Massachusetts kippt Frist – katholische Gruppe droht Healey mit Exkommunikation
Gouverneurin Maura Healey hat am Montag den „Prioritizing Patient Access to Care Act“ unterzeichnet. Massachusetts ist damit der zehnte US-Bundesstaat ohne gesetzliche Frist für Abtreibungen – katholische Gruppen fordern ihre Exkommunikation.
Gouverneurin Maura Healey hat am Montag im State House in Boston ein Gesetz unterzeichnet, das die 24-Wochen-Frist für Schwangerschaftsabbrüche in Massachusetts aufhebt. Wie der SPIEGEL berichtet, wird Massachusetts damit zum zehnten US-Bundesstaat ohne gesetzliche Schwangerschaftsdauergrenze.
Statt einer Liste konkreter Ausnahmegründe – Lebensgefahr, Gefahr für die körperliche oder psychische Gesundheit der Mutter oder lebensbedrohliche Fehlbildung – gilt künftig das „professionelle ärztliche Urteil“. Auch die bisherige Pflicht, Spätabtreibungen in einem Krankenhaus durchzuführen, entfällt laut dem katholischen Portal OSV News.
Das Repräsentantenhaus hatte die Vorlage am 22. Juli mit 119 zu 33 Stimmen verabschiedet, alle Republikaner und neun Demokraten stimmten dagegen. Der Senat folgte am 31. Juli mit 15 zu 4 Stimmen. „Es ist das vierte Mal in 16 Jahren, dass wir uns mit dem Thema befassen, um die Regierung aus einer Gesundheitsfrage herauszuhalten“, sagte Justizausschuss-Vorsitzender Mike Day laut WBUR.
Healey begründete den Schritt mit „beispiellosen Angriffen auf reproduktive Rechte im ganzen Land“. Sie verwies auf die Aufhebung von Roe v. Wade und die Politik von Präsident Donald Trump. „Egal was Donald Trump, die Republikaner im Kongress oder der Oberste Gerichtshof tun – wir werden dafür sorgen, dass Frauen ihre eigenen Entscheidungen über ihre Gesundheitsversorgung treffen können“, sagte sie.
Der Konflikt mit den Bischöfen
Die vier katholischen Bischöfe von Massachusetts nannten das Gesetz bereits am 29. Juli „eine radikale Maßnahme, die schwer unmoralisch ist“. Erzbischof Richard G. Henning und seine Amtsbrüder kritisierten die „Beseitigung jeder rechtlichen Beschränkung der Spätabtreibung“ laut OSV News.
CatholicVote-Präsidentin Kelsey Reinhardt forderte in einem offenen Brief die Bischöfe auf zu klären, ob Healey – selbst Katholikin – durch die Unterzeichnung die automatische Exkommunikation verwirkt habe. „Sie musste dieses Gesetz nicht unterschreiben, und sie musste es nicht auf diese Weise unterschreiben – als Katholikin schwer skandalös“, sagte sie dem Fox News Digital.
„Allein dadurch, dass Sie das getan haben – niemand muss Sie für exkommuniziert erklären –, haben Sie etwas so sehr gegen den Glauben Verstoßenes getan, dass Sie sich selbst exkommuniziert haben.“
Kelsey Reinhardt, Präsidentin von CatholicVote
Die Gruppe Massachusetts Citizens for Life warf dem Gesetz vor, „den Tod voll ausgebildeter Säuglinge zu normalisieren“. Das Massachusetts Family Institute rief die Gouverneurin auf, ihr Veto einzulegen; Massachusetts Family Action nannte die Regelung „eine der extremsten Abtreibungsregelungen des Landes“.
Die Vorgeschichte
Die Debatte zog sich über Wochen: Nachdem der Haushaltsausschuss die Vorlage am 22. Juli freigegeben hatte, stimmten beide Kammern noch im Sommer zu. Die zentralen Stationen:
So lief das Gesetz durch die Kammern
22. Juli 2026
Repräsentantenhaus stimmt zu
Die Vorlage H.5595 passiert mit 119 zu 33 Stimmen; alle Republikaner und neun Demokraten stimmen dagegen.
29. Juli 2026
Bischöfe verurteilen Vorhaben
Die vier katholischen Bischöfe von Massachusetts nennen das Gesetz eine radikale, schwer unmoralische Maßnahme.
31. Juli 2026
Senat verabschiedet Gesetz
Der Senat stimmt mit 15 zu 4 Stimmen zu und leitet die Vorlage an Gouverneurin Healey weiter.
10. August 2026
Healey unterzeichnet
Die Gouverneurin unterschreibt den Prioritizing Patient Access to Care Act im State House in Boston.
8. November 2026
Inkrafttreten
90 Tage nach der Unterzeichnung tritt das Gesetz in Kraft.
Abtreibungen nach der 24. Woche machen laut Reproductive Equity Now weniger als ein Prozent aller Abtreibungen in den USA aus. Nach Daten des Gesundheitsministeriums von Massachusetts wurden 2024 insgesamt 99 solcher Abtreibungen durchgeführt, 2023 waren es 84.
Was politisch folgt
Healey und die Demokraten rahmen das Gesetz als Schutzschild gegen die restriktive Abtreibungspolitik der Trump-Regierung. „Abtreibung steht im November in Massachusetts und im ganzen Land auf dem Wahlzettel“, erklärte sie.
Der republikanische Gouverneurskandidat Brian Shortsleeve positioniert sich laut WBUR als Pro-Choice, sein innerparteilicher Konkurrent Mike Minogue nennt sich stolz gegen Abtreibung. Das Gesetz tritt am 8. November 2026 in Kraft – am Wahltag.