Drogen im Blut: CDU-Abgeordneter Bareiß tritt von Parteiämtern zurück
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Drogen im Blut: CDU-Abgeordneter Bareiß tritt von Parteiämtern zurück

Nach einem schweren Unfall auf der B27 wurde bei CDU-Bundestagsabgeordnetem Thomas Bareiß synthetische Drogen im Blut gefunden. Bareiß trat daraufhin von seinen Parteiämtern zurück, entschuldigte sich und kündigte eine gesundheitliche Auszeit an.

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Es ist ein schwerer Verkehrsunfall mit politischen Folgen: Am 12. Juli 2026 überschlug sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß mit seinem Wagen auf der B27 zwischen Hechingen und Balingen. Er und drei weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Doch das war nicht die einzige Erschütterung – eine Blutanalyse brachte synthetische Drogen zutage.

Bareiß war auf der linken Spur unterwegs, als er mit einem Fahrzeug auf der rechten Spur kollidierte. Sein Wagen überschlug sich, die Feuerwehr musste ihn aus dem Wrack befreien. Ein Rettungshubschrauber brachte den 51-Jährigen in eine Klinik. Auch die drei Insassen des anderen Autos – ein 50-jähriger Fahrer und zwei Frauen im Alter von 40 und 47 Jahren – kamen verletzt ins Krankenhaus.

Ich habe noch das Bild im Hinterkopf, wie ich kopfüber den Feuerwehrmann sehe, der mich aus dem Auto rausgezogen hat
Thomas Bareiß, CDU-Bundestagsabgeordneter

Ermittlungen und Führerscheinentzug

Am 31. Juli gab die Staatsanwaltschaft Hechingen bekannt, dass sie ein Ermittlungsverfahren gegen den Abgeordneten eingeleitet hatte. Zuvor war seine Immunität nach Artikel 46 des Grundgesetzes aufgehoben worden. Der Vorwurf: fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässige Körperverletzung.

Die Blutprobe hatte ergeben, dass Bareiß unter dem Einfluss eines synthetischen Betäubungsmittels stand. Alkohol war nicht im Spiel. Die Substanz, die in „relevanter Menge“ nachgewiesen wurde, unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz und stehe „nicht im Zusammenhang mit der Einnahme eines Medikamentes“, wie die Behörde der Tagesschau mitteilte. Um welche konkrete Droge es sich handelt, blieb geheim. Am 3. August stellten Polizisten Bareiß' Führerschein sicher.

Rücktritt und Entschuldigung

Am 5. August 2026 veröffentlichte Bareiß über seinen Anwalt eine persönliche Erklärung, die die Schwäbische Zeitung im Wortlaut wiedergab. Darin hieß es: ‚Ich habe in der vergangenen Zeit Entscheidungen getroffen, die ich sehr bereue und die die an mich zu Recht gestellten Ansprüche nicht erfüllen. Hierfür bitte ich vielmals um Entschuldigung.‘ Er kündigte an, die Sommerpause des Bundestages für eine gesundheitliche Auszeit zu nutzen. Sein Amt als Bezirksvorsitzender der CDU Württemberg-Hohenzollern werde er ruhen lassen und zur Wiederwahl nicht erneut antreten.

Ich habe in der vergangenen Zeit Entscheidungen getroffen, die ich sehr bereue und die die an mich zu Recht gestellten Ansprüche nicht erfüllen. Hierfür bitte ich vielmals um Entschuldigung.
Thomas Bareiß, CDU-Bundestagsabgeordneter

Die drei stellvertretenden Bezirksvorsitzenden Katharina Burger, Manuel Hailfinger und Norbert Lins bezeichneten den Schritt als „folgerichtig“ und sprachen von „Respekt“. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Müller (Wahlkreis Ravensburg) nannte den Schritt ebenfalls „folgerichtig“, fügte aber hinzu: „Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wiegt das umso schwerer, weil Thomas Bareiß sich in der Vergangenheit öffentlich gegen jede Art des Drogenkonsums ausgesprochen hat.“

Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wiegt das umso schwerer, weil Thomas Bareiß sich in der Vergangenheit öffentlich gegen jede Art des Drogenkonsums ausgesprochen hat.
Axel Müller, CDU-Bundestagsabgeordneter (Wahlkreis Ravensburg)

Doppelmoral

In der Tat profilierte sich Bareiß jahrelang als entschiedener Gegner jeder Drogenliberalisierung. Im April 2024 sagte er der Funke Mediengruppe mit Blick auf die Cannabis-Teillegalisierung: „Konsum und Verkehrssicherheit seien schwer unter einen Hut zu bekommen.“ Nun steht er selbst unter Verdacht, unter Drogeneinfluss einen Unfall mit drei Verletzten verursacht zu haben.

Konsum und Verkehrssicherheit seien schwer unter einen Hut zu bekommen.
Thomas Bareiß, CDU-Bundestagsabgeordneter (April 2024)

Die Junge Union Zollernalb forderte Bareiß auf, auch sein Bundestagsmandat niederzulegen. „Thomas Bareiß hätte in seiner Erklärung persönlich Größe beweisen und auch sein Bundestagsmandat niederlegen müssen“, hieß es. Die JU zeigte sich von ihrem langjährigen Vorsitzenden „zutiefst enttäuscht“.

Chronologie der Ereignisse

Chronologie

  1. April 2024
    Bareiß warnt vor Cannabis und Verkehr

    Thomas Bareiß erklärt gegenüber der Funke Mediengruppe, Konsum und Verkehrssicherheit seien schwer vereinbar.

  2. 12. Juli 2026
    Schwerer Unfall auf der B27

    Bareiß' Wagen kollidiert und überschlägt sich; vier Personen werden verletzt.

  3. 31. Juli 2026
    Staatsanwaltschaft leitet Verfahren ein

    Nach Aufhebung der Immunität wird wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und Körperverletzung ermittelt.

  4. 3. August 2026
    Führerschein sichergestellt

    Polizei nimmt Bareiß den Führerschein ab.

  5. 5. August 2026
    Bareiß tritt zurück

    Bareiß entschuldigt sich, kündigt Auszeit an und gibt CDU-Bezirksvorsitz auf.

Offene Fragen

Welche synthetische Droge konkret in Bareiß' Blut nachgewiesen wurde, ist weiter unklar. Offen ist auch, ob der Abgeordnete nach der Sommerpause in den Bundestag zurückkehrt oder weitere Konsequenzen zieht. Die Junge Union Zollernalb hat angekündigt, ihre Rücktrittsforderung „auch über die Auszeit hinaus mit allem Nachdruck“ zu bekräftigen.

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