Es hätte der große Knall werden können. Jan Ullrich hätte 2006 den gesamten Radsport-Dopingskandal auffliegen lassen können – doch er schwieg.
Am Donnerstagabend, dem 6. August 2026, war der 52-Jährige erstmals zu Gast bei Ina Müller in ihrer ARD-Show „Inas Nacht“. Vor rund 14 Zuschauern in der Hamburger Kneipe „Zum Schellfischposten“ gab er offen zu: „Ich hätte damals den ganzen Radsport auffliegen lassen können“, zitiert joyn.de.
„Ich hätte damals den ganzen Radsport auffliegen lassen können.“
Warum er damals nicht auspackte? „Dafür hab ich meinen Sport zu sehr geliebt“, erklärte Ullrich in der Sendung. „Ich wollte niemanden reinreiten.“
„Dafür hab ich meinen Sport zu sehr geliebt. Ich wollte niemanden reinreiten.“
17 Jahre lang hatte Ullrich jegliches Doping geleugnet. Erst im November 2023 gestand er in einer Dokumentation – blieb aber vage. Inas Frage, ob er sich ärgere, nicht früher reinen Tisch gemacht zu haben, bejahte er sofort: „Ich habe den Zeitpunkt verpasst.“
„Ich habe den Zeitpunkt verpasst.“
Doping, so Ullrich, sei damals gang und gäbe gewesen. „Man hat sich eingeredet, das sei gar kein Doping, weil es alle machten.“ Dennoch sei klar: Ohne Talent und Training fahre auch mit Doping niemand nirgendwo hin.
„Doping war damals gang und gäbe. Es hat einfach dazugehört.“
Trotz allem glaubt Ullrich, dass die Forschung den Dopingsumpf trockengelegt habe: „Drei Wochen Höhentrainingslager haben ungefähr denselben Effekt, wie es damals mit EPO-Doping geschafft wurde.“ Ob der Radsport heute sauber sei? „Meine Hand lege ich auch nicht ins Feuer, aber ich will glauben, dass alles sauber ist.“
„Meine Hand lege ich auch nicht ins Feuer, aber ich will glauben, dass alles sauber ist.“
Absturz und neues Leben
Nach seiner Karriere stürzte Ullrich tief. Alkohol, Kokain, Eskapaden und Unfälle – er schämt sich heute für vieles. In der Kneipe beschrieb er seinen Überlebenskampf drastisch: „Wenn du neun Zigaretten auf einmal rauchst, zwei Flaschen Johnny Walker trinkst und noch andere Sachen nimmst, dann fällt jeder tot um. Ich bin irgendwie nicht umgefallen.“
„Wenn du neun Zigaretten auf einmal rauchst, zwei Flaschen Johnny Walker trinkst und noch andere Sachen nimmst, dann fällt jeder tot um. Ich bin irgendwie nicht umgefallen.“
Heute, mit 52, sagt er, führe er wieder ein glückliches Leben und akzeptiere seine dunklen Jahre als Teil seiner Persönlichkeit. „Hölle und Himmel – ich habe alles irgendwie schon gehabt.“
„Hölle und Himmel – ich habe alles irgendwie schon gehabt.“
Auch den Nachbarschaftsstreit mit Til Schweiger auf Mallorca von 2018 – als er kurzzeitig verhaftet wurde – habe man längst beigelegt. „Til ist ein Freund von mir. Wir haben das, wie es in einer guten Freundschaft ist, längst beigelegt.“
„Til ist ein Freund von mir. Wir haben uns damals gestritten, aber wir haben das, wie es in einer guten Freundschaft ist, längst beigelegt.“
Zuschauer polarisiert
Bereits im Vorfeld der Ausstrahlung hatte Ullrichs Auftritt die Fangemeinde der Show gespalten. Auf Instagram kommentierten Nutzer, sie würden die Sendung boykottieren, andere dagegen freuten sich auf das Gespräch, wie hoerzu.de berichtete. „Schade, dass bei dieser geilen Sendung solche Menschen eingeladen werden. Ich hab jede Sendung von Inas Nacht gesehen, aber hier bin ich raus“, hieß es. Ein anderer schrieb: „Großartig! Ulle ist einfach toll, ich freu mich auf die Sendung!“
Die Ullrich-Chronik
Die Chronologie
- 1997Tour-de-France-Sieg
Jan Ullrich gewinnt als erster Deutscher die Tour de France.
- 2006Ausschluss
Am Vortag des Tour-Starts wird Ullrich wegen Verwicklung in den Fuentes-Blutdoping-Skandal ausgeschlossen.
- 2018Eklat auf Mallorca
Kurzzeitige Verhaftung nach Randale auf Til Schweigers Grundstück.
- 2023Erstes Geständnis
In einer Dokumentation legt Ullrich erstmals ein umfassendes Doping-Geständnis ab.
- 2024Autobiografie
Veröffentlichung seines Buches über Leben und Doping-Vergangenheit.
- 6. August 2026Inas Nacht
Öffentliche Reue und selbstkritische Aussagen in der ARD-Talkshow.
