Unerlaubte Anlandung: Grönland warnt Trump-nahe US-Ölfirma nach Bohrgerät-Vorstoß
Am 29. Juli 2026 landete eine US-Ölfirma ohne gültige Genehmigung Bohrgerät auf Grönland an. Die Regierung sprach eine deutliche Warnung aus – und droht mit Polizei und Militär.
Grönlands Regierung hat einer US-Ölfirma mit engen Verbindungen zu Donald Trump eine scharfe Warnung ausgesprochen. Der Grund: Ohne gültige Genehmigung landete das Unternehmen am 29. Juli 2026 Bohrgerät auf der Arktisinsel an.
Am Abend des 29. Juli entlud der dänische Schlepper „Bestla“ im Hafen von Nerlerit Inaat einen Bagger und mindestens 15 Container mit Camp-Material. Die grönländische Rohstoffbehörde erklärte, die frühere Anlandungsgenehmigung sei ausgelaufen und die Verlängerung noch nicht erteilt, wie der Guardian berichtete.
Jørgen Hammeken-Holm, Leiter der Behörde, drohte im Rundfunk KNR für den Fall weiterer illegaler Aktivitäten mit dem Einsatz von Polizei und Militär. Gleichzeitig stellte er klar, dass eine Rückführung des Materials „nicht verhältnismäßig“ sei, der Antrag aber weiter bearbeitet werde.
Trumps Griff nach Grönland
Die unerlaubte Anlandung fällt in eine Zeit eskalierender US-Annexionsrhetorik. Erst im Juli hatte die US-Regierung unter Trump die Übernahme Grönlands als „einzige Lösung“ bezeichnet – wie bereits berichtet.
Wenige Tage nach der grönländischen Verwarnung postete Trump auf Truth Social ein KI-generiertes Bild, das ihn als Riesen über einem grönländischen Dorf zeigt – mit dem Text „Hello, Greenland!“.
Greenland Energy: Verbindungen bis ins Weiße Haus
Hinter der Bohrung steht Greenland Energy, ein erst 2025 in Texas gegründetes Unternehmen, das dennoch über beste Lobbykontakte verfügt. Gründer und Chairman Larry Swets hat nach Recherchen des Guardian Zugang zu Trumps engstem Zirkel.
„Das Ölprojekt steht in keinem Zusammenhang mit einer Annexion durch die USA.“
Larry Swets, Chairman Greenland Energy
Zur medialen Begleitung des Projekts wurde TV-Moderator „Dr. Phil“ McGraw als Berater engagiert. Seine Produktionsfirma soll eine Dokumentarserie zur Bohrkampagne produzieren – ein Vorgehen, das an Trumps frühere Medienallianzen erinnert.
Widerstand in Ittoqqortoormiit
Rund 50 Kilometer vom Bohrstandort entfernt liegt Ittoqqortoormiit, mit 300 Einwohnern Grönlands kleinste Stadt. Im Juni 2026 reiste CEO Robert Price in die Gemeinde, um Bedenken auszuräumen – und stieß auf konkrete Forderungen: eine Sporthalle, ein beheiztes Freibad und ein Hubschrauberflug zur Dokumentation der Jagdgründe.
Price wies alle sechs Punkte zurück und bot stattdessen einen Fonds von rund einer Million dänischer Kronen sowie zehn Arbeitsplätze an. Die entscheidende Frage nach einem möglichen Ölfund ließ er unbeantwortet: „Es könne groß werden“, mehr sagte er nicht, wie T-Online berichtete.
Noch brisanter: Ein Unternehmensvertreter hatte bei der Bürgerversammlung fälschlich behauptet, man habe bereits die Genehmigung zur Anlandung. Swets räumte später ein: „Unsere Begeisterung für das Projekt hat dazu geführt, dass wir auf eine Weise kommuniziert haben, die Verwirrung gestiftet hat.“ Experten wie Jessica Berlin vom Center for European Policy Analysis warnen: „Denkt nicht einmal daran, das zu erlauben. Werft sie jetzt raus oder ihr habt die Schleusen geöffnet.“
Umfrage
Lädt
Chronologie der Eskalation
Vom Lizenzstopp zur illegalen Anlandung
2021
Grönland stoppt neue Öl- und Gaslizenzen
Aus Klima- und Umweltgründen wird die Vergabe neuer Explorationslizenzen ausgesetzt.
2025
Greenland Energy gegründet
Das Unternehmen wird in Texas registriert und später an der NASDAQ gelistet.
Juni 2026
Bürgerdialog in Ittoqqortoormiit
CEO Price weist alle Forderungen der Gemeinde zurück; ein Vertreter behauptet fälschlich eine Genehmigung.
29. Juli 2026
Illegale Anlandung
Der Schlepper „Bestla“ entlädt Bagger und 15 Container ohne gültige Erlaubnis in Nerlerit Inaat.
30. Juli 2026
Deutliche Warnung aus Nuuk
Die Regierung rügt Greenland Energy und droht bei erneuten Verstößen mit Polizei und Militär.
6. August 2026
Aktionärsbrief veröffentlicht
Greenland Energy spricht von „konstruktiven“ Gesprächen und plant nur eine Probebohrung.
12. September 2026 (geplant)
Bohrgerät soll eintreffen
Ein Schiff mit 300 Containern soll von Kanada aus in See stechen.
Ausblick: Bohrung trotz Warnung?
Trotz der fehlenden endgültigen Genehmigung geht Greenland Energy von einem baldigen Start aus. Einem Aktionärsbrief vom 6. August zufolge seien die jüngsten Gespräche mit den grönländischen Behörden „konstruktiv“ verlaufen. Ein Schiff mit 300 Containern Bohrausrüstung soll am 12. September von Kanada aus in See stechen.
Die Erkundungsbohrung im Jameson-Land-Becken soll bereits im Oktober 2026 beginnen – vorausgesetzt, die grönländischen Behörden erteilen die noch ausstehende Genehmigung. Experten warnen jedoch, dass das Gebiet unter dem Schutz der Ramsar-Konvention steht und Heimat von Moschusochsen und mausernden Gänsen ist.
Die grönländische Regierung steht vor einem Dilemma: Erteilt sie die Genehmigung, könnte das als Einknicken vor dem Druck aus Washington gewertet werden. Verweigert sie sie, liefert sie Trump womöglich einen Vorwand für weitere Annexionsforderungen. Die Opposition fordert bereits eine transparente Aufklärung.