Radioaktive Mineralien in St. Ingbert: Polizei spricht von entartetem Hobby
Ein 24-Jähriger in St. Ingbert sammelte und bearbeitete radioaktive Mineralien in seiner Wohnung. Nach einem Hinweis schritten Behörden ein – der Mann zeigte sich kooperativ, seine Wohnung wurde versiegelt.
Ein 24-jähriger St. Ingberter sammelte und zerkleinerte radioaktive Mineralien in seiner Wohnung – und löste damit am Dienstag einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und CBRN-Spezialkräften aus. Die Josefstaler Straße, eine wichtige Verkehrsachse der Stadt, war stundenlang gesperrt.
Die Polizei hatte wenige Tage zuvor einen Hinweis aus dem Umfeld des Mannes erhalten. Wie die Saarbrücker Zeitung berichtet, bereiteten die Einsatzkräfte den Zugriff in enger Zusammenarbeit mit den Strahlenschutzbehörden und dem saarländischen Umweltministerium vor.
Chronologie des Falls
31. Juli 2026
Hinweis an die Polizei
Ein Tipp aus dem Umfeld des 24-Jährigen erreicht die Ermittler.
4. August 2026
Großeinsatz in St. Ingbert
Polizei, Feuerwehr und Strahlenschützer durchsuchen die Wohnung und weitere Gebäude. Die Wohnung wird versiegelt.
5. August 2026
Pressekonferenz im Innenministerium
Polizei und Umweltministerium informieren über Details: Der Mann ist ein Influencer, die gemessenen Strahlenwerte waren hoch.
Ein entartetes Hobby
Bei dem 24-Jährigen handelt es sich laut Polizei um einen Social-Media-Influencer, der sich für alte Grubenanlagen und Steinbrüche in ganz Europa interessiert. Er zerkleinerte und polierte die Steine, um sie zu verkaufen.
Polizeioberrat Jens Heinrich sprach auf der Pressekonferenz von einem „entarteten Hobby, das aus den Bahnen gelaufen ist“. Der Mann sei polizeilich nicht vorbestraft und habe bei der Durchsuchung kooperiert.
„Ein entartetes Hobby, das aus den Bahnen gelaufen ist.“
Jens Heinrich, Polizeioberrat
In der Wohnung fanden die Beamten zudem drei Schreckschusswaffen, die der Mann freiwillig aushändigte. Weitere Hinweise führten zu Durchsuchungen bei Angehörigen, wo ebenfalls Mineralien gefunden wurden.
„Durchaus beeindruckende Strahlendosen“
André Johann, Referatsleiter Strahlenschutz im Umweltministerium, erklärte, dass die Mineralien natürliche Radioaktivität aufwiesen und oft Uran enthielten. Beim Zerfall könne Radium und radioaktives Radongas entstehen.
Die bei der Ersteinschätzung gemessenen Strahlendosen seien „durchaus beeindruckend“ gewesen. Sie könnten die übliche jährliche Belastung von durchschnittlich 2,1 Millisievert überschreiten, so Johann.
„Dann ist der Besitz nicht mehr einfach so zulässig.“
André Johann, Referatsleiter Strahlenschutz
Rechtlich ist der Besitz radioaktiver Mineralien nicht grundsätzlich verboten. Allerdings können die Behörden einschreiten, wenn jemand enorme Mengen hortet und dadurch eine Strahlenüberdosis riskiert.
Keine Gefahr für die Bevölkerung
Die Behörden betonten, dass zu keiner Zeit eine Gefahr für die Allgemeinheit bestand. Die Gesundheitsgefahr beschränkte sich auf den 24-Jährigen selbst und seine engsten Kontaktpersonen, vor allem durch radioaktiven Staub beim Bearbeiten der Steine.
Ob ein Ordnungswidrigkeiten- oder Strafverfahren eingeleitet wird, prüft nun das Landesumweltamt. Die Mineralien werden in der Landessammelstelle zwischengelagert und können bei Bedarf von Fachfirmen aufbereitet werden.