Trump verkauft Frühzugang zu Truth-Social-Posts für 100.000 Dollar – Insider-Trading-Vorwürfe
Bild: KI-generiert
Truth API

Trump verkauft Frühzugang zu Truth-Social-Posts für 100.000 Dollar – Insider-Trading-Vorwürfe

Seit dem 1. August 2026 können Hedgefonds und Hochfrequenzhändler die marktbewegenden Truth-Social-Posts von Präsident Trump Millisekunden vor allen anderen sehen – für bis zu 100.000 Dollar im Monat. Kritiker nennen es Insider-Handel, der Justizausschuss des Repräsentantenhauses hat bereits eine Untersuchung eingeleitet.

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Es ist ein neuer Meilenstein in der Monetarisierung des amerikanischen Präsidentenamtes: Seit dem 1. August 2026 bietet die Trump Media & Technology Group (TMTG) zahlungskräftigen Wall-Street-Kunden einen exklusiven Datenzugang zu den Truth-Social-Posts von Donald Trump an. Der Dienst heißt Truth API und liefert die Nachrichten des Präsidenten Millisekunden bevor sie die breite Öffentlichkeit erreicht – ein entscheidender Vorsprung im Hochfrequenzhandel, der laut France 24 bis zu 100.000 Dollar pro Monat kostet.

Trump hält über einen von seinem Sohn Donald Trump Jr. kontrollierten Trust rund 41 Prozent der TMTG-Anteile. Die Abo-Einnahmen fließen damit direkt in das Familienvermögen. Das Unternehmen selbst steckt in einer tiefen Krise: Im ersten Quartal 2026 meldete TMTG einen operativen Verlust von rund 405 Millionen Dollar bei einem mageren Umsatz von weniger als 900.000 Dollar. Der Börsenwert liegt bei etwa 2,73 Milliarden Dollar, der Aktienkurs ist seit Trumps Amtsantritt um rund 75 Prozent eingebrochen.

Chronologie: Vom Börsengang zur API-Kontroverse

  1. 26. März 2024
    TMTG geht an die Börse

    Das Medienunternehmen von Donald Trump wird an der NASDAQ unter dem Kürzel DJT gehandelt. Die Aktie erreicht frühe Höchststände, fällt danach aber massiv.

  2. April 2026
    Marktbewegende Posts

    Trump lobt auf Truth Social die Unternehmen Palantir und Intel – innerhalb von Minuten springen die Aktienkurse. Die Marktmacht seiner Posts wird offensichtlich.

  3. 17. Juli 2026
    Bloomberg enthüllt API-Pläne

    Die Nachrichtenagentur berichtet erstmals über das geplante Produkt „Truth API“, das Wall-Street-Firmen einen Latenzvorteil von Millisekunden verschaffen soll.

  4. 31. Juli 2026
    Raskin leitet Untersuchung ein

    Der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin fordert als Ranking Member des Justizausschusses Unterlagen von TMTG an und spricht von einem „Insider-Informations-Schema“.

  5. 1. August 2026
    Truth API geht live

    Der Dienst startet offiziell. Wall-Street-Firmen können nun für bis zu 100.000 Dollar monatlich den Millisekunden-Frühzugang buchen.

  6. 3. August 2026
    Fünf Abonnenten bestätigt

    Laut 24/7 Wall St. haben fünf Firmen den Dienst abonniert. Die TMTG-Aktie legt im Juli rund 23 Prozent zu.

  7. 4. August 2026
    Insider-Trading-Vorwürfe in Leitmedien

    Fortune und PBS zitieren Rechtsexperten, die den Dienst als klaren Verstoß gegen Wertpapiergesetze bezeichnen.

Warum Millisekunden Millionen wert sind

Trump nutzt Truth Social regelmäßig für marktbewegende Ankündigungen – von Zöllen über Sanktionen bis hin zu direkten Unternehmenslob. Im April 2026 schickte ein Post („Congratulations on Intel doing such a great job“) die Intel-Aktie im nachbörslichen Handel sofort nach oben. Kurz darauf ließ ein Lob für Palantir Technologies die Aktie so stark springen wie seit einem Jahr nicht mehr.

Für Hochfrequenzhändler, die innerhalb von Mikrosekunden kaufen und verkaufen, ist ein Millisekunden-Vorsprung ein massiver Wettbewerbsvorteil. Joe Saluzzi, Mitgründer von Themis Trading, schätzt laut France 24, dass etwa 100 Hochfrequenzfirmen bereit sein könnten, für den Dienst zu zahlen. „Der Verlierer ist immer der Kleinanleger.“

If this was the CEO of a public company, this would be jail time. We have a president of the United States who has the front seat to all the action, who makes all the decisions, and he's disclosing this ahead of time to a select group.
Irene Aldridge, Leiterin von Able Alpha Trading

„Insider Trading per Definition“

Die rechtliche Kritik ist massiv. Gian Luca Clementi, Wirtschaftsprofessor an der NYU Stern School of Business, sagt unverblümt: „Das ist Insider Trading per Definition.“ Er warnt, dass die bloße Existenz des Dienstes viele Anleger vom Handel abschrecken werde – „der Markt wird implodieren“.

Renée Jones, Juraprofessorin am Boston College und ehemalige Spitzenbeamtin der Börsenaufsicht SEC, argumentiert laut NPR, der Dienst verstoße gegen Bundeswertpapiergesetze und den STOCK Act von 2012, der Präsidenten die Nutzung privilegierter Informationen für Aktiengeschäfte verbietet. „Material nonpublic information belongs to the U.S. government or to the American people, not to Truth Social or President Trump.“

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Politiker fordern SEC-Ermittlungen

Der Druck aus Washington wächst. Jamie Raskin, der ranghöchste Demokrat im Justizausschuss des Repräsentantenhauses, hat am 31. Juli 2026 offiziell eine Untersuchung eingeleitet. In einem Schreiben an TMTG-Interim-CEO Kevin McGurn spricht er von einer „verkommenen Essenz von Insider Trading“ und fordert alle Unterlagen über Entwicklung, Preisgestaltung und Kundennamen an.

This White House-Wall Street-Trump-Business feedback loop represents the depraved essence of insider trading.
Jamie Raskin, Ranking Member im Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses

Die Senatoren Elizabeth Warren und Adam Schiff haben die SEC schriftlich zu Ermittlungen aufgefordert. Chuck Schumer, demokratischer Minderheitsführer im Senat, nannte den Dienst einen „erderschütternden Skandal“ und „die Definition von Insider Trading“. Warren kündigte zudem Vorladungen an, falls die Demokraten bei den Midterms die Kontrolle über den Kongress zurückgewinnen.

TMTG weist alle Vorwürfe zurück

Die Sprecherin von TMTG, Shannon Devine, bezeichnete die Kritik als „parteipolitisches Gezänk“ und einen „koordinierten Versuch, einem börsennotierten Unternehmen zu schaden“. Die Informationen seien öffentlich und gingen gleichzeitig an Abonnenten und die breite Masse – es gehe nur um die Geschwindigkeit der Datenübermittlung.

Truth API offers customers the fastest way to ingest publicly available Truth Social data. Critics must have invented a new theory of „insider trading“ based on publicly available information.
Shannon Devine, Sprecherin der Trump Media & Technology Group

Wall Street schweigt – aus Angst

Trotz des offensichtlichen finanziellen Anreizes halten sich die großen Player bedeckt. NPR kontaktierte 12 große Broker und Hedgefonds – keiner wollte sich öffentlich äußern, viele aus Angst vor Vergeltung durch die Trump-Administration. Auch ob Citadel Securities, Goldman Sachs oder J.P. Morgan den Dienst abonniert haben, ist unbekannt. Ein namentlich nicht genannter Wall-Street-Manager sagte: „Es ist wahnsinnig. In jeder anderen Regierung würde das als kriminell gelten.“

Laut 24/7 Wall St. haben mindestens fünf Firmen bereits einen Vertrag abgeschlossen. Bei nur fünf Abonnenten lägen die monatlichen Einnahmen bei 500.000 Dollar – das wären 6 Millionen Dollar im Jahr und würde den gesamten Umsatz von TMTG aus dem Geschäftsjahr 2025 (3,73 Millionen Dollar) deutlich übertreffen.

Ein Muster der Machtmonetarisierung

Truth API ist nur der jüngste Baustein in Trumps Strategie, das höchste Staatsamt kommerziell auszuschlachten. Seine Finanzoffenlegung für 2025 weist über 2 Milliarden Dollar persönliches Einkommen aus – fast das Vierfache von 2024. Davon stammen rund 1,4 Milliarden aus Kryptowährungen, darunter 635 Millionen Dollar Lizenzgebühren aus dem $TRUMP-Meme-Coin und über 500 Millionen aus dem Krypto-Unternehmen seiner Söhne.

Dass nun auch der Echtzeit-Zugang zur Rede des Präsidenten selbst zum Abo-Produkt wird, sehen Kritiker als neue Qualität der Selbstbereicherung. „Das Anpreisen konkreter Unternehmen – offensichtlich würde die Wall Street das gerne vor allen anderen wissen. Es ist ein echtes Chaos“, sagt Dylan Hedler-Gaudette vom Project on Government Oversight. Ob und wann die SEC offiziell ermittelt, bleibt offen.