AfD-Kandidat erfand Angriff: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Michael Maurer
Fünf Monate nach einem Gerangel an einem AfD-Wahlkampfstand in Rosenheim hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen drei Linke eingestellt. Stattdessen wird nun gegen Ex-Bürgermeisterkandidat Michael Maurer wegen falscher Verdächtigung ermittelt. Videoaufnahmen belegen, dass es keinen linken Angriff gab.
Über fünf Monate nach einem Gerangel an einem AfD-Wahlkampfstand in Rosenheim hat die Staatsanwaltschaft Traunstein eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen: Die Ermittlungen gegen drei Personen aus der linken Szene wurden eingestellt – stattdessen richtet sich der Tatverdacht nun gegen den Mann, der sich selbst als Opfer dargestellt hatte, wie t-online berichtet.
Michael Maurer, der damalige AfD-Bürgermeisterkandidat der Gemeinde Rott am Inn, hatte nach dem Vorfall am 28. Februar 2026 Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet und von Tritten am Boden berichtet. Jetzt wird gegen ihn wegen falscher Verdächtigung ermittelt.
Chronologie des Falls
28.02.2026
Gerangel am Wahlkampfstand
Am AfD-Stand in Rosenheim greift Landtagsabgeordneter Andreas Winhart nach einem Banner von Linken. Michael Maurer stürzt ohne Fremdeinwirkung.
28.02.2026
Maurer stellt Strafanzeige
Er gibt an, getreten worden zu sein, und zeigt drei Personen an.
01.03.2026
Video widerlegt Angriff
Aufnahmen zeigen, dass Maurer stürzte, ohne geschlagen oder getreten zu werden. AfD-Bundespolitiker verbreiten dennoch die Angriffsdarstellung.
02.03.2026
Maurer rudert zurück
Er kündigt an, die Anzeige zurückzuziehen, hält dann aber doch daran fest.
04.08.2026
Ermittlungswende
Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Linke ein, leitet Verfahren gegen Maurer ein.
05.08.2026
Öffentliche Bekanntgabe
Die Entscheidung wird bekannt. Maurer und Winhart schweigen.
So schilderten AfD-Politiker den Vorfall
Unmittelbar nach dem Sturz verbreitete Andreas Winhart ein Foto des am Boden liegenden Maurer und sprach von einem Angriff „ortsbekannter Linksextremisten“. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Götz Frömming teilte einen ersten Medienbericht und fragte auf X:
„WO BLEIBT DER AUFSCHREI?“
Götz Frömming, AfD-Bundestagsabgeordneter, auf X, 01.03.2026
Die Europaabgeordnete Mary Khan beklagte, die „Tagesschau“ schweige und warf Medien vor, linke Gewalt kleinzureden. Dabei war es bei Anti-AfD-Protesten tatsächlich zu gewaltsamen Übergriffen auf Journalisten gekommen. Im Fall Maurer zeigte sich jedoch ein anderes Bild: Ein Video, das kurze Zeit später auftauchte, belegte, dass Winhart zuerst nach dem Stoff griff und Maurer ohne Zutun Dritter nach vorn fiel.
Staatsanwaltschaft: „Keine aktive Einwirkung“
Die Kriminalpolizei Rosenheim überprüfte das Video auf Manipulationen. „Anhaltspunkte dafür, dass eine inhaltliche Manipulation erfolgte oder einzelne Szenen herausgeschnitten wurden, fanden sich nicht“, erklärte Sprecher Rainer Vietze. Zwei unbeteiligte Zeuginnen bestätigten den Ablauf.
„Eine aktive Einwirkung auf den Kandidaten durch eine andere Person ist nicht festzustellen.“
Sprecherin der Staatsanwaltschaft Traunstein
Daraufhin stellte die Behörde das Verfahren gegen die drei jungen Männer nach § 170 Abs. 2 StPO ein und sperrte deren Daten wegen erwiesener Unschuld. Gleichzeitig leitete sie ein neues Ermittlungsverfahren gegen Michael Maurer ein: Es bestehe ein Anfangsverdacht der falschen Verdächtigung nach § 164 StGB.
Maurer selbst hatte zunächst angekündigt, seinen Strafantrag zurückzunehmen, dann aber daran festgehalten. Der Staatsanwaltschaft zufolge könnte es möglich erscheinen, dass er eine verfolgbare Straftat begangen hat. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
AfD-Politiker schweigen nach Bekanntgabe
Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur wollte sich Michael Maurer nicht inhaltlich äußern. Er kenne die konkreten Vorwürfe nicht und wolle die Sache „auf sich beruhen lassen“. Andreas Winhart war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.
Bei der Bürgermeisterwahl in Rott am Inn erhielt Maurer lediglich 129 Stimmen (5,7 Prozent). Gewählt wurde Daniel Wendrock mit überwältigenden 94,3 Prozent. Das Verfahren gegen Maurer steht noch am Anfang. Die Staatsanwaltschaft wird die Ergebnisse sorgfältig prüfen.