Tödliche Schüsse am Hardenbergplatz: 30-Jähriger vor Bahnhof Zoo erschossen
Bild: KI-generiert
Bluttat am Zoo

Tödliche Schüsse am Hardenbergplatz: 30-Jähriger vor Bahnhof Zoo erschossen

In der Nacht zum Montag wurde der 30-jährige Kamel C. auf dem Hardenbergplatz vor dem Berliner Bahnhof Zoo erschossen. Der Täter feuerte mehrfach und entkam mit einem Fahrzeug. Das Opfer war Mitglied einer polizeibekannten Großfamilie – die Hintergründe der Eskalation sind noch unklar.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

In der Nacht von Sonntag auf Montag fielen gegen 23.50 Uhr auf dem belebten Hardenbergplatz vor dem Berliner Bahnhof Zoo Schüsse. Mehrere Personen waren zuvor in Streit geraten – plötzlich zog eine Person eine Waffe und feuerte mehrfach auf den 30-jährigen Kamel C., wie n-tv berichtet.

Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch Sanitäter und einen Notarzt erlag der Mann noch am Tatort seinen schweren Verletzungen. Der mutmaßliche Schütze flüchtete nach den Schüssen mit einem Fahrzeug. Ob sich weitere Personen im Wagen befanden, ist derzeit noch unklar. Die Bushaltestellen auf dem Hardenbergplatz blieben nach der Tat bis in die frühen Morgenstunden gesperrt.

X · @polizeiberlin

Opfer entstammt polizeibekannter Großfamilie

Bei dem Getöteten handelt es sich um Kamel C., ein Mitglied der polizeibekannten Großfamilie C., die üblicherweise dem Clan-Milieu zugerechnet wird. Zahlreiche Männer dieser Familie sind in den vergangenen Jahren durch Eigentums-, Drogen- und Gewaltdelikte aufgefallen, wie der Tagesspiegel berichtet.

Kamel C. selbst war nach Informationen der B.Z. vor seinem gewaltsamen Tod allerdings nicht einschlägig strafrechtlich in Erscheinung getreten. Ein konkreter Bezug zur organisierten Kriminalität oder zu Drogengeschäften sei zum aktuellen Ermittlungsstand nicht erkennbar, zitierte die Zeitung einen mit dem Fall vertrauten Ermittler.

Mordkommission ermittelt in alle Richtungen

Die 1. Mordkommission des Berliner Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen. Die Staatsanwaltschaft ordnete noch für Montag eine Obduktion des Leichnams an. Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Michael Petzold, erklärte gegenüber der B.Z.:

Wir ermitteln derzeit in alle Richtungen, naturgemäß auch in Richtung krimineller Clans.
Michael Petzold, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft

Die Polizei fahndet konkret nach der flüchtigen Tatperson. Zur Identität der beteiligten Personen und zum genauen Tatmotiv machten die Behörden zunächst keine Angaben.

Die Berliner Polizei bittet Zeugen, sich bei der 1. Mordkommission unter (030) 4664-911111 oder per E-Mail an [email protected] zu melden.

Schusswaffengewalt in Berlin nimmt drastisch zu

Der Fall reiht sich in eine besorgniserregende Entwicklung ein. Erst am frühen Sonntagmorgen – keine 24 Stunden vor der Tat am Zoo – hatten Unbekannte auf die Scheibe einer Gaststätte in Neukölln geschossen. Am Freitagabend zuvor war ein 22-Jähriger im Kreuzberger Graefekiez angeschossen und notoperiert worden.

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte bereits im Februar 2026 im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses vor einer zunehmenden Verrohung gewarnt. „Streitigkeiten, die früher mit Fäusten ausgetragen wurden, werden heute vielleicht eher mit Schusswaffen ausgetragen“, sagte sie damals. Die Zahlen geben ihr recht: 2025 registrierte die Berliner Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch – ein Anstieg um 68 Prozent gegenüber 2024.

Das Landeskriminalamt Berlin hatte im Herbst 2025 die Sondereinheit „Ferrum“ zur Bekämpfung der Schusswaffengewalt gegründet. Der GdP-Landesvorsitzende Stephan Weh forderte nach der Tat am Zoo eine Ausweitung der Videoüberwachung, nannte London als Vorbild für automatische Gesichtserkennung und mahnte:

Polizei allein kann dieses Problem nicht lösen.
Stephan Weh, GdP-Landesvorsitzender Berlin

Weh forderte zugleich eine konsequente Strafverfolgung und spürbare Konsequenzen für Wiederholungstäter. Die Debatte über mehr Sicherheit im öffentlichen Raum dürfte damit weiter an Fahrt aufnehmen.

Ihre Meinung ist gefragt

Angesichts der anhaltenden Gewalteskalation stellt sich die Frage, ob die Hauptstadt genug für die Sicherheit ihrer Bürger tut. Wie stehen Sie zu mehr Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen?

Umfrage
Lädt