ab einem gewissen Zeitpunkt das Gefühl, dass man mich einfach loswerden will.“
„Ich rieche einen politischen Grund.“
Gegen ein rechtliches Vorgehen hat sich die Journalistin entschieden, die sich selbst als konservativ und systemkritisch bezeichnet. Sie schrieb auf X: „Ich werde höchstwahrscheinlich nicht gegen die Kündigung der Comdirect vorgehen. Mir fehlt für solche Nebenkriegsschauplätze nach Jahren der Zermürbung durch Gerichtsverfahren und anderes schlicht die Kraft.“
„Ich werde höchstwahrscheinlich nicht gegen die Kündigung der Comdirect vorgehen. Mir fehlt für solche Nebenkriegsschauplätze nach Jahren der Zermürbung durch Gerichtsverfahren und anderes schlicht die Kraft.“
Comdirect schweigt – eigene Website widerspricht
Die Comdirect wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern – zu einzelnen Kundenbeziehungen gebe man grundsätzlich keine Auskunft. Allerdings wirbt die Bank auf ihrer eigenen Website damit: „Als Freiberufler oder Kleinunternehmer können Sie das comdirect Girokonto auch für Umsätze aus Ihrer Tätigkeit nutzen.“ Das berichtet Apollo News.
Damit wären die X-Zahlungen an Schunke grundsätzlich zulässig gewesen, solange die Nutzung überwiegend privat erfolgt. Die Bank verweigerte jedoch jede weitere Stellungnahme.
Kein Einzelfall: Debanking in Deutschland
Der Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle ein, die unter dem Schlagwort „Debanking“ bekannt wurden. Ende 2024 kündigte die Berliner Volksbank mehreren AfD-Kommunalfraktionen, dem Bundesverband der Partei und zwei parteinahen Firmen die Konten – woraufhin sich die „Omas gegen Rechts“ für die Maßnahme starkgemacht hatten. Im Dezember 2025 traf es den Journalisten Flavio von Witzleben: Die Sparkasse Karlsruhe kündigte ihm ohne Angabe von Gründen, er klagt dagegen.
Anders als private Banken dürfen Sparkassen als Anstalten öffentlichen Rechts nur in Ausnahmefällen Konten kündigen, eine politische Diskriminierung ist wegen ihrer Grundrechtsbindung unzulässig. Private Banken wie die Comdirect können zwar grundsätzlich ohne Begründung kündigen, eine Diskriminierung aus politischen Gründen wäre jedoch nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz unzulässig – allerdings gilt der Nachweis eines politischen Motivs als schwierig, wenn die Bank keine Gründe nennt.
Debanking in Deutschland: Die Vorgeschichte
- Ende 2024Berliner Volksbank kündigt AfD-Konten
Konten von Kommunalfraktionen und Parteigremien werden geschlossen; „Omas gegen Rechts“ fordern dies.
- Dezember 2025Sparkasse Karlsruhe kündigt Flavio von Witzleben
Ohne Begründung verliert der Journalist sein Konto; er klagt.
- Monate vor Juli 2026Comdirect wirft Schunke gewerbliche Nutzung vor
Streit um X-Werbeeinnahmen eskaliert.
- 27. Juli 2026Kündigung per E-Mail
Schunke erhält die Nachricht, wirksam zum 5. Oktober.
- 30. Juli 2026Öffentlichkeit auf X
Schunke postet die Kündigung und erhebt politische Vorwürfe.
- 5. Oktober 2026Kündigung wird wirksam
Schunkes Comdirect-Konto wird geschlossen.





