Die nächste Preiserhöhung für das Deutschlandticket zeichnet sich ab: Wie der Focus unter Berufung auf Vorab-Berechnungen des Fachdienstes Tagesspiegel Background meldet, könnte der monatliche Abopreis ab Januar 2027 auf 66,40 Euro steigen. Das wären 3,40 Euro mehr als die aktuell geltenden 63 Euro.
Anders als bei den bisherigen Erhöhungen wird der künftige Preis nicht mehr politisch ausgehandelt, sondern automatisch über einen Preisindex ermittelt. Diesen hatten die Verkehrsminister der Länder auf ihrer Konferenz im Frühjahr 2026 in Lindau beschlossen. Er setzt sich zu 55 Prozent aus Personalkosten, 20 Prozent Energiekosten und 25 Prozent allgemeinen Kosten sowie einem Wertfaktor zusammen.
„Wir wollen bis Ende September den Preis für 2027 bekannt geben können.“
Indexmodell beendet politischen Preispoker
Damit endet ein jahrelanger Streit zwischen Bund und Ländern über die Finanzierung des Tickets. Die Zuschüsse von Bund und Ländern sind bei jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr gedeckelt. Der Index soll die Inflation abbilden, ohne „zu absurden Erhöhungen“ zu führen, so der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann. Schon im Januar 2026 hatte er gesagt: „Ich bin der Auffassung, dass wir die Preise weiterhin erhöhen müssen.“
Dennoch fällt die jetzt prognostizierte Steigerung von rund 5,4 Prozent geringer aus als die vorherige Anhebung von 58 auf 63 Euro (plus 8,6 Prozent). Ab 2028 könnte zudem ein Dämpfungsfaktor greifen, falls mehr Tickets verkauft werden. Aktuell nutzen mehr als 14 Millionen Menschen das Abo.
Heftige Kritik von VCD und Linkspartei
Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert angesichts der avisierten Preiserhöhung ein bundesweites Sozialticket für maximal 29 Euro. „63 Euro sind schon heute für viele Menschen zu viel Geld“, teilte der Verband mit. Zudem verlangt der VCD zusätzlich je 400 Millionen Euro von Bund und Ländern ab 2027, um den Preis zu stabilisieren. VCD-Vorsitzender Matthias Kurzeck warnte: „Mit jeder Preiserhöhung verliert das Deutschlandticket an Attraktivität.“
Scharfe Worte kommen auch von Co-Parteichef Luigi Pantisano von der Linken. Gegenüber der Frankfurter Rundschau nannte er die absehbare Erhöhung eine Zumutung.
„Das ist doch eine riesige Schweinerei. Alles wird teurer, und ausgerechnet bei der Mobilität sollen die Menschen schon wieder draufzahlen.“
Pantisano forderte eine Rückkehr zum 9-Euro-Ticket und eine bundesweite Preisgarantie. Die Bundesregierung unter Kanzler Merz hält hingegen an der Preisgleitklausel fest. Das Ticket soll laut Koalitionsvertrag bis mindestens 2030 fortgeführt werden, jedoch mit kontinuierlichen Erhöhungen.
So entwickelte sich der Preis
Preishistorie Deutschlandticket
- Mai 202349 Euro
Einführung des Deutschlandtickets als dauerhaftes Nachfolgeangebot des 9-Euro-Sommertickets.
- Januar 202558 Euro
Erste Preiserhöhung um 18,4 Prozent.
- Januar 202663 Euro
Zweite Anhebung um 8,6 Prozent.
- Januar 2027 (Prognose)66,40 Euro
Laut Tagesspiegel-Berechnungen steigt der Preis um 5,4 Prozent.
Sonderkonferenz am 7. August – Ticket nicht in Gefahr
Für den 7. August ist eine Sonder-Verkehrsministerkonferenz angesetzt. Im Mittelpunkt stehen eigentlich die steigenden Trassenpreise im Regionalverkehr. Brandenburgs Ressortchef Robert Crumbach (SPD) drängt darauf, mit Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) über die Finanzierung zu sprechen. Ein Wegfall des Deutschlandtickets zeichnet sich aktuell jedoch nicht ab.
Die offizielle Preisfestlegung für 2027 muss bis spätestens 30. September 2026 erfolgen. Ob es bei den 66,40 Euro bleibt oder der Betrag noch nach unten oder oben korrigiert wird, wird von der weiteren Kostenentwicklung abhängen.
