Polizei stoppt 3500 Menschen – Böllerwürfe auf Pferde und Festnahmen
Trotz Verbot strömten am Samstag rund 3500 Menschen nach Altschauerberg zum Schanzenfest. Die Polizei riegelte den Ort ab, es kam zu Flaschen- und Böllerwürfen auf Einsatzkräfte und Pferde. Mehrere Personen wurden festgenommen.
Rund 3500 Menschen, überwiegend junge Männer, strömten am Samstagnachmittag in den mittelfränkischen Weiler Altschauerberg – obwohl die Gemeinde eine Allgemeinverfügung erlassen hatte, die Ansammlungen von mehr als acht Personen untersagt, wie der BR berichtet. Sie kamen zum sogenannten Schanzenfest, einer Internetverabredung, die seit Jahren die Region in Atem hält.
Die Polizei war mit einem Großaufgebot aus Bereitschaftspolizei, Reiter- und Hundestaffeln angerückt. Trotz Platzverweisen und Lautsprecherdurchsagen bewegte sich der Zug aus allen Himmelsrichtungen auf das ehemalige Grundstück des YouTubers Rainer Winkler zu, der als „Drachenlord“ bekannt wurde.
„Man muss sagen, dass es eine sehr aggressive Grundstimmung war. Wir haben Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte, wir haben Flaschenwürfe und Böllerwürfe gegen Polizeipferde.“
Vom Hassobjekt zur Kultfigur: Der Drachenlord-Komplex
Rainer Winkler veröffentlichte ab 2014 Videos aus seinem Haus, provozierte mit teils extremen Ansichten und gab seine Adresse preis. Eine Hasskampagne im Netz führte zu jahrelangen Belästigungen und Polizeieinsätzen.
Ab 2018 organisierten Hater über soziale Medien erstmals „Schanzenfeste“ – Massenversammlungen an Winklers Wohnort. 2022 wurde Winkler zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, verkaufte später sein Haus und verließ Altschauerberg. Das Gebäude wurde abgerissen. Dennoch feiert eine zweite Generation junger Menschen den „Drachenlord“ inzwischen als Kultfigur, wie infranken.de berichtet.
Chronik einer Internet-Eskalation
2014
Drachenlord startet YouTube-Kanal
Mit Videos über Metal, Spiele und sein Privatleben wird Rainer Winkler zum Hassobjekt.
2018
Erste Schanzenfeste
Massenverabredungen am Wohnort führen zu Dauerbelastungen für Anwohner und Polizei.
2022
Verurteilung und Hausverkauf
Landgericht Nürnberg-Fürth verurteilt Winkler zu einem Jahr auf Bewährung. Kurz darauf verkauft er sein Haus.
August 2025
4000 Menschen beim Schanzenfest
Ein Jahr vor der aktuellen Eskalation erreicht das Phänomen eine neue Dimension.
8. August 2026
Verbotenes Schanzenfest 2026
Trotz Verbots kommen 3500 Menschen, es kommt zu Gewalt gegen Einsatzkräfte.
Eskalation: Böller und Flaschen fliegen auf Polizeipferde
Der Nachmittag brachte die Eskalation: Die Menge versuchte, über Wälder und Wiesen an den Polizeiabsperrungen vorbei zum ehemaligen Schanzengelände vorzudringen. Einsatzkräfte wurden mit Flaschen beworfen, Böller explodierten in der Nähe von Polizeipferden.
In angrenzenden Waldstücken zündeten Unbekannte mehrere Böller. Wegen der hohen Temperaturen und der Trockenheit entstand ein kleiner Flächenbrand, der jedoch schnell gelöscht werden konnte, meldete der BR.
„Es ist anders als im letzten Jahr. Es sind zwar weniger Menschen da, aber die bewegen sich anders und verstreuen sich mehr. In diesem Jahr hat man das Gefühl, die Menschen kommen aus allen Ecken und Enden und das macht es auch schwieriger, darauf zu reagieren.“
Sandra Winkelspecht, Bürgermeisterin von Emskirchen
Gegen 16:15 Uhr verließ die Mehrheit der Anwesenden den Ort wieder. Die Polizei setzte in einigen Fällen Schlagstöcke ein und nahm mehrere Personen fest. Jetzt prüft die örtliche Polizei in Neustadt an der Aisch Ordnungswidrigkeiten und mögliche Strafverfahren gegen Teilnehmer.
Die Gemeinde hatte bereits nach dem Vorjahresentzug eine verlängerte Allgemeinverfügung erlassen. Bürgermeisterin Winkelspecht zeigte sich dennoch besorgt über die unberechenbare Dynamik der Menschenmenge. Das Ereignis zeigt, dass die Internetkultur rund um den Drachenlord auch nach dessen Wegzug nicht abebbt.