Die „Sport Bild“ veröffentlichte neue Details aus den Stasi-Unterlagen: Die DDR-Staatssicherheit überwachte Eiskunstlauf-Star Katarina Witt bis ins Schlafzimmer und hielt intimste Momente mit genauer Uhrzeit fest.
Die DDR-Staatssicherheit drang bis in die intimsten Momente des Lebens von Katarina Witt vor – und protokollierte diese mit erschreckender Präzision. Wie die Sport Bild am 4. August 2026 berichtet, findet sich in den Stasi-Unterlagen der Vermerk: „Zwischen 6 Uhr und 6.18 Uhr kam es zum Geschlechtsverkehr.“
Die Notiz ist Teil der über 3.500 Seiten starken Akte „OV Flop“, die die Stasi seit Witts Kindheit anlegte. Bereits mit sieben Jahren geriet die spätere Olympiasiegerin ins Visier des DDR-Geheimdienstes. Bis zum Ende der DDR sammelte die Stasi in 27 Aktenkästen akribisch Informationen über die Eiskunstläuferin, wie auch die ARD-Dokumentation „Katarina Witt – Weltstar aus der DDR“ (MDR) dokumentierte.
„Bis unter die Bettkante“ – die minutiöse Überwachung
Sportkommentator Daniel Weiss beschrieb das Vorgehen der Stasi mit den Worten, Witt sei „bis unter die Bettkante verfolgt“ worden. Der konkrete Vermerk über den morgendlichen Geschlechtsverkehr zeigt, wie weit die Überwachung tatsächlich ging. Unklar bleibt, wie die Stasi an diese Information gelangte – ob durch eine Wanze im Schlafzimmer oder durch Observation, geht aus den veröffentlichten Akten nicht hervor, wie die MOPO berichtet.
„Man wollte absolut sicher gehen, dass da alles mit rechten Dingen zugeht. Deswegen hat man sie bis unter die Bettkante verfolgt.“
Daniel Weiss, ARD-Sportkommentator
Zwischen Förderung und Kontrolle
Witt war das „schönste Gesicht des Sozialismus“ und eine der größten Sportikonen der DDR. Sie gewann 1984 und 1988 olympisches Gold sowie vier Weltmeistertitel. Die umfassende staatliche Förderung hatte jedoch ihren Preis: Die Stasi fürchtete, das Aushängeschild könnte sich in den Westen absetzen, und überwachte sie deshalb umso intensiver.
Rückblickend sagte die heute 60-Jährige: „Das ist schon klar, dass der Sport missbraucht wurde. Aber solange ich für mich meine besten Bedingungen habe, ist das schon auch ein Deal, auf den man sich eingelassen hat. Halb wissend, halb naiv, halb nutzend.“
US-Eiskunstläufer Brian Boitano, der mit Witt für den Film „Carmen on Ice“ vor der Kamera stand, erklärte: „Sie war geheimnisvoll, gerade weil sie aus dem Osten kam. Sie besaß diese Mischung aus Schönheit, Unergründlichkeit und Wettkampfwillen, die es in dieser Kombination wohl nie wieder geben wird.“
Staatlich verordnete Trennung
Die Stasi griff auch aktiv in Witts Privatleben ein. Ihr erster Freund, der Schlagzeuger Ingo Politz, passte den DDR-Oberen nicht. Sie zogen den damals 28-Jährigen kurzerhand zur Nationalen Volksarmee ein und wählten eine weit entfernte Kaserne – eine Trennung auf dem Verwaltungsweg.
Für Witt kam eine Flucht in den Westen trotz der Gängelung nie infrage. „Wenn ich jetzt wegbleibe, dann sehe ich meine Eltern nie wieder. Oder meine Familie, meine Freunde. Das war ein Preis, den wollte ich nie bezahlen“, sagte sie.
Chronologie der Überwachung
Die Stasi-Überwachung zog sich über fast zwei Jahrzehnte. Die wichtigsten Stationen im Überblick:
Die Überwachung der Katarina Witt
1965
Geburt in Staaken
Katarina Witt wird am 3. Dezember in Staaken (heute Falkensee) geboren.
1972
Beginn der Überwachung
Mit sieben Jahren gerät Witt ins Visier der Stasi; Anlage des Vorgangs „OV Flop“.
1984/1988
Olympiagold und Weltruhm
Witt gewinnt in Sarajevo und Calgary olympisches Gold. Die Stasi intensiviert die Überwachung aus Angst vor Republikflucht.
1992
Erste Akteneinsicht
Witt sieht erstmals ihre 3.500 Seiten starke Stasi-Akte.
2020
Öffentliche Aufarbeitung
Witt öffnet ihre Akten erneut für ARD-Dokumentationen.
4. August 2026
Neue Details veröffentlicht
Die „Sport Bild“ veröffentlicht den minutengenauen Vermerk über Witts Geschlechtsverkehr.
Ihre Meinung
Umfrage
Lädt
Katarina Witt lebt heute zurückgezogen in Berlin und Potsdam. Sie betreibt das Fitnessstudio „Kurvenstar by Katarina Witt“ und engagiert sich mit ihrer Stiftung für behinderte Kinder. Die Aufarbeitung ihrer Stasi-Vergangenheit hatte sie bereits in den 1990er-Jahren begonnen, doch der neue Aktenfund zeigt, wie tief die Einblicke des DDR-Geheimdienstes tatsächlich waren.