Monty Roberts: Der „Pferdeflüsterer“ ist tot
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Monty Roberts: Der „Pferdeflüsterer“ ist tot

Der als „Pferdeflüsterer“ weltberühmte Monty Roberts ist tot. Er starb am 31. Juli 2026 im Alter von 91 Jahren auf seiner Farm in Kalifornien, nur wenige Monate nach seinem geliebten Wildpferd Shy Boy.

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Der als „Pferdeflüsterer“ weltberühmt gewordene Monty Roberts ist tot. Er starb am 31. Juli 2026 im Alter von 91 Jahren auf seiner Flag Is Up Farm in Solvang, Kalifornien – nur wenige Monate nach seinem geliebten Wildpferd Shy Boy, das mit 33 Jahren gestorben war. An seiner Seite war bis zuletzt seine Ehefrau Patricia.

Roberts revolutionierte mit seiner gewaltfreien Join-Up®-Methode den Umgang mit Pferden. Statt sie mit Gewalt zu brechen, setzte er auf Vertrauen, Geduld und die nonverbale Körpersprache der Pferde, die er „Equus“ nannte.

Die Todesnachricht gab seine Tochter Debbie Roberts Loucks auf Instagram bekannt. Als Todesursache nannte sie Komplikationen einer Autoimmunerkrankung, wie die Thoroughbred Daily News berichteten.

Für die Welt war er als der Mann bekannt, der Pferden zuhört. Für mich war er einfach Dad, ein Mann von außergewöhnlicher Güte, unerschütterlicher Integrität und dem festen Glauben, dass Vertrauen erreichen kann, was Gewalt niemals vermag.
Debbie Roberts Loucks, Tochter von Monty Roberts

Monty Roberts' Leben in Daten

Von seinen ersten Rodeo-Erfolgen bis zur Freundschaft mit der Queen – die Meilensteine eines außergewöhnlichen Lebens:

Monty Roberts: Die wichtigsten Stationen

  1. 14. Mai 1935
    Geburt in Salinas, Kalifornien

    Marvin Earl Roberts wird als Sohn des Pferdetrainers Marvin Roberts geboren.

  2. 1948
    Die Entdeckung der Mustangs

    Mit 13 Jahren beobachtet Roberts in Nevada Wildpferde und entdeckt ihre nonverbale Sprache ‚Equus‘.

  3. 1989
    Die Queen lädt ein

    Königin Elizabeth II. holt Roberts nach Windsor Castle – Beginn einer jahrzehntelangen Freundschaft.

  4. 1991
    Rettung von Lomitas

    Roberts befreit den Hengst Lomitas von seiner Startbox-Phobie und macht ihn zum Champion.

  5. 1996
    Bestseller

    ‚Der mit den Pferden spricht‘ erscheint und wird ein Weltbestseller.

  6. 2011
    Royal Victorian Order

    Roberts wird von der Queen für seine Verdienste um das königliche Gestüt ausgezeichnet.

  7. 31. Juli 2026
    Tod mit 91

    Monty Roberts stirbt an den Folgen einer Autoimmunerkrankung auf seiner Farm in Kalifornien.

Geprägt von Gewalt und Misshandlung

Geboren als Marvin Earl Roberts am 14. Mai 1935 in Salinas, Kalifornien, wuchs Monty als Sohn des Pferdetrainers Marvin Roberts quasi auf dem Rücken der Pferde auf. Mit drei Jahren lernte er Reiten, mit vier bestritt er seine ersten Rodeo-Turniere und gewann prompt seine erste Trophäe. Später studierte er an der California Polytechnic State University Tierwissenschaften und gewann zwei nationale College-Rodeo-Meisterschaften.

Sein Vater galt als gewalttätig – gegenüber den Pferden wie auch gegenüber seinem Sohn. Diese Erfahrung prägte Roberts zutiefst. „Ich wollte den Pferden etwas zurückgeben. Gewaltfrei mit ihnen umgehen. Zeigen, dass es einen anderen Weg gibt“, sagte er später.

Bereits mit 13 Jahren beobachtete Roberts in Nevada Mustangs in freier Wildbahn und entdeckte ihre vorhersehbare, nonverbale Körpersprache. Daraus entwickelte er seine bahnbrechende Join-Up®-Methode: Statt Pferde mit Gewalt zu brechen, baute er auf Vertrauen, Geduld und gegenseitigen Respekt. Er konnte Pferde in weniger als 30 Minuten an Sattel und Reiter gewöhnen – ohne jede Gewalt.

Dafür wurde er zunächst belächelt und von anderen Trainern verspottet. Das änderte sich schlagartig durch die Unterstützung einer der prominentesten Pferdeliebhaberinnen der Welt.

Die Queen öffnete ihm die Türen der Welt

1989 wurde Königin Elizabeth II. auf Roberts aufmerksam. Sie schickte ihren ehemaligen königlichen Rittmeister Sir John Bowles inkognito nach Kalifornien, um herauszufinden, ob Roberts‘ Methoden echt oder Scharlatanerie waren. Bowles‘ Tarnung flog auf – ein Nachbar Roberts‘ informierte ihn über den „Spion“ der Queen. Trotz des amüsanten Anfangs folgte die Einladung nach Windsor. Bei der Vorführung hatte die Queen Mother Tränen in den Augen, wie Roberts später erzählte.

Es entwickelte sich eine mehr als drei Jahrzehnte währende Freundschaft. Roberts reiste regelmäßig nach England und telefonierte ausgiebig mit der Monarchin über deren Pferde. Die Queen ermutigte ihn, seine Autobiografie zu schreiben. „Der mit den Pferden spricht“ erschien 1996, stand 58 Wochen auf der New-York-Times-Bestsellerliste, wurde in über 15 Sprachen übersetzt und verkaufte sich mehr als fünf Millionen Mal.

2002 trat Roberts beim Goldenen Thronjubiläum der Queen in Windsor Castle auf. 2011 wurde er zum Member of the Royal Victorian Order (MVO) ernannt – für seine Verdienste um das königliche Gestüt. Als die Queen 2022 starb, sagte Roberts: „Es traf mich härter als mancher Verlust in meiner eigenen Familie.“ Bei ihrer Beerdigung, zu der er eingeladen war, brach er in Tränen aus.

Sie glaubte, dass niemand jemals zu einem Menschen oder Tier sagen sollte: ‚Du tust, was ich dir sage, oder ich tue dir weh.‘ Wenn die Queen mit Pferden zusammen war, war sie ein Pferdemensch. Sie wollte nicht die Königin sein.
Monty Roberts über Königin Elizabeth II.

Lomitas – der deutsche Hengst und seine Rettung

Anfang der 1990er Jahre schrieb Roberts auch deutsche Pferdesportgeschichte. Der hochtalentierte Hengst Lomitas vom Gestüt Fährhof in Niedersachsen hatte eine schwere Panik vor der Startbox entwickelt und warf sich vor dem German 2000 Guineas auf den Boden – er wurde vom Rennbetrieb ausgeschlossen. Gestütsbesitzer Walther Jacobs holte Roberts aus den USA ein.

Mit unendlicher Geduld gewann Roberts das Vertrauen des Pferdes zurück. Lomitas kehrte auf die Rennbahn zurück und gewann nacheinander den Großen Preis von Berlin, den Großen Preis von Baden und den Preis von Europa – jeweils mit großem Vorsprung. Er wurde Deutschlands Galopper des Jahres und galt als drittbestes dreijähriges Pferd Europas.

Dr. Andreas Jacobs und Simon Stokes vom Gestüt Fährhof schrieben in ihrem Nachruf: „Über 30 Jahre hat Monty Roberts auf dem Gestüt Fährhof zusammen mit Simon Stokes alle Jährlinge von der Weide auf den Rennstall vorbereitet. Darunter großartige Pferde wie Silvano, Sabiango und Quijano.“ Aus der Rettung von Lomitas erwuchs eine jahrzehntelange Freundschaft. Roberts besuchte das Gestüt jeden Sommer.

Für nervöse Rennpferde entwickelte Roberts zudem die nach ihm benannte Monty-Roberts-Decke – eine doppelt gepolsterte Decke, die empfindliche Stellen des Pferdes beim Eintritt in die Startbox schützt und bis heute weltweit im Einsatz ist.

Er war ein Cowboy, ein normaler, bodenständiger, geradeheraus Kerl. Bei ihm drehte sich alles ums Pferd.
Ilka Gansera-Leveque, Trainerin in Newmarket, ehemalige Mitarbeiterin

Peitsche, Kritiker und das große Erbe

Roberts war zeitlebens ein entschiedener Gegner der Peitsche im Rennsport.

Eines Tages wird alles peitschenfrei sein, denn wir sind klüger als das. Ein Fluchttier zu schlagen, damit es schneller rennt, ist dumm. Es kann nicht richtig sein.
Monty Roberts

Auch Kritiker fochten ihn nicht an. „Kritiker motivieren mich, selbst immer besser zu werden. Ich möchte definitiv nicht, dass mich alle nur mögen. Diskussionen sind wichtig“, sagte er 2019 auf der Equitana in Essen vor ausverkauftem Haus.

Seine Töchter Debbie Roberts Loucks und Laurel Roberts führen sein Lebenswerk im Monty Roberts California Horse Center fort. Weltweit arbeiten zertifizierte Monty-Roberts-Instruktoren nach seiner Philosophie. Debbie Roberts Loucks schrieb in ihrem Abschiedspost: „Auch wenn unsere Herzen gebrochen sind, finden wir doch Trost in dem Wissen, dass sein Vermächtnis jedes Mal weiterlebt, wenn jemand Mitgefühl statt Gewalt wählt, erst zuhört, bevor er fragt, und eine bessere Partnerschaft mit seinem Pferd anstrebt.“