17 Zivilisten starben in der Nacht zum 5. August bei einem massiven russischen Raketenangriff auf Kyjiw und das Umland. Unter den zerstörten Objekten war das zentrale Produktlager des deutschen Schmierstoffherstellers Liqui Moly. Auch Logistikzentren von Puma und Toyota wurden getroffen.
Die ukrainische Luftabwehr konnte keine der 24 abgefeuerten ballistischen Raketen abfangen. Vier Marschflugkörper und 115 Drohnen, viele davon strahlgetrieben, schlugen in der Hauptstadtregion ein. Schon im Juni hatte Selenskyj nach einem ähnlichen Angriff Vergeltung angekündigt.
Liqui Moly: Zentrallager brennt vollständig aus
Das Unternehmen aus Ulm, das Motorenöle und Additive ausschließlich in Deutschland produziert, unterhält in Kyjiw ein Lager seines einzigen ukrainischen Exklusivpartners. In der Nacht fing es Feuer und brannte komplett nieder. Der Schaden liegt nach ersten Schätzungen im niedrigen Millionen-Euro-Bereich, wie Unternehmenssprecher der Augsburger Allgemeinen bestätigten.
„Liebe Kunden! Heute Abend wurde unser zentrales Produktlager in der Ukraine infolge eines feindlichen Angriffs durch einen Brand zerstört.“
Das Unternehmen betonte, alle Mitarbeiter seien unverletzt geblieben. Die Belieferung des ukrainischen Marktes sei vorerst ausgesetzt, alternative Logistikrouten würden aufgebaut. „Wir werden eine Lösung finden“, sagte ein Sprecher.
Weitere Unternehmen massiv getroffen
Neben Liqui Moly traf es auch andere deutsche und internationale Marken. Das Logistikzentrum von Puma wurde nach Unternehmensangaben komplett zerstört, Engpässe bei bestimmten Produkten seien in den kommenden Wochen möglich. Ein Ersatzteillager von Toyota Ukraine fiel den Flammen zum Opfer; der Autobauer will alternative Wege nutzen, warnt aber vor Lieferverzögerungen.
Für die ukrainische Handelskette Epicentr wurde der Angriff zur tödlichen Katastrophe: Ein Mitarbeiter starb, drei weitere wurden verletzt. Die Geschäftsleitung erklärte, russische Raketen hätten „in Minuten zerstört, was das Unternehmen über Jahrzehnte aufgebaut hat“. Auch der Onlinehändler Rozetka, die Fozzy Group und der Paketdienst Nova Poshta erlitten Schäden.
Selenskyj: Patriot-Mangel kostet Leben
Präsident Wolodymyr Selenskyj machte den dramatischen Rückgang der Patriot-Abfangraketen-Lieferungen für die Todesopfer verantwortlich. „Abfangraketen für ballistische Raketen hätten das Leben der heute Getöteten retten können“, sagte er. Die Lieferungen seien im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zu 2025 um das Dreifache gesunken. Die USA haben einen großen Teil ihrer Reserven im fünfmonatigen Krieg mit dem Iran verbraucht.
Die EU kündigte unterdessen an, 1,4 Milliarden Euro aus Zinserträgen eingefrorener russischer Vermögenswerte für die Ukraine bereitzustellen. „Russland muss für die Zerstörung zahlen, die es verursacht hat“, schrieb Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf X.
Ukrainische Drohnen treffen Russland
Parallel zum Raketenangriff führte die Ukraine ihrerseits massive Drohnenangriffe auf russisches Territorium durch. Nach russischen Angaben wurden 475 ukrainische Drohnen über 16 Regionen abgeschossen. Getroffen wurde ein Sortierzentrum von Wildberries, Russlands größtem Onlinehändler, in der Stadt Aleksin. Es ist nicht der erste massive Drohnenangriff der Ukraine in diesem Sommer.
Chronologie der nächtlichen Angriffe
Zeitleiste der Angriffe auf Kyjiw am 5. August 2026
- 00:30 UhrLuftalarm in Kyjiw
Heulen der Sirenen; Warnung vor anfliegenden ballistischen Raketen.
- 00:30 – 02:30 UhrMassiver Beschuss
24 ballistische Raketen, vier Marschflugkörper und 115 Drohnen schlagen in Kyjiw und Umgebung ein.
- NachtLiqui-Moly-Lager zerstört
Das Zentrallager des deutschen Unternehmens brennt vollständig aus; weitere Logistikzentren von Puma, Toyota und anderen werden getroffen.
- 05.08.202617 Tote, 44 Verletzte
Selenskyj verurteilt die Angriffe und fordert mehr Abwehrsysteme.
- 05.08.2026Liqui Moly stoppt Bestellungen
Das Unternehmen kündigt Aufbau alternativer Logistikrouten an.
- 06.08.2026Trauertag in der Region Kyjiw
Offizielle Trauer für die Opfer; internationale Reaktionen und Hilfszusagen.
