Christenfeindlichkeit in Österreich um 29 % gestiegen – jeder zweite Tatverdächtige ohne österreichischen Pass
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BMI-Report

Christenfeindlichkeit in Österreich um 29 % gestiegen – jeder zweite Tatverdächtige ohne österreichischen Pass

Der fünfte Hate-Crime-Bericht des BMI verzeichnet 133 christenfeindliche Straftaten – ein Sprung um 29 Prozent. Auffällig: Mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen hat keinen österreichischen Pass.

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6.751 Hassverbrechen – Gesamtzahl stabil, Religion dritthäufigstes Motiv

Das Bundesministerium für Inneres (BMI) hat am 27. Juli 2026 den fünften Hate-Crime-Lagebericht für 2025 vorgelegt. Insgesamt registrierte die Polizei 6.751 vorurteilsmotivierte Straftaten mit 7.327 Vorurteilsmotiven – nahezu gleich viele wie im Vorjahr (6.786). Der häufigste Tatort war das Internet mit 1.917 erfassten Motiven. Die Aufklärungsquote bei Hasskriminalität stieg auf 71 Prozent und liegt deutlich über der allgemeinen Quote von 53,6 Prozent.

Stärkster Anstieg bei christenfeindlichen Motiven

Unter den 696 religiös motivierten Vorurteilsmotiven dominierten Muslimfeindlichkeit (264) und Antisemitismus (247). Die Christenfeindlichkeit verzeichnete mit 133 Motiven jedoch den stärksten Zuwachs – ein Sprung um 29 Prozent gegenüber 2024. Die häufigsten gegen Christen gerichteten Straftaten waren schwere Sachbeschädigungen (29 Fälle), gefährliche Drohungen (24), Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (16), schwerer Diebstahl (12) und Körperverletzungen (11).

Religiös motivierte Vorurteilsmotive 2025

Gesamt 696 Motive, Angaben des BMI

Quelle: BMI Hate-Crime-Lagebericht 2025

Besonders betroffen waren Sakralstätten: Von 21 dokumentierten antireligiösen Vorfällen an Kirchen, Friedhöfen oder Denkmälern waren 12 christenfeindlich motiviert – mehr als die Hälfte. Diese Taten äußerten sich fast ausschließlich als schwere Sachbeschädigungen. Antimuslimische Vorfälle geschahen meist im öffentlichen Raum, antisemitische Straftaten dagegen verlagerten sich massiv ins Digitale – jede dritte antisemitische Tat geschah online.

Junge Täter und ein auffälliger Ausländeranteil

Die demografische Auswertung offenbart markante Unterschiede. Bei christenfeindlichen Taten stellten Jugendliche von 14 bis unter 18 Jahren mit 27 Tatverdächtigen die auffälligste Gruppe. Insgesamt besaßen 57 Prozent der Tatverdächtigen in dieser Kategorie keine österreichische Staatsbürgerschaft – der höchste Anteil unter allen religiösen Kategorien. Zum Vergleich: Bei antisemitischen Straftaten hatten nur 26 Prozent der Täter einen ausländischen Pass, die Täter waren im Schnitt älter. Über alle Hate-Crime-Delikte hinweg lag der Ausländeranteil bei lediglich 28 Prozent und damit unter dem Durchschnitt der Gesamtkriminalität.

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) warnte bei der Präsentation: Die Hasskriminalität werde zunehmend „jünger und digitaler“. Bereits ein Drittel der Tatverdächtigen sei unter 21 Jahre alt. Karner verwies auf Präventionsprogramme wie „Sicher und FAIRnetzt“ und einen in Arbeit befindlichen Nationalen Aktionsplan gegen Hasskriminalität.

SPÖ und Grüne üben scharfe Kritik

Mario Lindner, Gleichbehandlungssprecher der SPÖ, nannte die Zahlen „erschreckend“. Er forderte, der Aktionsplan müsse vor allem die Dunkelziffer senken und Ursachen bekämpfen.

Unsere Gesellschaft darf sich nicht daran gewöhnen, dass unsere Mitmenschen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Hautfarbe, wegen ihrer Religion oder ihres sozialen Status angegriffen werden.
Mario Lindner, SPÖ-Gleichbehandlungssprecher

Deutliche Worte kamen auch von den Grünen. Sicherheitssprecher David Stögmüller warf der Bundesregierung Untätigkeit vor und nannte die Verzögerungen beim Aktionsplan „unverantwortlich“. Er forderte mehr Prävention an Schulen und den Ausbau digitaler Medienkompetenz. Hassverbrechen seien „direkte Angriffe auf eine offene, demokratische Gesellschaft“.

Regional lag Vorarlberg mit 148 Motiven pro 100.000 Einwohner an der Spitze, Tirol bildete mit 51 Motiven das Schlusslicht.

Chronologie

  1. 2025
    Datenerhebung

    Die österreichische Polizei registriert über das Jahr verteilt 6.751 vorurteilsmotivierte Straftaten, darunter 133 christenfeindliche Vorurteilsmotive (+29 %).

  2. 27. Juli 2026
    Veröffentlichung

    Das BMI präsentiert den fünften Lagebericht „Hate Crime 2025“. Innenminister Karner warnt vor einer Verjüngung und Digitalisierung der Hasskriminalität.

  3. 27. Juli 2026
    Politische Reaktionen

    SPÖ und Grüne fordern eine rasche Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen Hasskriminalität und mehr Prävention.

Die politische Debatte über die richtigen Maßnahmen gegen Hasskriminalität dürfte damit weitergehen.

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