83 Soldaten statt Front: Major ließ sich Villa bauen – Festnahme
Bild: KI-generiert

83 Soldaten statt Front: Major ließ sich Villa bauen – Festnahme

Ein ukrainischer Major soll 83 ihm unterstellte Soldaten über Monate vom Kriegsdienst abgezogen haben, um seine private Luxusvilla zu bauen. Jetzt wurde er festgenommen – ihm drohen bis zu zwölf Jahre Haft.

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83 ukrainische Soldaten mussten nicht gegen Russland kämpfen, sondern das private Anwesen ihres Majors errichten. Der Kommandeur missbrauchte über Monate seine Befehlsgewalt, um die Männer als Bauarbeiter einzusetzen – und griff dabei sogar auf militärische Fahrzeuge zurück.

Der Fall flog auf, als Ermittler des Staatlichen Ermittlungsbüros (DBR), der Militärstaatsanwaltschaft und der Nationalpolizei das Grundstück im Rajon Podilsk in der Oblast Odessa durchsuchten wie der Focus berichtet. Sie trafen auf alle 83 Soldaten, die zu diesem Zeitpunkt aktiv Bauarbeiten verrichteten.

Missbrauch von Befehlsgewalt und Unterschlagung

Dem Major wird vorgeworfen, die Soldaten ihrer Verteidigungsaufgaben entzogen und für private Zwecke eingesetzt zu haben. Gleichzeitig ließ er sich die Arbeitskraft der Männer vom ukrainischen Staat bezahlen – ein klarer Fall von Veruntreuung öffentlicher Gelder. Laut Anklage nutzte er zudem regelmäßig militärische Schwerlast- und Transportfahrzeuge, um Baumaterial auf sein Grundstück zu bringen.

Die Ermittlungen ergaben außerdem, dass militärische Transportfahrzeuge zur Anlieferung von Baumaterialien eingesetzt wurden.
Ruslan Krawtschenko, Generalstaatsanwalt der Ukraine

Die Justiz wirft dem Offizier Veruntreuung und Unterschlagung von Staatsvermögen in besonders großem Ausmaß unter Kriegsrecht vor (Art. 191 Abs. 5 des ukrainischen Strafgesetzbuches) sowie Missbrauch von Dienstbefugnissen nach Art. 426-1 Abs. 5. Das Höchstmaß der Strafe beträgt zwölf Jahre Freiheitsentzug; zusätzlich droht die Einziehung seines gesamten Vermögens.

„Datscha-Sklaverei“: Kein Einzelfall

Das Gesetz gilt für alle gleichermaßen, unabhängig von Position, Dienstgrad oder Befugnissen.
Ruslan Krawtschenko, Generalstaatsanwalt der Ukraine

Der Skandal reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle ein, die in der ukrainischen Öffentlichkeit als „Datscha-Sklaverei“ (datschne rabstwo) bekannt geworden sind. Bereits 2023 wurde ein stellvertretender Bataillonskommandeur aus der Region Odessa verurteilt, weil er Soldaten fast ein Jahr lang zum Bau seines Privathauses einsetzte.

Dem Staat entstand damals ein Schaden von über zwei Millionen Hrywnja (rund 50.000 Euro). Auch in jenem Fall wurden die Soldaten während ihrer Bauarbeit regulär aus der Staatskasse entlohnt, was den Vorwurf der Unterschlagung unterstreicht.

Die verfahrensrechtliche Leitung im aktuellen Fall liegt bei der spezialisierten Militärstaatsanwaltschaft der Südregion. Der Major wurde festgenommen und muss sich nun vor Gericht verantworten. Ob er die Höchststrafe von zwölf Jahren erhält, wird das Verfahren zeigen – die Staatsanwaltschaft hat bereits deutlich gemacht, dass sie kein Pardon kennt.