Fast 25 Jahre lang schwieg sie – jetzt platzt Janin Ullmann der Kragen. Im Podcast „Baby got Business“ von Ann-Kathrin Schmitz rechnete die 44-Jährige mit ihrem früheren Arbeitgeber VIVA ab. Der Grund: ein eklatanter Gehaltsunterschied zu ihrem damaligen Kollegen Oliver Pocher.
Ullmann war gerade 18, als sie beim Musiksender anfing. „Ich bin da so blauäugig hingegangen“, erinnert sie sich. Ihr Monatsgehalt: 3000 D-Mark brutto. Das erschien ihr damals viel – „Ich war ja reich“, sagt sie rückblickend.
„Ich war ja reich, ich habe da 3000 D-Mark brutto bekommen.“
Doch der Schock kam später: Während sie mit 3000 Mark auskommen musste, kassierte Oliver Pocher deutlich mehr. „Er bekam 4000 D-Mark angeboten, und sein Management hat auf 5000 D-Mark hochgehandelt“, erzählt Ullmann. Die Differenz: satte 2000 Mark. Einen Unterschied, den sie erst beim Schreiben ihres Buches „Female Finance: Dein Geld. Dein Leben. Deine Regeln“ erfuhr.
VIVA-Gehälter 2001 (brutto)
Bruttomonatsgehälter in D-Mark
Erst durch Oliver Pocher selbst – der zuletzt mit harschen Kommentaren über seine Ex-Frau für Schlagzeilen sorgte – sei sie auf die Diskrepanz gestoßen, sagt sie. „Das war meine erste Erfahrung mit dem Gender Pay Gap“, zitiert sie der Podcast. „Ich ärgere mich wirklich noch bis heute, dass ich ihn damals nicht gefragt habe, was er verdient.“
„Das war meine erste Erfahrung mit dem Gender Pay Gap.“
Vor allem die unterschiedlichen Ausgangslagen prangert Ullmann an:
„Aber auch da ist die Ausgangslage ja eine andere, wenn sie mir als junge Frau 3000 D-Mark anbieten und dem jungen männlichen Kollegen 4000 D-Mark. Da muss man einfach sagen, ist das eine absolute Ungleichheit und auch Ungerechtigkeit.“
Vom VIVA-Star zur Finanz-Aktivistin
Die biografischen Parallelen zu Ullmanns heutiger Mission sind unübersehbar. Sie wuchs gemeinsam mit ihrer Schwester bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf. „Wir mussten jeden Groschen dreimal umdrehen“, erinnert sie sich.
„Wir mussten jeden Groschen dreimal umdrehen.“
Auch ein kostspieliger Fehler aus jungen Jahren prägte sie. Mit 19 unterschrieb sie einen Vertrag, dessen Inhalt sie nicht vollständig verstand. „Er hat ein Honorar für mich bekommen von 5000 Euro, weil ich unterschrieben habe“, erzählt sie. Ihr Rat an Frauen deshalb:
Die Vorgeschichte in der Rückschau
Chronologie der Gehaltsenthüllung
- 2001Start bei VIVA
Janin Ullmann (18) und Oliver Pocher beginnen beim Musiksender. Ullmann erhält 3000 DM brutto, Pocher 5000 DM – nachdem sein Management das Anfangsangebot von 4000 DM nachverhandelt.
- 2025/2026Buchprojekt bringt Wahrheit ans Licht
Beim Schreiben von „Female Finance" erfährt Ullmann durch Oliver Pocher selbst von der Gehaltsdifferenz. Sie realisiert den Gender Pay Gap aus erster Hand.
- 2. August 2026Podcast-Veröffentlichung
Im Podcast „Baby got Business" spricht Ullmann erstmals öffentlich über den Vorfall. Medien wie BUNTE und FOCUS online berichten.
Das Erbe des Gender Pay Gap
„Unterschreibt nichts, was ihr nicht versteht.“
Fast ein Vierteljahrhundert später ist der Fall ein Lehrstück. Ullmann hat daraus Konsequenzen gezogen: Mit ihrem Buch und öffentlichen Auftritten will sie Frauen für finanzielle Unabhängigkeit sensibilisieren. Dass sie selbst einst so unerfahren war, macht sie heute umso glaubwürdiger. Die Frage, die bleibt: Hätte sie mit 18 mehr fordern können – und hätte VIVA es ihr auch gegeben?
