77 Prozent unzufrieden mit Rentenpolitik: Widerstand gegen Abschaffung der Rente mit 63
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77 Prozent unzufrieden mit Rentenpolitik: Widerstand gegen Abschaffung der Rente mit 63

Eine Insa-Umfrage offenbart dramatische Ablehnung der Rentenpläne der Bundesregierung. 77 Prozent sind unzufrieden, 68 Prozent wollen die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren behalten – und auch gegen Sozialabgaben auf Minijobs formiert sich Widerstand.

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77 Prozent der Deutschen halten die Rentenpolitik der Bundesregierung für nicht gut. Das ist das Ergebnis einer Insa-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ unter 1.005 repräsentativ Befragten, über die Welt und n-tv berichten. Nur 16 Prozent äußerten sich zufrieden.

Besonders die geplante Abschaffung der abschlagsfreien „Rente mit 63“ stößt auf massiven Widerstand: 68 Prozent der Befragten wollen die Frührente nach 45 Beitragsjahren behalten, lediglich 24 Prozent stimmen der Abschaffung zu. 56 Prozent gaben an, die Regelung selbst nutzen zu wollen oder dies bereits getan zu haben.

Auch die Einführung von Sozialabgaben auf Minijobs lehnen 61 Prozent der Befragten ab, nur 30 Prozent befürworten sie. Insa-Chef Hermann Binkert kommentierte gegenüber „Bild“:

So denken die Deutschen über die Rentenreform

Insa-Umfrage für Bild am Sonntag, 1.005 Befragte

Quelle: Insa / Bild am Sonntag

Sieben Länderchefs rebellieren gegen Merz

Chronologie der Renten-Kontroverse

  1. 2014
    Einführung der „Rente mit 63“

    Unter Andrea Nahles (SPD) wird die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren eingeführt.

  2. 23. Juni 2026
    Rentenkommission übergibt Empfehlungen

    Das Gremium unter Vorsitz von Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise legt 33 Empfehlungen vor, darunter die Abschaffung der „Rente mit 63“.

  3. Anfang August 2026
    Breite Front gegen die Pläne

    Sieben Ministerpräsidenten – darunter drei CDU-Amtskollegen – kündigen Widerstand im Bundesrat an. Gewerkschaften und die SPD-Basis rebellieren.

  4. 8. August 2026
    Insa-Umfrage offenbart dramatische Ablehnung

    77 Prozent der Deutschen finden die Rentenpolitik der Regierung schlecht.

Das Versprechen von Kanzler Merz und Arbeitsministerin Bas, alle 33 Kommissionsvorschläge eins zu eins umzusetzen, hielt keine sechs Wochen. Mittlerweile stellen sich sieben von 16 Ministerpräsidenten offen gegen die Abschaffung der „Rente mit 63“.

Umfrage
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Auf CDU-Seite kündigten Sachsens Michael Kretschmer, Sachsen-Anhalts Sven Schulze und Thüringens Mario Voigt an, im Bundesrat nicht zuzustimmen. In einem offenen Brief schreiben die drei ostdeutschen Regierungschefs: „Wer 45 Jahre eingezahlt hat, hat genug eingezahlt.“

Den Regierungsparteien ist es bisher nicht gelungen, die Bevölkerung von der geplanten Rentenreform zu überzeugen. So bekommt man die dramatisch schlechte Stimmung nicht gedreht.
Hermann Binkert, Insa-Chef

Aus der SPD schlossen sich Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern), Dietmar Woidke (Brandenburg), Anke Rehlinger (Saarland) und Andreas Bovenschulte (Bremen) dem Widerstand an. Rehlinger sagte, der Vorschlag widerspreche „dem Respekt vor der Lebensleistung von Menschen“. Die sieben Länder kommen gemeinsam auf 25 Bundesratsstimmen – für eine Blockade wären 35 nötig.

„Das Rentenpaket ist kein Buffet“

Führende Unionspolitiker stemmen sich dagegen, das Gesamtpaket aufzuschnüren. Unionsfraktionschef Thorsten Frei bietet zwar Härtefall- und Übergangsregelungen an, besteht aber auf der Gesamtheit: „Die Empfehlungen sind ein sorgfältig ausbalancierter Kompromiss. Wer einen Baustein herausnimmt, gefährdet das gesamte Vorhaben.“

Das Rentenpaket ist kein Buffet. Man kann sich nicht nur nehmen, was einem schmeckt. Der Kompromiss ist hart erarbeitet worden. Wer ihn jetzt zerpflückt, bekommt am Ende gar keine Reform. Das schadet allen Generationen.
Gitta Connemann, Unions-Mittelstandschefin (CDU)

CSU-Chef Markus Söder hält an den Empfehlungen und damit am Ende der „Rente mit 63“ fest. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann warnt vor einem Zerfall des Kompromisses. Der Wirtschaftsweise Martin Werding, selbst Kommissionsmitglied, mahnt: „Meine Sorge ist, dass die Politik das gesamte Rentenpaket aufschnürt. Dann werden die Reformpläne wie Dominosteine fallen.“

Gewerkschaften laufen Sturm

Erfreulicherweise erkennen immer mehr Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, dass der Vorschlag der Rentenkommission der Bundesregierung, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen, falsch ist. Die geplante Abschaffung missachtet die Lebensleistung der betroffenen Menschen.
Frank Werneke, Verdi-Vorstandschef

IG-Metall-Chefin Christiane Benner sagte: „Die Menschen, die das anzweifeln, können gern mal am Hochofen, auf der Werft oder am Band beim Schichtarbeiter vorbeischauen.“ DGB-Vorstand Anja Piel warnte, Menschen mit fast einem halben Jahrhundert Arbeit dürften „nicht wie eine Zitrone ausgequetscht werden“.

SPD in der Zwickmühle

Auch in der SPD gehen die Meinungen auseinander. Arbeitsministerin Bärbel Bas erklärte im ZDF-Sommerinterview, die SPD würde sich gegen den Erhalt der „Rente mit 63“ nicht sträuben: „Die SPD wird sicherlich nicht dagegen sein.“ Sie forderte die CDU auf, ihre Position zu klären.

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese plädierte für Härtefallregelungen nach österreichischem Vorbild („Schwerarbeitspension“). Er warnte, das Paket gleiche einem „Jenga-Turm: Wenn Sie einen Klotz herausziehen, wird das Ganze instabil.“

Die massiven Umfrageverluste der Regierungsparteien – die Union liegt bei 21 Prozent, die SPD bei 12 Prozent – sowie die Landtagswahlen im Osten im September erhöhen den Druck. Der Ausgang der Rentendebatte dürfte zum Lackmustest für die Handlungsfähigkeit der Koalition werden.