Putin telefoniert mit totem Kommandeur – Kreml lanciert Fake-Gespräch
Ein peinlicher Fehler des Kreml: Präsident Putin soll mit einem Kommandeur telefoniert haben, der seit Mai 2025 tot ist. Russische Quellen hatten die Beerdigung von Oberst Abdulasis Schichabidow dokumentiert.
Es klingt wie eine Szene aus einem absurden Theaterstück: Der Kreml veröffentlicht am 6. August 2026 das Transkript und eine Audioaufnahme eines Telefonats zwischen Präsident Wladimir Putin und einem Frontkommandeur. Der Haken: Der Gesprächspartner soll schon seit über einem Jahr tot sein, wie die WELT und t-online berichten.
Bei dem Mann handelt es sich um Oberst Abdulasis Schichabidow, Kommandeur der 76. Garde-Luftlandedivision der russischen Streitkräfte. Putin hatte ihn erst am 10. März 2025 persönlich ernannt – doch bereits im Mai 2025 meldeten mehrere russische Quellen übereinstimmend seinen Tod, darunter Militarnyi.
Die Chronologie
10. März 2025
Ernennung zum Kommandeur
Putin ernennt Schichabidow persönlich zum Kommandeur der 76. Garde-Luftlandedivision.
April 2025
Propagandakampagne in Dagestan
Plakate und Schulaktionen ehren den Kommandeur; Putin lobt die Division öffentlich.
Mai 2025
Tod an der Front
Russische Quellen melden Schichabidows Tod; seine Beerdigung findet am 6. Mai in Moskau statt.
Mai 2025
Gedenkstätten in Schulen
In dagestanischen Schulen werden Gedenkecken eingerichtet und Kerzen entzündet.
6. August 2026
Kreml veröffentlicht Telefonat
Putin telefoniert angeblich mit Schichabidow, der ihm von militärischen Erfolgen berichtet.
Das Telefonat: Fröhliche Stimmung und unrealistische Ziele
In dem veröffentlichten Gespräch behauptete die Stimme, die sich als Schichabidow ausgab, russische Einheiten hätten Pokrowsk, Hryschyne, Nowooleksandriwka, Wassiliwka und Schewtschenko eingenommen. Auf die Frage, ob die Zeitvorgaben einzuhalten seien, antwortete er: „Wir werden es schaffen, die Zeitvorgaben sind völlig realistisch.“
Besonders bizarr: Die angebliche Stimmung unter den Truppen beschrieb der Anrufer als „fröhlich und zuversichtlich“. Putin selbst vermied es während des gesamten Gesprächs, seinen Gegenüber beim Namen zu nennen. Am selben Tag verlieh der Präsident der 76. Division den Garde-Titel und lobte ihre angeblichen Erfolge.
„Die Stimmung unter den russischen Truppen ist fröhlich und zuversichtlich.“
Abdulasis Schichabidow, Oberst, Kommandeur der 76. Garde-Luftlandedivision (laut Kreml-Transkript)
Das ISW analysiert: „Äußerst unrealistisch“
Das Institute for the Study of War (ISW) wertete den Vorfall als durchsichtigen Propagandaversuch. Die Behauptungen über eroberte Ortschaften seien teils falsch, die genannten Fristen „äußerst unrealistisch“. Tatsächlich rückten russische Truppen im Juli 2026 im Raum Pokrowsk zwar um knapp 46 Quadratkilometer vor, verloren aber im Vormonat Gebiete.
Der offensichtliche Fehler mit dem toten Kommandeur stellt die gesamte Echtheit des Austauschs infrage. Das ISW vermutet, dass die russische Militärführung dem Kremlchef systematisch geschönte Lagebilder übermittelt – oder dass das Gespräch komplett fingiert wurde, um den Eindruck zu erwecken, Putin stehe in direktem Kontakt mit der Front.
Offene Fragen und Konsequenzen
Der aktuelle Kommandeur der 76. Division ist nach russischen Angaben Denis Schischow. Warum der Kreml ein Jahr nach Schichabidows Tod einen solchen Fauxpas begeht, bleibt unklar. Westliche Beobachter sehen darin ein Indiz für das dysfunktionale Informationssystem im Kreml.
Die 76. Garde-Luftlandedivision, eine Eliteeinheit, war bereits 2022 in Butscha im Einsatz. Schichabidow übernahm das Kommando erst danach. Dass sein Name nun in einem vermeintlichen Propagandatelefonat auftaucht, wirft ein Schlaglicht auf die Realitätsferne der russischen Kriegskommunikation.