Nur ein defekter Zünder hat in der Nacht zum 5. August 2026 eine Explosion am Flughafen Leipzig/Halle verhindert. Ein Mitarbeiter entdeckte gegen 23:40 Uhr auf der Südpiste eine Quadrokopter-Drohne, an der ein Paket mit hochexplosivem Sprengstoff befestigt war.
Die Drohne befand sich in unmittelbarer Nähe von vier ukrainischen Transportmaschinen des Typs Antonow AN-124, wie der MDR berichtet. Das ukrainische Unternehmen Antonov Airlines hat seit dem russischen Angriffskrieg seine Basis von Kiew-Hostomel nach Leipzig verlegt und betreibt dort sechs Maschinen.
Wie der Tagesspiegel und weitere Medien berichten, enthielt das Paket die hochexplosiven Plastiksprengstoffe PETN und Semtex – Substanzen, die auch militärisch genutzt werden. Ein erster Test auf Nitrate war positiv. Spezialisten der Bundespolizei rückten mit einem Sprengstoffroboter an und entfernten den defekten Zünder der als „unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung“ (USBV) eingestuften Bombe.
Parallel zum Drohnenfund kam es zu einem zweiten sicherheitsrelevanten Vorfall: Ein Frachtflugzeug des Logistikers DHL, das wegen der plötzlichen Sperrung der Landebahn durchstarten musste, kollidierte etwa sechs Kilometer vom Flughafen entfernt in rund 400 Metern Höhe mit einem „mutmaßlich zweiten unbekannten Flugobjekt“, so die ZEIT. Die Maschine landete sicher auf dem Ausweichflughafen Hannover. Ob ein Zusammenhang besteht, ist unklar.
Die Nacht des 4. August 2026
- 23:40 UhrDrohne mit Sprengsatz entdeckt
Ein Flughafenmitarbeiter findet auf der Südpiste nahe vier ukrainischen Antonow-Flugzeugen eine Quadrokopter-Drohne mit angebrachtem Paket.
- kurz nach MitternachtFlugbetrieb eingestellt, Kollision
Der gesamte Flughafen wird gesperrt. Eine durchstartende DHL-Maschine kollidiert in 400 m Höhe mit einem unbekannten Flugobjekt und fliegt nach Hannover weiter.
- 01:55 UhrNordpiste wieder frei
Die nördliche Start- und Landebahn wird wieder freigegeben, der Passagierverkehr läuft normal. Die Südpiste bleibt gesperrt.
- früher MorgenSprengsatz entschärft
Spezialisten der Bundespolizei entschärfen die Bombe mit einem Roboter und entfernen den defekten Zünder.
- VormittagSprengstoffanalyse
Tests identifizieren die hochexplosiven Stoffe Semtex und PETN. Die Polizei stuft die Drohne als USBV ein.
- tagsüberBundesinnenminister reist an
Alexander Dobrindt (CSU) unterbricht seinen Urlaub und kommt zu einer Lagebesprechung nach Leipzig.
Ermittlungen unter Hochdruck
Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) haben die Ermittlungen übernommen. Eine politische Motivation wird ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Auch das Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen und die Drohnenabwehr der Bundespolizei sind involviert.
„Es liege der Schluss nahe, dass das besagte Objekt aus der Luft auf den Boden gelangt sei.“
Das Landeskriminalamt hat ein Hinweistelefon und ein Online-Portal eingerichtet und bittet Zeugen, die sich zwischen Dienstagnachmittag und Mittwochmorgen im Bereich des Flughafens aufhielten, um Meldung.
Ukrainischer Botschafter und Experten sehen russische Spur
„Ich hoffe, dass auch all die Behörden in Deutschland jetzt die Tatsachen feststellen. Aber wer könnte es noch sein außer Russland?“
Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter nannte den Vorfall einen „versuchten Terrorakt, gesteuert von Russland“. Er forderte die Bundesregierung auf, gemäß Artikel 4 des Nordatlantikvertrags die NATO-Partner zu konsultieren.
Terrorismusexperte Hans-Jakob Schindler vom Counter Extremism Project erklärte gegenüber dem BR: „Alles deutet darauf hin, dass es sich um eine hybride Operation Russlands handeln könnte.“ Der Flughafen habe aus russischer Sicht besondere strategische Bedeutung – als DHL-Drehkreuz und wegen der dorthin verlegten ukrainischen Antonov-Flotte.
Flughafenverband fordert Drohnenabwehrsysteme
Der Flughafenverband ADV drängte die Politik zum sofortigen Handeln. Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel erklärte, Flughäfen seien sicherheitsrelevante Einrichtungen und bedürften des bestmöglichen Schutzes.
„Flughäfen sind sicherheitsrelevante Einrichtungen und bedürfen des bestmöglichen Schutzes. Drohnenabwehrsysteme müssen jetzt schnellstmöglich installiert und vollständig einsatzbereit gemacht werden.“
Aktuell warten demnach sieben deutsche Flughäfen – darunter Berlin, München, Düsseldorf und Leipzig/Halle – noch auf die vom Bundesinnenministerium zugesagte Ausstattung mit Systemen zur Detektion und Abwehr von Drohnen.
Ihre Einschätzung
Während die Ermittlungen auf Hochtouren laufen und die ersten politischen Reaktionen ausfallen, bleibt eine zentrale Frage: War es ein gezielter Sabotageakt Moskaus? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit.
