Exxon-Chef: Spritpreise bleiben hoch – egal was Rohöl kostet
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Energiekrise

Exxon-Chef: Spritpreise bleiben hoch – egal was Rohöl kostet

Wer auf fallende Spritpreise hofft, nur weil Rohöl billiger wird, denkt falsch. ExxonMobil-Chef Darren Woods erklärt die Entkopplung – und warnt vor einer langen Durststrecke.

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Die Hoffnung vieler Autofahrer klingt simpel: Fällt der Rohölpreis, wird auch der Sprit billiger. Doch wer darauf setzt, rechnet ohne die globale Raffineriekrise. Denn was an den Zapfsäulen ankommt, hängt längst nicht mehr am Barrel-Preis – sondern daran, wie viel Rohöl überhaupt noch zu Benzin und Diesel verarbeitet werden kann.

Diese bittere Wahrheit sprach jetzt ExxonMobil-Chef Darren Woods glasklar aus. In der CNBC-Sendung „Squawk Box“ erklärte er am 31. Juli 2026, warum die Spritpreise hoch bleiben – selbst wenn Rohöl zeitweise unter 90 Dollar fällt. „Ich würde dafür kurzfristig nicht die Luft anhalten“, sagte er laut Yahoo Finance auf die Frage, ob die Preise bald sinken.

Denn der Treiber der Zapfsäulenpreise ist nicht mehr der Rohölmarkt, sondern das Angebot an fertigen Kraftstoffen. „Die Preise an der Zapfsäule werden durch Angebot und Nachfrage nach raffinierten Erdölprodukten bestimmt, nicht durch Rohöl“, stellte Woods klar. Der Grund: Weltweit fehlt es an Raffineriekapazität – und zwar in einem historischen Ausmaß.

Drei Krisenherde legen die Raffinerien lahm

Woods bezifferte den Ausfall durch die Sperrung der Straße von Hormus auf rund drei Millionen Barrel pro Tag. Seit dem US-geführten Angriff auf den Iran im Februar 2026 ist die Meerenge für Öltanker faktisch blockiert. Hinzu kommen die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien: Allein im Juli gab es 20 Attacken – ein Rekord. Russland verlängerte daraufhin sein Exportverbot für Diesel und andere Destillate bis Januar 2027. In Moskau wird Benzin bereits rationiert.

Und dann ist da noch China, das raffinierte Produkte gezielt zurückhält. All diese Unterbrechungen summieren sich auf mindestens fünf Millionen Barrel fehlende Raffineriekapazität pro Tag – fast zehn Prozent der weltweiten Kapazität. „All diese Versorgung ist unterbrochen, und ehrlich gesagt sind wir weit unter der verfügbaren Kapazität, die ich je gesehen habe. Es wird die Industrie eine Weile kosten, aus diesem Loch herauszukommen“, warnte Woods.

Die Preise an der Zapfsäule werden durch Angebot und Nachfrage nach raffinierten Erdölprodukten bestimmt, nicht durch Rohöl.
Darren Woods, Chairman & CEO ExxonMobil

In den USA arbeiten die Raffinerien derzeit mit 97 Prozent Auslastung – nahe der technischen Obergrenze. Reserven für ungeplante Ausfälle gibt es keine. Hinzu kommt, dass viele Anlagen ihre Produktion zunehmend auf das stark nachgefragte Kerosin ausrichten, was die Kapazität für Benzin und Diesel weiter verknappt.

Deutsche Autofahrer zahlen 2,10 Euro – und der Tankrabatt ist Geschichte

In Deutschland zeigt sich die Misere an den Zapfsäulen besonders schmerzhaft. Im Juli kostete Super E10 im Schnitt 2,099 Euro je Liter – 42,5 Cent mehr als ein Jahr zuvor. Diesel verteuerte sich noch drastischer: Mit 2,097 Euro lag der Preis 48 Cent über dem Juli 2025. Dass zum 1. Juli 2026 zudem eine befristete Steuersenkung auslief, trieb die Belastung noch einmal um rund 17 Cent in die Höhe.

Paradox: Ende Juli gab der Brent-Preis deutlich nach – die Tankstellenpreise jedoch kaum. Diesel wurde wochenweise sogar teurer. Der ADAC forderte bereits das Bundeskartellamt auf, die Raffinerie- und Großhandelspreise zu untersuchen.

Auch in den USA ist der Schmerz groß. Anfang August kostete die Gallone Benzin rund 4,10 Dollar – fast ein Dollar mehr als vor dem Iran-Konflikt, als der Preis noch unter drei Dollar lag. Und das, obwohl der US-Rohölpreis WTI von über 125 Dollar im Frühjahr auf unter 90 Dollar gefallen war.

Exxon profitiert – und Trump tobt

Der Kapazitätsengpass spült den integrierten Ölkonzernen derweil Rekordgewinne in die Kassen. ExxonMobil meldete für das zweite Quartal 2026 einen Gewinn von 14,5 Milliarden Dollar – mehr als eine Verdopplung zum Vorjahreszeitraum. 9,4 Milliarden Dollar flossen an die Aktionäre zurück, darunter 5,1 Milliarden für Aktienrückkäufe.

Das brachte US-Präsident Donald Trump in Rage. Am 4. August attackierte er Exxon und Chevron scharf, nannte die Gewinne „too much money“ und forderte, die Konzerne müssten die Preise senken und Geld an die Verbraucher zurückgeben. Trump hatte bereits im Juni das Justizministerium angewiesen, die Ölkonzerne zu untersuchen – ohne Erfolg. Das American Petroleum Institute wies die Kritik zurück: Kein einzelnes Unternehmen sei für die Preise verantwortlich, entscheidend seien globales Angebot und die Unsicherheit um Hormus.

Chevron-Chef Mike Wirth konterte Trumps Attacke mit einem eigenen Vorwurf: Der Präsident habe die Politik seiner Regierung in der Bilanz nicht gewürdigt.

Zwei Bedingungen für sinkende Preise – beide nicht in Sicht

Wann also entspannt sich die Lage? Woods nannte zwei Voraussetzungen: Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus und die Wiederaufnahme der Produktlieferungen durch die Meerenge sowie erhöhte Exporte raffinierter Produkte aus China. Beides sei kurzfristig nicht in Sicht.

Selbst bei einem Waffenstillstand würden Marktteilnehmer nur zögerlich wieder durch Hormus schippern – die anhaltende Unsicherheit durch wechselseitige Angriffe untergrabe das Vertrauen. Branchenanalysten schätzen, dass eine vollständige Normalisierung der Ölströme aus dem Golf vier bis sechs Monate nach einem dauerhaften Waffenstillstand dauern würde. Ein Basisszenario reicht frühestens bis Anfang 2027.

Bis dahin bleiben die Zapfsäulenpreise wohl da, wo sie sind – egal, was das Barrel Rohöl kostet. „Diese Raffinerie-Herausforderung wird die Welt noch eine Weile begleiten.“