Der Christopher Street Day in Erkrath hat einen Antrag der AfD auf einen eigenen Infostand abgelehnt. Die Veranstalter um Mitorganisator Toni Nezi begründeten die Entscheidung am Mittwoch sowohl mit der verspäteten Anfrage als auch mit unüberbrückbaren inhaltlichen Differenzen. Die Standvergabe sei bereits abgeschlossen gewesen, hieß es, vor allem aber stünden Positionen der Partei „den Grundsätzen des CSD“ entgegen.
„Mit Erstaunen zur Kenntnis genommen“
Gegenüber dem Lokal Anzeiger Erkrath zeigte sich Nezi überrascht vom Interesse der AfD. „Mit Erstaunen haben wir das Interesse der AfD Erkrath zur Teilnahme am Christopher Street Day in Hochdahl zur Kenntnis genommen“, zitierte ihn die Zeitung. Der Anmeldung sei jedoch eine Absage erteilt worden. Zusätzlich zur Kurzfristigkeit nannte Nezi das AfD-Wahlprogramm als Ausschlussgrund.
„Mit Erstaunen haben wir das Interesse der AfD Erkrath zur Teilnahme am Christopher Street Day in Hochdahl zur Kenntnis genommen.“
Der CSD Erkrath, der am 27. Juni 2026 bereits zum vierten Mal stattfand, stand unter dem Motto „Vielfalt ist unsere Stärke – sie verbindet und bewegt“. Ein breites Bündnis aus Jugendrat, Omas gegen Rechts, Freundeskreis für Flüchtlinge, Gendertreff und Ortsvereinen von SPD, Grünen, FDP, CDU, BmU und der Linken trug die Veranstaltung auf dem Hochdahler Markt. Zu spät für einen Stand der AfD.
Programmatischer Widerspruch zum CSD
Das Orga-Team verwies jedoch nicht nur auf den verpassten Termin. Man habe in der Stellungnahme an erkrath.jetzt klargemacht, eine Teilnahme der AfD könne man nicht genehmigen, „ohne Verrat an unseren Zielen zu begehen, zu denen wir uns gegenüber unserer Klientel verpflichtet fühlen“. Explizit nannte Nezi Passagen aus dem Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt und dem Bundestagswahlprogramm 2025.
„Der Christopher Street Day steht für die Vielfalt in unserer Gesellschaft und für die Rechte aller Menschen. Die akzeptierte Gleichstellung aller Menschen ist kein Selbstläufer, sondern langwierig, immer wieder auch frustrierend und oft mit Rückschlägen und Niederlagen verbunden.“
In diesen Programmen fordert die AfD, die „Realität der Zweigeschlechtlichkeit“ wieder anzuerkennen und beklagt eine angebliche „Indoktrination von Kindern und Jugendlichen durch Trans-Kult, Frühsexualisierung und Genderideologie“. Der queeren Community werde vorgeworfen, „die tradierte Normalität“ zu zerstören, und sexuelle Minderheiten würden abwertend als „sexuelle Abweichungen“ bezeichnet.
Wachsende Abgrenzung bei CSDs
Immer mehr CSD-Veranstaltungen in Deutschland schließen die AfD aus. Nicht nur in Erkrath: Auch bei anderen Paraden wie zuletzt in Berlin oder Göttingen wurde der Partei die Teilnahme verwehrt. Rechtlich stütze das Hausrecht privater Veranstalter solche Ausschlüsse, erklären Experten. Zugleich versuche die AfD, in der queeren Community mit Warnungen vor migrantischer Gewalt zu punkten, wie ein umstrittenes Zitat der Bundestagsabgeordneten Christina Baum zeigt – die wiederum ein Verbot von CSD-Demonstrationen forderte.
Der Münchner CSD lockte am Wochenende darauf 230.000 Menschen, während in Berlin die Diskussion um einen eigenen Senats-Truck für 375.000 Euro politische Wellen schlug. Auch dort grenzten sich die Veranstalter von rechtspopulistischen Positionen ab.
Chronologie des Streits
Die Ereignisse im Juni
- 22. Juni 2026Ankündigung
Das Aktionsbündnis für Demokratie Erkrath kündigt die Teilnahme am CSD 2026 an und veröffentlicht das Programm.
- 24. Juni 2026Absage
Das Orga-Team macht die Ablehnung des AfD-Infostandes öffentlich. Toni Nezi veröffentlicht eine Stellungnahme mit formaler und inhaltlicher Begründung.
- 27. Juni 2026CSD in Hochdahl
Der vierte CSD Erkrath findet von 12 bis 23 Uhr auf dem Hochdahler Markt statt – ohne AfD-Präsenz.
Eine Reaktion der AfD Erkrath auf die Absage blieb zunächst aus. Ob die Partei rechtliche Schritte erwägt, ist unklar. Der CSD Erkrath zeigte sich unterdessen kämpferisch: „Der CSD ist per se eine politische Veranstaltung“, betonte Nezi. Die Forderung: Vielfalt und Gleichberechtigung verteidigen – gegen jede Relativierung.





