Aldi-Tochter zapft in Treuchtlingen 650.000 Kubikmeter Grundwasser kostenlos ab
Bild: KI-generiert
Wasserkonflikt

Aldi-Tochter zapft in Treuchtlingen 650.000 Kubikmeter Grundwasser kostenlos ab

Während die Trockenheit die Grundwasserspiegel sinken lässt, fördert der Aldi-Mineralbrunnen Altmühltaler in Treuchtlingen jährlich 650.000 Kubikmeter – kostenlos. Die Bürger beziehen ihr Trinkwasser aus 50 Kilometern Entfernung und zahlen dafür hohe Gebühren.

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Während sich die Trockenheit in Deutschland zuspitzt und Grundwasserspiegel sinken, können große Konzerne weiterhin nahezu gratis Wasser abpumpen. Wie t-online berichtet, verfügen Unternehmen wie Coca-Cola, Red Bull oder Mineralbrunnen über jahrzehntealte Rechte und eigene Brunnen – und zahlen nur Centbeträge oder gar nichts.

Der Fall Treuchtlingen zeigt, was das für Kommunen bedeutet. Die Aldi-Tochter Altmühltaler darf dort jährlich 650.000 Kubikmeter Grundwasser kostenlos fördern: 400.000 Kubikmeter oberflächennahes Wasser sowie 250.000 Kubikmeter rund 10.000 Jahre altes Tiefengrundwasser, wie die Süddeutsche Zeitung recherchiert hat.

In Treuchtlingen kann man beispielhaft sehen, was in Bayern wasserpolitisch schiefläuft.
Martin Geilhufe, Landesvorsitzender Bund Naturschutz Bayern

Aldi-Tochter pumpt, Bürger zahlen Fernwasser

Das Absurde: Die rund 13.100 Einwohner trinken kein Wasser aus ihrem Heimatort. Alle 20 Brunnen im Stadtgebiet sind in privater Hand. Die 500.000 Kubikmeter Trinkwasser, die die Bevölkerung pro Jahr braucht, werden per Fernleitung aus dem rund 50 Kilometer entfernten Donau-Lech-Mündungsgebiet herangeschafft – dafür zahlen die Haushalte höhere Gebühren als das Umland.

Der Streit eskalierte bereits 2019: Altmühltaler wollte sein Tiefengrundwasser-Kontingent mehr als verdoppeln; das Bayerische Landesamt für Umwelt lehnte ab. Ende 2022 verkaufte die Familie Schäff die Firma an Aldi Nord. Die CSU-Bürgermeisterin Kristina Becker steht im Zielkonflikt: „Altmühltaler ist unser größter Gewerbesteuerzahler. Wenn die weg sind, sind wir pleite.“

Der Konflikt in Treuchtlingen

  1. 2019
    Erstmals Ablehnung

    Das Landesamt für Umwelt verweigert Altmühltaler die beantragte Mehrentnahme von 300.000 Kubikmetern Tiefengrundwasser.

  2. Dezember 2022
    Verkauf an Aldi Nord

    Die Familie Schäff verkauft Altmühltaler; das Bundeskartellamt gibt die Übernahme frei.

  3. Juli 2026
    Wassercent in Kraft

    Bayern erhebt erstmals ein Wasserentnahmeentgelt; Mineralbrunnen müssen nun zahlen, wenn auch nur geringe Beträge.

Bayerns Wassercent stößt auf Kritik

Seit dem 1. Juli 2026 erhebt Bayern den Wassercent. Aus den Einnahmen sollen jährlich rund 80 Millionen Euro in Wasserschutz-Maßnahmen fließen. Doch der Bund Naturschutz hält das Instrument für untauglich: Es lasse zu viele Ausnahmen zu, und die ersten 5.000 Kubikmeter pro Unternehmen blieben abgabenfrei. Auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) kritisiert, der Wassercent sei nicht fair verteilt.

Der VKU fordert deshalb den Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung. „Das wertvolle Tiefengrundwasser muss für künftige Generationen und als Notreserve der öffentlichen Wasserversorgung bewahrt werden“, heißt es. Außerdem verlangt der Verband ein digitales Wasserbuch in allen Bundesländern, um Genehmigungen und Entnahmen transparent zu machen.

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Mineralbrunnen wehren sich, Versorger warnen

Die Branche hält die Kritik für übertrieben. Der Verband Deutscher Mineralbrunnen verweist darauf, dass der Anteil der Mineralbrunnen an den Grundwasserentnahmen bei weniger als 0,6 Prozent liege. Deutschland habe keinen flächendeckenden Wasserstress, heißt es. Dem widerspricht der Leipziger Volkswirtschaftsprofessor Erik Gawel: „Bereits die Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte ist von akutem oder strukturellem Grundwasserstress betroffen.“

Wir sind die Hüter der Quellen, denn ihr Erhalt sichert die Existenzgrundlage unserer Unternehmen.
Jürgen Reichle, Geschäftsführer Verband Deutscher Mineralbrunnen

Der VKU warnt, der Klimawandel mache die Wasserbewirtschaftung zur zentralen Zukunftsaufgabe. Noch ist die Trinkwasserversorgung gesichert, sagen Experten. Doch die Nutzungskonflikte werden schärfer – nicht nur in Treuchtlingen.