Schulze schließt AfD-Minister aus – und will keinen Linken-Minister
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MDR-Wahlarena

Schulze schließt AfD-Minister aus – und will keinen Linken-Minister

CDU-Ministerpräsident Sven Schulze bekräftigt in der MDR-Wahlarena sein Nein zu einer Regierung mit AfD und Linkspartei. Die Umfragen sehen die AfD bei über 40 Prozent – die Debatte über die Brandmauer wird schärfer.

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Mit der AfD will er nicht regieren, mit der Linken auch nicht: CDU-Ministerpräsident Sven Schulze hat in der MDR-Livesendung „Fakt ist! Wahlarena“ aus Magdeburg seine Absage an beide Parteien bekräftigt – vier Wochen vor der Landtagswahl am 6. September 2026.

In der Sendung am Mittwochabend stellten sich die Spitzenkandidaten von CDU, AfD, Linke, SPD, Grüne, FDP und BSW den Fragen von rund 50 Bürgerinnen und Bürgern. Die meisten Fragen richteten sich an Schulze und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, berichtete der MDR.

Gleich zu Beginn konfrontierte ein Zuschauer namens Silvio den Ministerpräsidenten mit der Frage, wozu eine Brandmauer diene. Schulze betonte, den Begriff nutze er nicht; auf die klare Frage „Brandmauer: ja oder nein?“ antwortete er: „Ich habe nicht vor, mit der AfD hier zusammenzuarbeiten.“

Einen Grund für sein Nein nannte er nicht ausdrücklich. Er begründete es mit der Überzeugung, die AfD habe nicht die Lösungen für Sachsen-Anhalt. Zugleich nannte er es „ausgeschlossen“, dass in einem Kabinett, das er leite, ein Minister der AfD oder der Linkspartei sitze.

Die beiden Parteien vergleiche er damit nicht, sagte Schulze; er wolle um Anhänger von AfD und Linken werben. „Keiner hat aktuell eine Mehrheit“, betonte er mit Blick auf die Umfragen – die AfD liegt bei 41 bis 43 Prozent, die CDU bei 22 bis 24 Prozent.

Schulzes Absage an die Linkspartei ist nicht neu: Wie jux.news bereits im Juni berichtete, hatte Schulze ein Kooperationsangebot der Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek abgelehnt.

Kurz vor der Wahl

  1. 12. August 2026
    MDR-Wahlarena in Magdeburg

    Schulze schließt AfD- und Linken-Minister aus; sieben Spitzenkandidaten beantworten Bürgerfragen.

  2. 2. September 2026
    RTL/ntv-Wahlarena

    Weitere 90-minütige Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten angekündigt.

  3. 6. September 2026
    Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

    Die AfD liegt in Umfragen mit 41 bis 43 Prozent vorn, die CDU bei 22 bis 24 Prozent.

Streit um Brandmauer und Ausgrenzung

Ein Rentner warf CDU und SPD vor, mehr als 40 Prozent der Wähler „auszugrenzen“ und die „Demokratie mit Füßen zu treten“. SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann konterte: „Die Frage des Umgangs mit der AfD ist eine Frage der Haltung.“ Eine Kooperation mit der AfD könne er sich nicht vorstellen.

Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern warnte, man solle „dem Opfermythos“ der AfD nicht auf den Leim gehen. Sie erlebe an Wahlkampfständen viel Angst – bei Frauen, behinderten Menschen und Arbeitgebern, die Migranten beschäftigten.

Anders als CDU und SPD ordneten von Angern und Grünen-Kandidatin Susan Sziborra-Seidlitz die AfD ausdrücklich als rechtsextrem ein. Der Landesverfassungsschutz stufe die sachsen-anhaltische AfD als „gesichert rechtsextremistisch“ ein, was von unabhängigen Gerichten mehrfach bestätigt sei, zitiert der Tagesspiegel die Grünen-Kandidatin.

„Diese Partei ist verfassungsfeindlich“, sagte Sziborra-Seidlitz. Die AfD tue so, als sei sie die einzige Partei, die stolz auf Sachsen-Anhalt sei – dabei rede sie das Land permanent schlecht.

Umfrage
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Geflüchteter fragt nach Diktatur – Siegmund weist Vorwürfe zurück

Der vor zehn Jahren aus Syrien geflüchtete und eingebürgerte Aras Baader (SPD-Mitglied) konfrontierte Siegmund mit Blick auf das AfD-Wahlprogramm: „Wollen Sie wirklich die Demokratie hier in Sachsen-Anhalt und in Deutschland abschaffen und eine Diktatur auf ihr bauen?“

Siegmund wies das zurück:

Ich weiß nicht, wer Sie mit diesen typischen Vorurteilen vorbereitet hat, das ist Blödsinn.
Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat AfD Sachsen-Anhalt

Gegen die AfD werde mit „blödsinnigen Gefühlsemotionen“ agitiert, sagte Siegmund. Wer eine gute Rechtsgrundlage habe, hierzubleiben, müsse sich keine Sorgen machen – straffällige Menschen aber müssten „nach Hause“.

Die Grüne Sziborra-Seidlitz warf Siegmund daraufhin Unaufrichtigkeit vor: Die Positionen stünden sehr wohl im Wahlprogramm und seien in jeder Landtagsrede nachprüfbar. Siegmunds Angebot, mit ihr „Kaffee zu trinken“, lehnte von Angern ab – was der AfD-Mann als Beleg für die Ausgrenzung seiner Partei deutete.

Schulpflicht, Fachkräfte und die Angst vor Spaltung

Beim Thema Schulpflicht verteidigte Siegmund die AfD-Forderung, die Schulpflicht durch eine „Bildungspflicht“ mit Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht zu ersetzen. Als Begründung nannte er extremes Mobbing; betroffen seien aber höchstens etwa 30 Familien.

FDP-Kandidatin Lydia Hüskens, die übrigen Parteien und auch Schulze widersprachen. Hüskens warf Siegmund vor, ständig zu behaupten, die Schulpflicht solle nicht abgeschafft werden, obwohl das Gegenteil im Programm stehe.

Beim Fachkräftemangel im Gesundheitswesen nannte Siegmund Migration „eine Möglichkeit“, langfristig müsse die Gesellschaft aber „aus eigener Kraft“ Wege finden. Hüskens nannte es „unglaublich naiv“, mit mehr Geburten in 20 Jahren mehr Fachkräfte zu erwarten.

Schulze warf der AfD vor, Kinder aus der Schule nehmen und „die Frauen zurück an den Herd“ verbannen zu wollen. Man müsse „große Angst“ haben, dass Sachsen-Anhalt ein gespaltenes Bundesland werde. Der queere Aktivist Gabriel Rücker, der gefragt hatte, erwiderte, er sei keine Frau; die CDU kürze aktuell die Unterstützung queerer Projekte.

Weitere Themen der Sendung waren die Finanzierung der Kommunen, die Gasversorgung, die Drohnenabwehr nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle sowie der Kita-Betreuungsschlüssel. BSW-Kandidatin Claudia Wittig warnte vor einer „Militarisierung“ der Hochschulen; Willingmann nannte das „blanken Unsinn“.

Am Ende stand die Frage, wie junge Menschen in Sachsen-Anhalt gehalten werden können. Sziborra-Seidlitz warb für eine Bleibeperspektive: „Sachsen-Anhalt ist ein wunderbares Land. Wir dürfen uns das nicht kaputt reden lassen.“

Vor der Landtagswahl am 6. September 2026 treffen die Spitzenkandidaten noch in Diskussionsrunden mehrerer Medien aufeinander; RTL/ntv haben für den 2. September eine weitere, 90-minütige „Wahlarena“ angekündigt.