Teuteberg: Ostidentität wurde nachträglich erfunden
Kurz vor dem 65. Jahrestag des Mauerbaus sorgt FDP-Vizechefin Linda Teuteberg mit scharfen Thesen zur Ostidentität für Wirbel. Sie wirft AfD und der Linken „Ressentimentpolitik“ vor und erklärt das Ost-West-Gefälle zum politischen Geschäftsmodell.
Sechs Tage vor dem 65. Jahrestag des Mauerbaus hat die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Linda Teuteberg eine scharfe Debatte über die angebliche politische Ausbeutung der Ost-West-Unterschiede ausgelöst. Ihre Kernbotschaft: Die vielbeschworene „Ostidentität“ sei eine nachträgliche Erfindung – sie werde von AfD und der politischen Linken als Geschäftsmodell missbraucht.
Die in Brandenburg aufgewachsene und von 2017 bis 2025 für die FDP im Bundestag sitzende Politikerin sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Es gibt eine Ressentimentpolitik, ursprünglich von der PDS als vermeintlich einziger Anwältin der Ostdeutschen in den 1990er Jahren und heute auch von der AfD.“ Wie die Bild berichtete, sorgt Teutebergs These für Wirbel.
Der Vorwurf: Die politischen Ränder betrieben eine gezielte „Ressentimentpolitik“, um die Menschen im Osten gegeneinander aufzuhetzen. Teuteberg stützt ihre Behauptung auf das historische Selbstverständnis der DDR-Bürger: „Vor der Vereinigung haben sich nämlich Ostdeutsche meist als Deutsche im geteilten Deutschland verstanden und hielten am Zusammengehören fest.“
Keine historische Grundlage
Die heute oft betonte Trennung zwischen „Ossis“ und „Wessis“ sei demnach keine authentische Erfahrung, sondern eine nach der Wiedervereinigung konstruierte Identität. Teuteberg spricht wörtlich von einer „nachträglich erfundenen“ Ostidentität.
„Die Ostidentität wurde nachträglich erfunden.“
Linda Teuteberg, stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende
Dabei räumt Teuteberg ein, dass die jahrzehntelange Teilung reale Spuren hinterlassen habe: „40 Jahre Teilung brauchen nach menschlichem Ermessen auch 40 Jahre der Heilung.“
Politisches Geschäftsmodell Teilung
Die eigentliche Frage sei jedoch, wer heute noch von der Betonung der Unterschiede profitiere. „Heute stellt sich die Frage: Wer bewirtschaftet tatsächliche oder vermeintliche Unterschiede? Wessen politisches Geschäftsmodell ist die Teilung?“, so Teuteberg. Der Spiegel griff diesen Begriff in seiner Berichterstattung prominent auf.
Sie zielt damit auf die AfD, die mit ihrer Ostidentitätspolitik zuletzt für Schlagzeilen sorgte. So hatte etwa der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke Westdeutschen das Deutschsein abgesprochen. Teutebergs Attacke kommt zu einem Zeitpunkt, da die Partei im Osten hohe Umfragewerte erzielt.
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40 Jahre Sozialismus als Ursache
Auch die ökonomischen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland führt Teuteberg auf die DDR-Vergangenheit zurück: „Durch 40 Jahre Sozialismus gab es weniger Möglichkeiten, Vermögen zu bilden. Das hat Nachwirkungen, aber wir dürfen nicht Ursache und Wirkung verwechseln.“ Sie warnt davor, die heutige Politik allein verantwortlich zu machen.
Vielmehr hätten die politischen Ränder links und rechts die wirtschaftlichen Realitäten für ihre Zwecke instrumentalisiert. „Die Ressentimentpolitik funktioniert, weil sie an tatsächliche Verletzungen anknüpft, aber die Ursachen bewusst falsch zuordnet“, so Teuteberg weiter.
Diktatur und Demokratie nicht verwischen
Mit dem 65. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 2026 mahnt Teuteberg eine klare Abgrenzung von der DDR-Diktatur an: „Der SED-Staat war eine Diktatur und ein großes Gefängnis.“
„Der SED-Staat war eine Diktatur und ein großes Gefängnis.“
Linda Teuteberg, stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende
Sie appelliert: „Der Jahrestag des Mauerbaus ist Anlass, sich daran zu erinnern, wie wertvoll Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie sind. Und all jenen zu widersprechen, die den fundamentalen Unterschied zwischen einem demokratischen Rechtsstaat und einer totalitären Diktatur systematisch verwischen wollen.“ Mit diesen klaren Worten positioniert sich Teuteberg gegen eine Diskursverschiebung, die sie in Teilen von AfD und Linken sieht. Reaktionen der genannten Parteien standen zunächst aus.