Selenskyj warnt vor bis zu 50.000 nordkoreanischen Soldaten für Russland
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat auf X eine drastische Ausweitung der nordkoreanischen Militärhilfe für Russland angekündigt. Er appelliert an Südkorea, die Ukraine mit Luftverteidigung zu unterstützen.
Am Samstag warnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf X vor einer massiven neuen Truppenentsendung: Russland bereite den Einsatz von 30.000 bis 50.000 nordkoreanischen Soldaten auf eigenem Territorium vor. „Nun wurde die Entscheidung getroffen, 30.000 bis 50.000 Nordkoreaner auf russischem Territorium einzusetzen“, schrieb Selenskyj.
Noch im Juli hatte Selenskyj unter Berufung auf Geheimdienstberichte von 30.000 weiteren nordkoreanischen Soldaten in der Region Woronesch gesprochen. Die jetzige Spanne bedeutet eine deutliche Erhöhung und unterstreicht das wachsende Engagement Pjöngjangs. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.
Nordkoreanische Truppen in Russland
Selenskyj warnt vor bis zu 50.000 Soldaten
Quelle: Wolodymyr Selenskyj, 09.08.2026
Bereits 2025 hatte Nordkorea schätzungsweise bis zu 15.000 Soldaten geschickt, die vor allem bei Kämpfen um Kursk eingesetzt wurden. Wie jux.net berichtete, starben dabei mindestens 2.000 Nordkoreaner, und die Truppen zeigten eine hohe Bereitschaft, sich selbst zu töten, um nicht in Gefangenschaft zu geraten. Gleichzeitig lieferte Pjöngjang Millionen von Artilleriegranaten und ballistische Raketen an Moskau.
Bedrohung für ganz Asien
Selenskyj sieht in der Militärkooperation eine Gefahr, die über die Ukraine hinausgeht. Nordkorea werde seine Erfahrungen in der modernen Kriegsführung ausbauen und von Russland Lizenzen sowie militärische Mittel erhalten, so der Präsident. Das mache das Regime in Pjöngjang zu einer direkten Bedrohung für alle Staaten in Reichweite nordkoreanischer Raketen.
„Russland hilft Nordkorea dabei, den Krieg zu erlernen, verbessert dessen Waffen und verschafft dem Land Erfahrungen im realen Einsatz von Waffen. All dies stellt eine Bedrohung für jeden in Asien dar, der sich in Reichweite nordkoreanischer Raketen befindet.“
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Die Außenminister beider Länder hatten erst vor wenigen Wochen ihre strategische Partnerschaft bekräftigt. Moskau und Pjöngjang verbindet ein Vertrag, der die enge militärische Zusammenarbeit festschreibt.
Appell an Südkorea
Angesichts der Eskalation hofft Kiew nun auf eine engere Kooperation mit Seoul. Selenskyj wünscht sich von Südkorea insbesondere Unterstützung bei Luftverteidigungssystemen. Im Gegenzug bietet die Ukraine eine Zusammenarbeit im Drohnenbereich an, wo sie im Krieg gegen Russland umfangreiches Know-how aufgebaut hat.
Ukrainische Diplomaten stehen nach eigenen Angaben bereits in Kontakt mit der Regierung in Seoul, um mögliche Rüstungsgeschäfte auszuloten. Bislang liefert Südkorea keine Waffen direkt an die Ukraine, sondern nur an Nato-Mitglieder wie Polen.
Chronologie: Nordkoreas militärisches Engagement
August 2024
Kim Jong Un billigt Truppenentsendung
Nordkoreanische Staatsmedien berichten, Machthaber Kim Jong Un habe die Entsendung von Truppen zur Unterstützung Russlands genehmigt.
2025
Bis zu 15.000 Soldaten im Einsatz
Schätzungen zufolge werden bis zu 15.000 nordkoreanische Soldaten in der Region Kursk eingesetzt; mindestens 2.000 sterben. Zudem liefert Pjöngjang massenhaft Artillerie und Raketen.
Juli 2026
Selenskyj spricht von 30.000 weiteren
Unter Berufung auf Geheimdienstberichte warnt Selenskyj vor 30.000 zusätzlichen nordkoreanischen Soldaten in der Region Woronesch.
9. August 2026
Neue Warnung: 30.000 bis 50.000
Auf X verkündet Selenskyj eine deutliche Erhöhung der Truppenzahl und fordert Südkorea zur Luftverteidigungshilfe auf.
Seouls schwierige Gratwanderung
Südkoreas amtierender Präsident Lee Jae Myung befindet sich in einem Dilemma: Einerseits sucht sein Land die Annäherung an EU und Nato, andererseits möchte er die Beziehungen zu Nordkorea nicht vollends zerrütten. Bislang hat Seoul alle Sanktionen gegen Moskau mitgetragen, aber eine direkte Waffenlieferung an Kiew vermieden.
Mit der Ankündigung einer massiven nordkoreanischen Verstärkung könnte sich dieser Druck nun erhöhen. Selenskyjs Appell macht deutlich, dass Kiew Südkorea als Schlüsselpartner sieht – und als potenziellen Lieferanten dringend benötigter Luftverteidigung.