Halb nackt vor dem Agenten, der mit dem Maßband anrückt – und dann der Satz: „Deine Hüften sind zu breit, Honey.“ Model Toni Garrn (34) hat diese Demütigung unzählige Male erlebt. Im Interview mit der „Zeit“ spricht sie erstmals ausführlich darüber.
„Die Situation war immer scheiße“, sagt Garrn. Sie stand da, halb nackt, es wurde gemessen, kommentiert. Dass sie mit 1,81 Meter größer als der Durchschnitt ist und ihre Hüften folglich breiter, interessierte niemanden.
Die Trotzreaktion: Eis und Messverweigerung
Statt sich von der Kritik unterkriegen zu lassen, reagierte Garrn auf ihre Weise. „Meistens habe ich mir nach diesen Terminen in der Agentur ein Eis gekauft“, sagte sie der Zeit. Nach etwa anderthalb Jahren ging sie einen Schritt weiter: „Ich habe mich geweigert, vermessen zu werden.“
Dass sie sich das leisten konnte, lag auch an ihrer privilegierten Situation. „Ich musste kein Geld verdienen. Ich hätte jederzeit aufhören können, um zu studieren, und wäre finanziell von meinen Eltern unterstützt worden. Für mich war das nur Spaß.“ Weil sie früh einen Namen in der Branche hatte, war sie nicht auf jeden Job angewiesen.
Früh entdeckt: Mit 13 beim WM-Fanfest
Entdeckt wurde Garrn 2006 mit nur 13 Jahren bei einem Fanfest zur Fußball-WM am Hamburger Jungfernstieg. Schon mit 15 flog sie regelmäßig allein nach New York, um dort Modelaufträge wahrzunehmen – am Wochenende, damit sie unter der Woche zur Schule konnte.
Toni Garrns Karriere-Stationen
- 2006Entdeckt mit 13 beim WM-Fanfest
Am Hamburger Jungfernstieg wird Toni Garrn von einer Modelagentur entdeckt.
- 2009Erster großer Laufsteg-Auftritt
Sie läuft für den Designer Kilian Kerner.
- 2013 – 2014Beziehung mit Leonardo DiCaprio
Das Model ist mit dem Hollywood-Star liiert.
- 2021Geburt ihrer Tochter
Garrn wird alleinerziehende Mutter.
- August 2026Zeit-Interview über Bodyshaming
Sie spricht erstmals öffentlich über die Demütigungen bei Castings.
Seit dem 14. Lebensjahr: Kuchen nur in der Wunschvorstellung
Trotz ihrer trotzigen Haltung gibt Garrn zu, dass der Druck auf das Gewicht nie ganz weicht. „Ein bisschen Belastung, was das Gewicht angeht, ist bei jedem Model da“, sagt sie. Seit sie 14 ist, kann sie nicht mehr essen, was sie will. Ihre Wunschvorstellung: jeden Tag Kuchen. Die Realität: strenge Diät.
Sport ist dafür ein fester Teil ihres Lebens. „Sport ist für mich wie atmen“, erklärte sie. Dabei hat sie ein zweischneidiges Verhältnis zu ihrem Körper: „Ich kann ziemlich schnell in Form kommen, nehme aber auch schnell zu. Das ist meine größte Achillesferse und meine größte Superpower.“
Ratschlag an die eigene Tochter
Garrn ist heute alleinerziehende Mutter einer fünfjährigen Tochter. Auf die Frage, was sie ihrem Kind in einer ähnlichen Situation raten würde, wird sie deutlich: „Würde meine Tochter so was erleben, würde ich ihr sagen: Ignoriere 90 Prozent von dem Kram.“
„Würde meine Tochter so was erleben, würde ich ihr sagen: Ignoriere 90 Prozent von dem Kram.“
Heute modelt Garrn weiter, lebt in Berlin und engagiert sich mit ihrer eigenen Stiftung für Bildungsprojekte. Ihren eigenen Weg hat sie längst gefunden – mit Trotz, einem Eis und der Weigerung, sich verbiegen zu lassen.
